Papst Franziskus äußert sich zum Finanzskandal im Vatikan

Papst Franziskus im Gespräch mit Journalisten auf dem Rückflug von Japan am Dienstag, 26. November 2019
Foto: Hannah Brockhaus / CNA Deutsch
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Die aktuellen Vorwürfe von Misswirtschaft im Vatikan und einer Finanzkrise der Kurie waren Thema der "fliegenden Pressekonferenz" mit Papst Franziskus auf der Rückreise aus Japan am heutigen Dienstag.

Ja, es sei "nicht gut" was da in der Kurie passiere, sagte der Papst gegenüber Journalisten am 26. November. Ja, es gebe Korruption im Vatikan. Gleichzeitig betonte Franziskus, dass es mit Reformen vorwärts gehe, und differenziert werden müsse zwischen soliden Anlagen und eventueller Korruption.

Einkommen aus dem Peterspfennig zu investieren sei eine akzeptable Form des Finanzmanagements, wenn es sich um solide Investitionen handle. Ob die Investition in den Bau einer Luxus-Immobilie in London auch korrupt war, das sei noch nicht geklärt, so der Pontifex weiter.

Wie CNA Deutsch berichtete, hat ein Bauträger im Auftrag des Staatssekretariates des Vatikans angeboten, ein Londoner Pfarrzentrum und Pfarrhaus abzureißen und durch preiswerte Wohnungen zu ersetzen, um dadurch von der zuständigen Bezirksverwaltung die Baugenehmigung für eine Luxus-Immobilie zu bekommen.

CNA Deutsch hat auch berichtet, dass die Londoner Investition durch ein kurzfristiges Darlehen in Höhe von 200 Millionen Dollar finanziert wurde, das über Schweizer Banken arrangiert wurde, zusammen mit einer Investition von fast 50 Millionen Dollar im Jahr 2018 in dieselbe Immobilie, wodurch der Vatikan der alleinige Eigentümer wurde. Anstatt jedoch das Gebäude vollständig von einer Minciones Holdinggesellschaft zu kaufen, übernahm das Staatssekretariat des Vatikans im Jahr 2018 die Firma selbst – und gründete eine neue Londoner Firma für das Investment.

Kardinal Parolin hat diese Vorgänge vergangenen Monat als "unklar" bezeichnet und angekündigt, das Investment weiter zu prüfen, dass sein ehemaliger Stellvertreter, Kardinal Giovanni Angelo Becciu arrangierte – bevor Papst Franziskus Becciu zum Präfekten der Kongregation für die Heiligsprechungsverfahren beförderte.

Becciu wiederum bezeichnete die Vorgänge um die Luxus-Immobilie als "akzeptierte Praxis".

Gegenüber Journalisten auf dem Rückflug aus Japan sagte Papst Franziskus auch, dass er die Genehmigung für die Razzien in mehreren vatikanischen Büros unterzeichnet habe. Am 1. Oktober durchsuchten die vatikanischen Gendarmen die Büros des Staatssekretariats und der Finanzinformationsbehörde AIF, der internen Finanzüberwachung des Vatikans. Nach diesen Durchsuchungen wurden fünf Mitarbeiter und Beamte suspendiert, darunter Tommaso Di Ruzza, der Direktor des AIF.

"Und damit war ich zufrieden", sagte der Papst, "weil man sieht, dass die vatikanische Regierung jetzt die Mittel hat, die schlechten Dinge zu klären, die im Inneren geschehen, wie in diesem Fall, dass - wenn es nicht der Fall der Immobilie in London ist, weil das noch nicht geklärt ist - aber in diesem Fall gab es Fälle von Korruption".

Weiter sagte der Papst, dass er glaube, dass die Befragung der fünf suspendierten Mitarbeiter innerhalb von ein oder zwei Monaten beginnen werde. Er betonte, für diese gelte weiter die Unschuldsvermutung.

"Es ist eine schlechte Sache, es ist nicht gut, was im Vatikan passiert. Aber es war klar, dass die internen Mechanismen zu funktionieren beginnen, die Benedikt XVI. bereits entwickelt hatte", sagte er.

"Und ich danke Gott. Ich danke nicht Gott, dass es Korruption gibt, aber ich danke Gott, dass das Kontrollsystem des Vatikans gut funktioniert."

Auf dem Papstflug wurde der Papst auch z dazu befragt, dass die Finanzaufsicht des Vatikans kürzlich von der Egmont-Gruppe gesperrt wurde, über die 164 Finanzbehörden Informationen austauschen und ihre Arbeit koordinieren.

Die Suspendierung von Di Ruzza, der plötzliche Rücktritt von AIF-Präsident René Brülhart – dessen Abgang der Vatikan offiziell als "abgelaufene Amtszeit" bezeichnete, was Brülhart jedoch verneinte – sowie des AIF-Vorstandsmitglieds Marc Odendall wurden ebenfalls am heutigen Dienstag angesprochen.

Papst Franziskus bestätigte, dass Di Ruzza immer noch suspendiert ist, trotz einer Pressemitteilung des AIF letzten Monat, die das "volle Vertrauen der Agentur" in ihn bestätigte und die Hoffnung äußerte, dass die Angelegenheit "bald geklärt" werde.

Di Ruzza wurde wegen des Verdachts einer "schlechten Verwaltung" suspendiert, sagte der Papst am heutigen 26. November dazu und fügte hinzu: "Es war die AIF, welche die Verbrechen anderer nicht kontrolliert hat, wie es scheint. Und deshalb hat er in seiner Aufsichtspflicht versagt. Ich hoffe, dass man beweist, dass es nicht so ist. Weil es immer noch die Unschuldsvermutung gibt."

Während die Entscheidung der Egmont Group "ein wenig beunruhigend" sei, sagte Franziskus, die Gruppe sei kein offizielles internationales Gremium und Fragen der Souveränität müssten berücksichtigt werden.

Egmont ist eine "private Gruppe", stellte der Papst fest und fügte hinzu: "MONEYVAL wird die geplante Inspektion für die ersten Monate des nächsten Jahres durchführen, das wird sie."

Zum bislang nicht namentlich identifizierten Nachfolger Brülharts sagte der Papst, die Person sei "auf dem höchsten Niveau, in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht, national und international".

Papst Franziskus wurde auch direkt gefragt, wie die internationale Finanzgemeinschaft wie auch die Katholiken dieser Welt eine Garantie dafür haben können, dass die vatikanische Finanzreform weiter voranschreitet und nicht die schlechten "Gewohnheiten der Vergangenheit" fortführt, oder gar zu ihnen mittlerweile zurückkehrt.

Der Papst sagte, dass Berichte über Korruption aus dem Vatikan ein Zeichen dafür seien, dass Kontrollen funktionieren, die sein Vorgänger, Papst Benedikt XVI. angestoßen habe.

"Der Vatikan hat in seiner Verwaltung Fortschritte gemacht", sagte der Papst, und griff als Beispiel den Fall der Vatikanbank auf, das "IOR".

"Zum Beispiel hat das IOR heute die Akzeptanz aller Banken und kann wie die italienischen Banken handeln, ganz normal. Etwas, das vor einem Jahr noch nich so war."

"Es gibt Fortschritte", sagte der Papst.

Auf dem Rückflug aus Japan sprach Franziskus auch über andere Themen: Die Notwendigkeit atomarer Abrüstung – er finde, ein Verbot von Atomwaffen sollte im Katechismus stehen, so der Pontifex – sowie die Risiken nuklearer Stromerzeugung.

Hannah Brockhaus, die den Papst im Flieger begleitete, sowie JD Flynn, Ed Condon und Andrea Gagliarducci trugen zur Berichterstattung bei.

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