Papst Franziskus: Die Theologie von Benedikt XVI. ist "Grundlage für den Weg der Kirche"

Papst Franziskus und Papst emeritus Benedikt XVI.
Foto: Osservatore Romano

Papst Franziskus hat am Donnerstag die Rolle des emeritierten Papstes Benedikt XVI. und seine Theologie für die Kirche gewürdigt.

In seiner Rede bei der Verleihung des Ratzinger-Preises 2022 im Vatikan sagte Papst Franziskus: "Wir alle spüren seine geistliche Gegenwart und seine Begleitung im Gebet für die ganze Kirche."

"Aber diese Gelegenheit ist wichtig, um zu bekräftigen, dass der Beitrag seiner theologischen Arbeit und, allgemeiner, seines Denkens weiterhin fruchtbar und wirksam ist."

Der Ratzinger-Preis wurde 2011 ins Leben gerufen, um Wissenschaftler auszuzeichnen, deren Arbeit einen bedeutenden Beitrag zur Theologie im Geiste von Kardinal Joseph Ratzinger, dem bayerischen Theologen und späteren Papst Benedikt XVI, darstellt.

In diesem Jahr wurde der prestigeträchtige Preis an den Jesuitenpater Michel Fédou und Professor Joseph H.H. Weiler verliehen.

Pater Fedou (links) und Professor Weiler bei der Verleihung. (Vatican Media)

Papst Franziskus sagte: "Wie wir wissen, hat Benedikt XVI. persönlich als Experte am [Zweiten Vatikanischen Konzil] teilgenommen und eine wichtige Rolle bei der Entstehung einiger Dokumente gespielt; und dann wurde er berufen, die kirchliche Gemeinschaft bei ihrer Umsetzung zu leiten, sowohl an der Seite des heiligen Johannes Paul II. als auch als Hirte der Weltkirche."

Benedikt "hat uns geholfen, die konziliaren Dokumente gründlich zu lesen, indem er eine 'Hermeneutik der Reform und der Kontinuität' vorgeschlagen hat", sagte der Papst.

Sein Vorgänger aus Bayern, fügte der Pontifex hinzu, habe "eine solide theologische Grundlage für den Weg der Kirche geliefert: eine 'lebendige' Kirche, die er uns gelehrt hat, als Gemeinschaft zu sehen und zu leben, und die in der 'Synode' unterwegs ist - geleitet vom Geist des Herrn, immer offen für die Mission, das Evangelium zu verkünden und der Welt zu dienen, in der sie lebt."

Papst Franziskus spricht bei der Preisverleihung am 1. Dezember, 2022. (Vatican Media)

Pater Fédou lehrt seit 1987 Dogmatik und Patristik am Centre Sèvres, einer Jesuiteneinrichtung in Paris. Laut einem Kommuniqué des Vatikans ist er Mitglied mehrerer theologischer Organisationen und Kommissionen für den ökumenischen Dialog mit Lutheranern und orthodoxen Christen.

Der 69-jährige gebürtige Lyoner ist Autor mehrerer Werke, hauptsächlich über Patristik und Christologie.

Professor Joseph H. H. Weiler, der für seine Rolle bei der Verteidigung des Aufhängens von Kruzifixen in öffentlichen Schulen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bekannt ist, ist Rechtsgelehrter an zahlreichen Universitäten in den USA und im Vereinigten Königreich, unter anderem an der Harvard Universität und der New York Universität.

Der 71-jährige war Präsident des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz und ist Autor zahlreicher Werke zum Verfassungs- und Völkerrecht sowie zu den Menschenrechten.

In seinem Buch "A Christian Europe: An Exploratory Essay" prägte der jüdische Gelehrte den Begriff der Christophobie.

Die Gewinner des Ratzinger-Preises im vergangenen Jahr waren Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und Ludger Schwienhorst-Schönberger.

Die Kandidaten für den Preis werden vom wissenschaftlichen Ausschuss der Ratzinger-Stiftung ausgewählt und dem Papst vorgelegt, der die Preisträger bestätigt.

Der Ratzinger-Preis wird seit 2011 jährlich an zwei oder drei Wissenschaftler verliehen. Die Mitglieder des wissenschaftlichen Ausschusses werden vom Papst ernannt.