Papst Franziskus: Gute Ehevorbereitung ist "Pflicht der Gerechtigkeit"

Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 8. Juni 2022
Foto: Vatican Media

Eine angemessene Vorbereitung auf das Sakrament der Ehe sei eine Frage der Gerechtigkeit in der katholischen Kirche, so Papst Franziskus in einem neuen vatikanischen Dokument für Priester, die mit verlobten Paaren arbeiten.

"Es ist daher in erster Linie eine Pflicht, diejenigen, welche die Absicht bekunden, sich in der Ehe zu vereinen, mit Verantwortungsbewusstsein zu begleiten, damit sie vor den Traumata der Trennung bewahrt werden und niemals den Glauben an die Liebe verlieren", so der Papst im Vorwort zum Text "Katechumenale Wege für das Eheleben", der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Die 97-seitige Broschüre, die vom Dikasterium für die Laien, die Familien und das Leben erstellt wurde, ist ein pastorales Hilfsmittel für Bischöfe, Priester, Ehepaare und Menschen, die in der Familienpastoral tätig sind.

Das Dokument "ist ein Geschenk und eine Aufgabe", sagte Franziskus und betonte, dass es Richtlinien biete, die an bestimmte Kulturen und Situationen angepasst werden sollten, anstatt als "magische Formeln" zu gelten.

In seinem Vorwort verwies Papst Franziskus auf die jahrelange Vorbereitung der Kandidaten für das Priestertum und das Ordensleben. Die Ehevorbereitung hingegen dauere manchmal nur wenige Wochen.

"Es ist daher eine Pflicht der Gerechtigkeit für die Mutter Kirche, Zeit und Energie für die Vorbereitung derjenigen aufzuwenden, die der Herr zu einer so großen Mission wie der Familie beruft", sagte er.

Das Dokument liegt auf Italienisch und Spanisch vor und wird demnächst auch in anderen Sprachen veröffentlicht, so der Vatikan. Es gliedert sich in drei Abschnitte: die Ehevorbereitung, Hochzeitsfeier und Begleitung in den ersten Jahren des Ehelebens.

"Die Kirche ist in jedem Zeitalter aufgerufen, vor allem den jungen Menschen die Schönheit und den Reichtum der Gnade zu verkünden, die im Sakrament der Ehe und im Familienleben, das daraus hervorgeht, enthalten sind", sagte Papst Franziskus.

Er wies darauf hin, dass verheiratete Paare die Mehrheit der katholischen Gläubigen ausmachen und oft Säulen im Gemeindeleben, in ehrenamtlichen Gruppen und in katholischen Bewegungen und Vereinigungen sind.

"Es gibt auch ein Gefühl der Gerechtigkeit, das uns beseelen sollte. Die Kirche ist eine Mutter, und eine Mutter bevorzugt ihre Kinder nicht. Sie behandelt sie nicht ungleich, sondern schenkt allen die gleiche Sorgfalt, die gleiche Aufmerksamkeit, die gleiche Zeit", sagte er.

"Wenn wir einer Person keine Zeit widmen, ist das ein Zeichen dafür, dass wir sie nicht lieben".

Die Eheleute seien "Hüter des Lebens", sagte er und wies darauf hin, dass "aus den Familien die Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben hervorgehen; und es sind die Familien, die das Gefüge der Gesellschaft bilden und mit Geduld und täglichen Opfern 'ihre Risse flicken'".

Es bestehe die Sorge, erklärte er, dass bei einer oberflächlichen Ehevorbereitung die Paare Gefahr laufen, eine ungültige Ehe einzugehen oder ein zu schwaches Fundament zu haben, um den unvermeidlichen Krisen standzuhalten.

"Diese Misserfolge bringen großes Leid mit sich und hinterlassen tiefe Wunden bei den Menschen. Sie werden desillusioniert, verbittert und in den schmerzlichsten Fällen glauben sie schließlich nicht mehr an die Berufung zur Liebe, die Gott selbst in das Herz des Menschen eingeschrieben hat", sagte er.

Das Dikasterium für die Laien, die Familien und das Leben erklärte, die Broschüre zur Ehevorbereitung sei eine Initiative im Rahmen des Jahres der Familie, das der Vertiefung der Familienpastoral gewidmet ist. Das Jahr markiert den fünften Jahrestag von Amoris laetitia, dem apostolischen Schreiben von Papst Franziskus über die Liebe in der Familie. Es endet am 26. Juni mit dem Weltfamilientreffen in Rom.

Der Papst sagte, er hoffe, dass bald ein weiteres Dokument veröffentlicht werden könne, das Männern und Frauen gewidmet sei, "die das Scheitern ihrer Ehe erlebt haben und in einer neuen Verbindung leben oder zivil wiederverheiratet sind".

Die Kirche wolle diese Paare begleiten, "damit sie sich nicht verlassen fühlen und zugängliche und brüderliche Orte der Aufnahme, der Hilfe bei der Entscheidungsfindung und der Teilnahme an den Gemeinschaften finden können", schrieb er.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency, der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

Das könnte Sie auch interessieren: