Papst Franziskus: Interreligiöser Dialog ist „notwendig und unumkehrbar“

Papst Franziskus, 15. September 2022
Foto: screenshot / YouTube / Vatican News

Der Kongress der Führer der Welt- und Traditionsreligionen in Kasachstan hat im Beisein von Papst Franziskus eine Erklärung offiziell angenommen, in der es heißt: „Wir stellen fest, dass Pluralismus und Unterschiede in Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Rasse und Sprache Ausdruck der Weisheit des göttlichen Willens in der Schöpfung sind.“

Im seiner Ansprache zum Abschluss der zweitägigen Veranstaltung, die den Anlass für den päpstlichen Besuch in Kasachstan darstellte, sagte Papst Franziskus, der interreligiöse Dialog sei „ein gemeinsamer Weg des Friedens und für den Frieden, und als solcher ist er notwendig und unumkehrbar. Der interreligiöse Dialog ist nicht mehr bloß eine Möglichkeit, er ist ein dringender und unersetzlicher Dienst an der Menschheit, zum Lob und zur Ehre des Schöpfers aller.“

Erklärung des Kongresses

Die Erklärung des Kongresses hält in 35 Punkten fest, man werde „alle Anstrengungen unternehmen, um sicherzustellen, dass der Kongress der Führer der Welt- und Traditionsreligionen seine regelmäßigen Aktivitäten zum Nutzen des Friedens und des Dialogs zwischen den Religionen, Kulturen und Zivilisationen fortsetzt“.

Neben der Feststellung, dass „Pluralismus und Unterschiede in Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Rasse und Sprache Ausdruck der Weisheit des göttlichen Willens in der Schöpfung sind“, verweist das Dokument auch auf die Erklärung von Abu Dhabi aus dem Jahr 2019, die Papst Franziskus mit dem Großimam von Al-Azhar, Ahmad Al-Tayyeb, in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate unterzeichnet hatte. Darin hieß es ähnlich: „Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat.“

In der Erklärung des Kongresses der Führer der Welt- und Traditionsreligionen heißt es außerdem: „Wir rufen die Staats- und Regierungschefs der Welt auf, jegliche aggressive und zerstörerische Rhetorik aufzugeben, die zur Destabilisierung der Welt führt, und Konflikte und Blutvergießen in allen Teilen der Welt zu beenden.“

Der nächste Kongress soll im Jahr 2025 stattfinden, wiederum in Nur-Sultan.

Ansprache von Papst Franziskus

Papst Franziskus betonte in seiner Ansprache nach Verlesung des Erklärung: „Bevor wir wichtige Entscheidungen treffen, sollten wir mehr auf das Wohl des Menschen achten als auf strategische und wirtschaftliche Ziele, auf nationale, energetische und militärische Interessen.“

„Um zu wirklich großartigen Entscheidungen zu gelangen, sollten wir auf die Kinder, auf die junge Menschen und auf ihre Zukunft, auf die älteren Menschen und ihre Weisheit, auf die ganz normalen Menschen und ihre wirklichen Bedürfnisse schauen“, so das Oberhaupt der katholischen Kirche weiter. „Und wir erheben unsere Stimme, um laut rufen, dass die menschliche Person mehr ist als das, was sie produziert und verdient; dass sie aufzunehmen und niemals wegzuwerfen ist; dass die Familie, in der kasachischen Sprache ‚Nest der Seele und der Liebe‘, die natürliche und unersetzliche Grundlage ist, die es zu schützen und zu fördern gilt, damit die Männer und Frauen von morgen wachsen und reifen.“

„Die großen Weisheiten und Religionen sind dazu aufgerufen, für alle Menschen das Bestehen eines gemeinsamen geistlichen und moralischen Erbes zu bezeugen, das auf zwei Eckpfeilern beruht: der Transzendenz und der Geschwisterlichkeit“, sagte Franziskus.

Es sei mit Blick auf die Transzendenz „schön, dass sich jeden Tag Millionen und Abermillionen von Männern und Frauen verschiedenen Alters, verschiedener Kulturen und sozialer Verhältnisse an unzähligen Kultorten zum Gebet versammeln. Das ist die verborgene Kraft, die die Welt in Bewegung hält.“ Die Geschwisterlichkeit weise darauf hin, dass niemand „wahre Verbundenheit mit dem Schöpfer bekennen“ könne, „wenn er dessen Geschöpfe nicht liebt“.

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