Papst Franziskus kommt nach Bahrain als „Sämann des Friedens“

Papst Franziskus, 3. November 2022
Foto: Vatican Media
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Papst Franziskus hat sich in seiner Ansprache vor Amtsträgern sowie Vertretern der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps am Donnerstagabend in Bahrain als „Sämann des Friedens“ bezeichnet. Er sei gekommen, „um Tage der Begegnung zu erleben, um an einem Dialogforum zwischen dem Osten und dem Westen für ein friedliches menschliches Zusammenleben teilzunehmen“.

„Diese Tage markieren eine wertvolle Etappe auf dem Weg der Freundschaft, der sich in den letzten Jahren mit verschiedenen islamischen Religionsführern intensiviert hat: es ist ein geschwisterlicher Weg, der unter dem Blick des Himmels dem Frieden auf der Erde dienen will“, zeigte sich der Pontifex überzeugt.

„Lassen wir nicht zu, dass die Möglichkeit von Begegnungen zwischen Zivilisationen, Religionen und Kulturen verdunstet, lassen wir nicht zu, dass die Wurzeln des Menschlichen verdorren!“, forderte Papst Franziskus. „Lasst uns zusammenarbeiten, lasst uns für das Miteinander arbeiten, für die Hoffnung!“

Er würdigte den Golfstaat Bahrain für „eine vielfältige multiethnische und multireligiöse Gesellschaft, die in der Lage ist, die Gefahr der Isolation zu überwinden. Das ist so wichtig in unserer Zeit, in der eine exklusive Bezogenheit auf sich selbst und die eigenen Interessen verhindert, die unverzichtbare Bedeutung des Miteinanders zu begreifen.“

In Bahrain zeigten „die vielen nationalen, ethnischen und religiösen Gruppen, die hier koexistieren, dass man in unserer Welt zusammenleben kann und muss; in einer Welt, die seit Jahrzehnten zu einem globalen Dorf geworden ist, in dem – die Globalisierung als selbstverständlich vorausgesetzt – „die Gesinnung des Dorfes“ in vielerlei Hinsicht noch unbekannt ist: die Gastfreundschaft, die Suche nach dem anderen, Geschwisterlichkeit.“

„Wir erleben im Gegenteil mit Besorgnis, dass Gleichgültigkeit und gegenseitiges Misstrauen in großem Umfang zunehmen, dass Rivalitäten und Gegensätze, die man überwunden zu haben hoffte, sich ausweiten und dass Populismus, Extremismus und Imperialismus die Sicherheit aller gefährden“, klagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. „Trotz des Fortschritts und vieler ziviler und wissenschaftlicher Errungenschaften nimmt die kulturelle Entfernung zwischen den verschiedenen Teilen der Welt zu, und den wohltuenden Möglichkeiten der Begegnung werden unheilvolle Haltungen der Konfrontation vorgezogen.“

In Bahrain ist die Todesstrafe bis heute ein Mittel zur Bestrafung von Kriminellen. Ohne dies direkt zu erwähnen, verwies der Papst auf „das Recht auf Leben“ sowie „die Notwendigkeit, es immer zu garantieren, auch im Hinblick auf diejenigen, die bestraft werden und deren Leben nicht beseitigt werden kann“.

Gegen Ende seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache nahm Franziskus auf das Thema Umwelt sowie auf das Thema Krieg Bezug.

„Wie viele Bäume werden abgeholzt, wie viele Ökosysteme zerstört, wie viele Meere durch die unersättliche Gier des Menschen verschmutzt, was dann schließlich wieder auf ihn zurückfällt!“, so der Pontifex. „Lasst uns nicht müde werden, uns in dieser dramatischen und dringlichen Angelegenheit einzusetzen, indem wir konkrete und weitsichtige Entscheidungen treffen, mit Blick auf die junge Generation, bevor es zu spät ist und ihre Zukunft beeinträchtigt wird! Möge die Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP27), die in wenigen Tagen in Ägypten stattfindet, ein Schritt vorwärts in dieser Hinsicht sein!“

Der Krieg säe überall Zerstörung und entwurzele die Hoffnung, erläuterte der Papst weiter. „Im Krieg kommt die schlimmste Seite des Menschen zum Vorschein: Egoismus, Gewalt und Lüge. Ja, denn Krieg, jeder Krieg, bedeutet auch den Tod der Wahrheit. Wenden wir uns gegen die Logik der Waffen und schlagen wir die entgegengesetzte Richtung ein, indem wir die enormen Militärausgaben in Investitionen für die Bekämpfung von Hunger, mangelnder Gesundheitsversorgung und mangelnder Bildung umwandeln. Die vielen Konfliktsituationen schmerzen mich zutiefst.“

Am Freitag steht für Papst Franziskus eine Ansprache zum Abschluss des „Bahrain-Forum für Dialog“ für 10 Uhr auf dem Programm. Um 16 Uhr folgt eine private Begegnung mit dem Scheich der Azhar, Ahmed el-Tayeb, mit dem Papst Franziskus schon länger verbunden ist. Die beiden hatten 2019 die interreligiöse Erklärung von Abu Dhabi unterzeichnet. Es schließen sich ein Treffen mit muslimischen Würdenträgern und ein ökumenisches Friedensgebet an, wobei der Pontifex jeweils eine Ansprache halten wird.

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