Papst Franziskus startet ins neue Jahr mit Entschuldigung und Aufruf zur Einheit

Papst Franziskus im Petersdom am Hochfest der Mutter Gottes, dem 1. Januar 2020
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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Mit einer Entschuldigung für seinen Umgang mit einer Pilgerin sowie einem Aufruf an die Muttergottes und alle Katholiken zur Einheit in der Kirche ist Papst Franziskus in das neue Jahr gestartet.

Die Kirche sollte sich auf Maria und ihren Sohn konzentrieren, statt auf "Strukturen und Programme", warnte der Papst am 1. Januar 2020. 

Zum Hochfest der Gottesmutter Maria verurteilte der Pontifex zudem wiederholt alle Formen von Gewalt und Objektifizierung von Frauen, bis hin zur Ausbeutung durch Werbung und Pornographie.

"Jede Gewalt gegen Frauen ist eine Schändung Gottes, der von einer Frau geboren wurde", so der Papst heute im Petersdom.  

Als "Mittlerinnen des Friedens" würdigte Franziskus Frauen in seiner Predigt – und für seine wütende Reaktion auf das Ziehen einer Frau an seiner Hand entschuldigte er sich bei der Ansprache zum Mittagsgebet am Neujahrstag.

Videos des Vorfalls verbreiteten sich wie Lauffeuer in den Sozialen Medien. Manche Kommentare verurteilten das Verhalten des Papstes, andere dagegen äußerten Verständnis. 

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Der Vorfall ereignete sich auf dem Petersplatz: Der Papst hatte wie üblich der Krippe dort einen kurzen Besuch abgestattet. Zum Angelus am heutigen 1. Januar – der auch als "Weltfriedenstag" begangen wird – erklärte der Pontifex in freier Rede:

"Oftmals verlieren wir die Geduld, ich auch. Ich entschuldige mich für das schlechte Beispiel von gestern". 

In seiner Predigt im Petersdom am heutigen Neujahrstag betonte der Papst zudem, dass Frauen "Quellen des Lebens" sind.

"Und doch werden sie ständig beleidigt, geschlagen, vergewaltigt, dazu gebracht, sich zu prostituieren oder das Leben in ihrem Schoß auszulöschen".

Wie oft werde der Leib der Frau auf den profanen Altären der Werbung, des Gewinns und der Pornographie geopfert, ausgebeutet wie ein Nutzobjekt, fuhr Franziskus fort.

Der weibliche Körper müsse jedoch vom Konsumismus befreit werden, betonte der Papst; "er muss geachtet und geehrt werden", denn "er hat die Liebe, die uns gerettet hat, empfangen und zur Welt gebracht!"

"Von der Frau wurde der Friedensfürst geboren. Die Frau ist Spenderin und Mittlerin des Friedens und muss an den Entscheidungsprozessen voll beteiligt werden."

Mit dem Blick auf die Heilige Mutter Gottes gerichtet stelle sich für Katholiken die Frage: "Kann ich die Menschen mit dem Herzen anschauen? Liegen mir die Leute, mit denen ich lebe, am Herzen? Und vor allem, ist der Herr in der Mitte meines Herzens?"

"Maria zeigt uns den Sohn" 

In seiner Predigt sprach der Papst abschließend auch über internen Streit und einseitige Parteien – nicht nur für deutschsprachige Ohren ein warnendes Wort etwa über die Reform der Kurie, aber auch den "Synodalen Weg" in Deutschland: 

"Wenn sie sich Maria nähert, findet die Kirche sich selbst wieder, sie findet ihre Mitte und Einheit wieder. Der Feind der menschlichen Natur, der Teufel, versucht hingegen, sie zu spalten, indem er die Unterschiede, die Ideologien, die einseitigen Überlegungen und Parteien in den Vordergrund stellt. Wir verstehen die Kirche jedoch nicht, wenn wir sie von Strukturen, Programmen und Strömungen her betrachten: Wir werden etwas von ihr begreifen, aber nicht mit dem Herzen. Denn die Kirche hat das Herz einer Mutter. Und wir rufen heute als Kinder die Mutter Gottes an, die uns als gläubiges Volk vereint."

In seiner Ansprache zum Angelus, dem traditionellen Mittagsgebet der Katholiken, rief der Papst dazu auf, das Jahr 2020 "mit derselben Haltung der Dankbarkeit und des Lobpreises" zu beginnen, mit der die Kirche das Jahr 2019 beendet habe.  

"Am ersten Tag des Jahres feiert die Liturgie die heilige Mutter Gottes, Maria, die Jungfrau von Nazareth, die Jesus, den Erlöser, geboren hat", sagte der Papst.

"Dieses Kind ist der Segen Gottes für jeden Mann und jede Frau, für die große Menschheitsfamilie und für die ganze Welt. Jesus hat das Böse nicht aus der Welt genommen, er hat es an der Wurzel besiegt. Sein Heilswerk ist nicht magisch, sondern 'geduldig': Es bringt die Geduld der Liebe mit sich, die alle Ungerechtigkeit auf sich nimmt und ihr die Macht nimmt".

Als die Mutter Gottes segne Maria die Christen, "indem sie uns den Sohn zeigt", fuhr Franziskus fort.

"Halten wir unseren Blick also auf die Mutter und den Sohn gerichtet, den sie uns zeigt. Lassen wir uns zum Beginn des neuen Jahres segnen!"

Auch zum Silvester-Abend, dem 31. Dezember, hatte der Pontifex zu mehr Solidarität, Frieden und Gerechtigkeit in der Gesellschaft aufgerufen.  

Die Predigt zum heutigen Hochfest indessen schloss der Papst mit einem Gebet, das zugleich einen Aufruf darstellt: 

"O Mutter, bring in uns die Hoffnung hervor, bring uns die Einheit. Frau des Heils, wir vertrauen dir dieses Jahr an, bewahre es in deinem Herzen. Wir rufen dir zu: Heilige Mutter Gottes, heilige Mutter Gottes, heilige Mutter Gottes!"

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