Papst predigt über Ausbeutung und Egoismus in Abschlussmesse der Amazonas-Synode

Papst Franziskus in der Abschlussmesse der Amazonas-Synode am 27. Oktober 2019
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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In der Abschlussmesse der Amazonas-Synode hat Papst Franziskus Ausbeutung und "räuberische Entwicklungsmodelle" angeprangert, welche die Armen ausplündern und die "Schwester Erde" verwunden. In Abweichung von seinem offiziellen Predigttext übte er scharfe Kritik an Katholiken.

Die vom Papst als "Pachamama" bezeichnete Holzfigur einer nackten Schwangeren, von denen Franziskus gesagt hatte, dass sie in der Basilika für die Abschlussmesse gezeigt werden könnten, war nicht zugegen.

Die heilige Messe war offizieller Abschluss der Bischofssynode über die Amazonas-Region, die vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan stattfand. Das von den 181 stimmberechtigten Bischöfen am 26. Oktober verabschiedete Synodenschlussdokument fordert die Weihe verheirateter Männer im Amazonasgebiet und eine ökologische Bekehrung für die gesamte Kirche.

Ausbeutung der Armen 

"In dieser Synode hatten wir die Gnade, auf die Stimmen der Armen zu hören und über die Unsicherheit ihres Lebens nachzudenken, das von räuberischen Entwicklungsmodellen bedroht ist", sagte Papst Franziskus in seiner Predigt vom 27. Oktober.

"Die Fehler der Vergangenheit reichten nicht aus, um die Plünderung anderer Menschen und die Wunden, die unseren Mitmenschen und unserer Schwester Erde zugefügt wurden, zu stoppen: Das haben wir im vernarbten Antlitz des Amazonasgebietes gesehen", sagte er im Petersdom.

Papst Franziskus sagte, dass Menschen, die sich anderen gegenüber als überlegen angesehen haben, im Laufe der Geschichte "andere Menschen dazu gebracht haben, sich abgelehnt zu fühlen", indem sie sie "rückständig und von geringem Wert" betrachtet haben.

"Sie verachten ihre Traditionen, radieren ihre Geschichte aus, besetzen ihr Land und nehmen ihre Güter in Besitz", sagte er.

"Wie viel vermeintliche Überlegenheit, umgesetzt in Unterdrückung und Ausbeutung, existiert bis heute", fügte er hinzu.

"Wie oft, auch in der Kirche, wurden die Stimmen der Armen nicht gehört und vielleicht verspottet oder zum Schweigen gebracht, weil sie unangenehm sind", sagte der Papst.

Der Hirtenstab von Papst Franziskus für die Abschlussmesse war ein Geschenk von Mitgliedern der Bischofssynode für den Amazonas. Eine Frau trug in der Eröffnungsprozession eine Pflanze, als der Chor den Lobgesang des hl. Franziskus, "Laudato Si", sang. Später überreichte sie die Pflanze Papst Franziskus während der Präsentation der Geschenke.

Kritik an "angesehenen" Katholiken

Papst Franziskus betrachtete das Evangelium nach Lukas, in dem ein Pharisäer betet: "Ich danke dir Gott, dass ich nicht wie der Rest der Menschheit bin", während ein Steuereintreiber um die Barmherzigkeit Gottes betet.

"Die Wurzel jedes geistlichen Fehlers, wie die alten Mönche lehrten, ist, dass wir von uns selbst glauben, rechtschaffen zu sein", warnte Franziskus.

Der Papst sagte, dass der Pharisäer "voller Selbstvertrauen über seine eigene Fähigkeit, die Gebote zu halten" sei und sich nur auf sich selbst konzentrierte und vergaß, Gott und seinen Nächsten zu lieben.

"Er steht im Tempel Gottes, aber der, den er verehrt, ist er selbst", sagte Papst Franziskus und fügte in Abweichung von seinen vorbereiteten Bemerkungen hinzu, dass es viele "angesehene" katholische Gruppen gebe, die das auch täten.

"Die Anbetung des Selbst geht scheinheilig weiter mit ihren Riten und Gebeten" - viele sind Katholiken, sie bekennen sich zum Katholizismus, haben aber vergessen, dass sie Christen und Menschen sind - und vergessen die wahre Anbetung Gottes, die sich immer in der Liebe zum Nächsten ausdrückt. Auch Christen, die am Sonntag beten und zur Messe gehen, sind dieser Religion des Selbst unterworfen", fügte er hinzu.

Papst Franziskus sagte, dass das Gebet derer, die sich für rechtschaffen halten, irdisch bleibt, "zerschmettert von der Gravitationskraft des Egoismus", während sich das Gebet der armen Person direkt zu Gott erhebt.

"Lasst uns um die Gnade beten, dass wir uns nicht überlegen fühlen, dass wir nicht glauben, dass wir in Ordnung sind, dass wir nicht zynisch und verächtlich werden. Lasst uns Jesus bitten, uns davon zu heilen, schlecht zu reden und uns über andere zu beklagen, diese oder jene Person zu verachten: Diese Dinge missfallen Gott", sagte er.

Katholische Indigene aus dem Amazonasgebiet waren besondere Gäste der Messe, ebenso wie Mitglieder der Gemeinschaft L'Arche, einer Initiative zur Unterstützung von Menschen mit geistigen Behinderungen.

"Lasst uns um die Gnade beten, dass wir den Ruf der Armen hören können: Das ist der Ruf der Hoffnung der Kirche. Wenn wir ihren Schrei zu unserem eigenen machen, wird auch unser Gebet bis in die Wolken reichen", sagte Papst Franziskus.

Courtney Mares trug zur Berichterstattung bei.

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