Papst verurteilt 'eugenische' Mentalität gegen Menschen mit Behinderung

Papst Franziskus
Foto: CNA / Daniel Ibanez
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Papst Franziskus hat mit scharfen Worten am gestrigen Samstag die eugenische Mentalität verurteilt, die dazu führt, dass viele ihre behinderten Kinder abtreiben. Die Kirche müsse alle aufnehmen und willkommen heißen, die verwundbar sind. 

In den vergangenen Jahren habe es zwar große Fortschritte im Schutz der Würde eines jeden Menschen gegeben, besonders der schwächsten und verwundbarsten. Aber auf der kulturellen Ebene werde diese Würde untergraben durch ein falsches Verständnis des Lebens, so Franziskus. 

"Eine oft narzistische und utilitaristische Sicht führt leider dazu, dass viele Menschen mit Behinderungen als Randerscheinung betrachten, ohne in ihnen den vielschichtigen menschlichen und geistlichen Reichtum wahrzunehmen", so der Papst.

Viel zu oft gebe es gegenüber Behinderten eine ablehnende Haltung als würde ihre Behinderung sie davon abhalten, glücklich zu sein und ein erfülltes Leben zu führen.

"Das bestätigt die eugenische Tendenz, Ungeborene abzuschaffen, die in irgendeiner Weise nicht perfekt sind".

Ein Beispiel dieser "eugenischen" Mentalität ist Island. Ein Artikel von CBS News berichtete, dass die Inselnation kurz davor sei, Down-Syndrom "auszumerzen", weil alle solche Kinder im Mutterleib abgetrieben werden.

Papst Franziskus sprach vor Teilnehmern einer Konferenz für Katechesisten für Menschen mit geistiger Behinderung, die vom 20. bis 22. Oktober an der Päpstlichen Universität Urbaniana stattfindet unter dem Motto: "Katechese und Menschen mit Behinderung: Ein notwendiges Engagement im täglichen pastoralen Leben der Kirche".

Über 420 Teilnehmer und Betroffene aus aller Welt nehmen an der Tagung teil. 

Einer der Hauptredner ist die junge Schauspielerin und Pro-Life-Aktivistin Bridget Brown. In einem Brief an den Papst schreibt Brown: "Ich könnte zur letzten Generation von Menschen mit Down-Syndrom gehören". Dies breche ihr das Herz.

"Die Welt wird niemals mehr von unseren Gaben einen Nutzen haben", sagte sie. Sie erklärte, dass sie nicht an ihre Situation leide, sondern "mit Freude erfüllt" sei, am Leben zu sein.

Mit Blick auf die aktive Vernichtung von Menschen mit Behinderung durch die Nazi-Diktatur sagte Brown, dass Behinderte oft die ersten sind, die getötet werden.

"Mir kommt es so vor, als würden wir heute in unserem Land Kindern das gleiche antun", sagte sie. Trotz entmutigender Entwicklungen sei sie jedoch optimistisch und bete für Menschen, "die meinen, wir hätten kein Recht darauf, zu leben." 

In seiner Rede sagte Papst Franziskus, die Antwort auf diese "eugenische Tendenz" müsse eine der Liebe sein. "Nicht die falsche, gerissene und frömmlerische", sagte er, "sondern eine, die echt ist, konkret und respektvoll."

Menschen mit Behinderung müssten willkommen geheissen, geliebt, in die Gemeinschaft integriert und begleitet werden, mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft. Das gelte für einen jeden Menschen, aber umso mehr für alle, die besonders bedürftig sind. 

Die Rolle der Religion sei wichtig, denn der Glaube sei ein "großartiger Begleiter", so der Papst, und jeder könne Gottes Nähe stärker wahrnehmen.

Die Kirche müsse Menschen mit Behinderung verteidigen und fördern. Ihre Nähe zu den Familien helfe, Einsamkeit zu überwinden, die Betroffene oft riskierten. 

Hier sei die Arbeit der Katechisten besonders wichtig, denn sie sorgen dafür, dass ein jeder Mensch Jesus begegne, die Sakramente kennenlerne und diese auch lebe.

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