Tod eines an Coronavirus erkrankten Priesters erregt weltweit Aufmerksamkeit (UPDATE)

Don Giuseppe Berardelli
Foto: Oratorio Casnigo

Die Geschichte machte weltweit Schlagzeilen: Ein Priester namens Giuseppe Berardelli verzichtet Medienberichten zufolge auf sein Beatmungsgerät zugunsten eines jüngeren Patienten – und stirbt wenig später an COVID-19. 

In Wirklichkeit, so Giuseppe Foresti, Sakristan der Pfarrei Berardellis in Casnigo – etwa 25 Kilometer von Bergamo in Norditalien entfernt – konnte der Priester das Beatmungsgerät einfach nicht vertragen, zum Teil wegen bereits bestehender gesundheitlicher Probleme, und weigerte sich, es zu benutzen. Das meldet die Webseite "Crux".

Foresti betonte, dass dies den Priester nicht weniger zum Vorbild macht. "Ich kann Ihnen sagen, dass Don Giuseppe sicherlich ein besonderer Mensch war, er hat sich wirklich der ganzen Gemeinschaft hingegeben", sagte Foresti am 24. März der Webseite "Crux".

Die "BBC" und italienische Medien hatten zuvor berichtet, Pater Berardelli sollte an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden, nachdem er sich – wie viele andere Priester der Region – die Lungenkrankheit einfing, an der viele der Menschen, um die er sich als Seelsorger kümmerte, erkrankt waren. Doch statt diese Hilfe anzunehmen, habe er darauf zugunsten eines jüngeren Patienten verzichtet, den der Priester nicht persönlich kannte. Wie sich nun herausstellte, war er einfach nicht in der Lage, das Gerät zu benutzen.

Papst Franziskus betete in der Frühmesse am heutigen Dienstag für die Priester und Ärzte, die im Dienst an mit COVID-19 erkrankten Menschen selbst die Krankheit bekommen haben und daran gestorben sind.

Die Diözese Bergamo hat bereits den Tod von 20 Diözesanpriestern und zwei Ordensfrauen gemeldet. Pater Fausto Resmini, ein ehemaliger Gefängniskaplan und Obdachlosenhelfer, starb am 23. März im Alter von 67 Jahren. Er war seit dem 5. März auf der Intensivstation behandelt worden.

Allein in der vergangenen Woche starben in Italien mehr als 3.000 Menschen an den Folgen des Coronavirus. Unter den Todesopfern der Lungenkrankheit COVID-19 des vergangenen Monats sind mindestens 60 Priester, berichtet die Catholic News Agency (CNA).

"Ich bete zum Heiligen Geist, dass er uns die Gabe des Lichtes und der Kraft gibt. Jeden Tag bete ich den Kreuzweg und bitte den Herrn, ... dieses Kreuz mit uns zu tragen", sagte Bischof Gianni Ambrosio von Piacenza-Bobbio in einem italienischen Interview.

Die Zeitung "Avvenire", die der italienischen Bischofskonferenz gehört, veröffentlichte die Namen von 51 Diözesanpriestern, die nach der Ansteckung mit COVID-19 gestorben sind. Neun weitere Ordensgeistliche seien ebenfalls einer Infektion mit dem Coronavirus erlegen. Die Mehrheit der Verstorbenen war über 70 Jahre alt, viele hatten weitere gesundheitliche Beschwerden.

Der jüngste Priester, der an COVID-19 in Italien starb, war Pater Paolo Camminati, der am 21. März im Alter von 53 Jahren im Krankenhaus starb.

Pater Camminati war bekannt für seine dynamische Jugendpastoral, seinen Dienst an den Armen, seine Arbeit mit der "Katholischen Aktion" und seine Leidenschaft für die Berge. Er war der Pfarrer von Unserer Lieben Frau von Lourdes in der Diözese Piacenza, wo fünf weitere Priester an COVID-19 verstorben sind.

Zu den Toten in Piacenza gehört auch Pater Kidane Berhane, ein Zisterziensermönch aus Eritrea, der in der historischen Abtei Chiaravalle in der Lombardei wohnte, und die 87-jährigen Zwillingsbrüder und Patres Mario und Giovanni Boselli, die beide am gleichen Tag der Krankheit erlagen.

"Es ist eine harte Prüfung. Wir sind bestürzt. Wir fühlen großes Leid", sagte Bischof Ambrosio gegenüber "Avvenire", und fügte hinzu.

"Es ist eine Dunkelheit, der wir uns stellen müssen, aber mit der Hoffnung, dass Gott uns nie im Stich lässt, dass er selbst all das Leid durchlebt hat, um es zu überwinden", fügte der Bischof hinzu.

Zwei weitere Todesopfer in Piacenza sind Pater Giuseppe Castelli, 85, und Pater Giovanni Cordani, 83.

"In diesen Tagen höre ich die Stimmen vieler Menschen, die Schmerz über den Verlust ihrer Lieben empfinden", sagte Bischof Francesco Beschi von Bergamo am 19. März.

Andere italienische Diözesen, die Priester durch das Coronavirus verloren haben, sind Parma, Cremona, Mailand, Lodi, Brescia, Casale Monferrato, Tortona, Trient, Bozen, Salerno, Ariano Irpino, Nuoro und Pesaro.

Italien hat die höchste Coronavirus-Todesrate der Welt. Das italienische Gesundheitsministerium berichtete am 23. März, dass 5.476 Menschen gestorben sind. Mehr als 59.000 Menschen wurden seit Februar in Italien positiv auf COVID-19 getestet.

Ebenfalls infiziert hat sich Bischof Derio Olivero von Pinerolo. der 59-jährige Hirte wurde am 19. März mit Atemkomplikationen ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Zustand ist jedoch stabil.

Bischof Antonio Napolioni von Cremona hat sich nach einem 10-tägigen Krankenhausaufenthalt von seiner COVID-Erkrankung erholt. Doch vier Diözesanpriester und ein Passionist, Pater Edmondo Zagano, sind nach der Ansteckung mit COVID-19 in der Diözese gestorben.

"Ich erlebte Minute um Minute die dramatische Eskalation der Probleme und der Arbeitsbelastung der Ärzte, Krankenschwestern und des gesamten Personals", so Bischof Napolioni.

"Es ist eine absurde Fastenzeit", sagte er. "Aber in gewisser Weise perfekt. Jesus ist vierzig Tage lang in der Wüste und kämpft mit dem Teufel. In der Fastenzeit geht es nicht um die Schönheit der Sitte, sondern um das tiefe Geheimnis des Bösen, des Todes und der Verzweiflung, die es gibt. Aber auch um den Herrn, der da ist. Wir müssen Seine Gegenwart erkennen."

Korrigiert am 24. März 2020 um 18:12 Uhr mit der Information der Webseite "Crux". CNA Deutsch dankt Professor Ulrich Lehner für den Hinweis. 

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