Reliquie des heiligen Johannes Paul II. im Wiener Stephansdom

Heute vor 99 Jahren wurde Johannes Paul II. geboren - Seit wenigen Tagen hat der Wiener Stephansdom eine Reliquie des heiligen Papstes

Der heilige Johannes Paul II. war Papst von 1978 bis 2005
Foto: CC Wikimedia
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Wenige Tage vor seinem 99. Geburtstag wurde, im Rahmen eines festlichen Pontifikalamtes, im Stephansdom eine Reliquie des hl. Johannes Paul II. übergeben. Der ehemalige Sekretär des Papstes aus Polen und amtierende Erzbischof von Lemberg, Mieczysław Mokrzycki, brachte sie nach Wien.

Am Beginn des Gottesdienstes am 5. Mai 2019 überreichte Erzbischof Mokrzycki dem Dompfarrer Anton Faber eine in einer Kapsel gefassten Reliquie mit Haaren des 2014 heiliggesprochenen Papstes.

Das begleitende Dekret, das auf Polnisch und Deutsch verlesen wurde, beglaubigt die Echtheit der Reliquie und erklärt, dass sie dem Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, und der Pfarrgemeinde St. Stephan anvertraut wurde.

"Das Volk Gottes möge vor dieser Reliquie beten. Es möge auf die Fürbitte des hl. Johannes Paul II. Gnaden empfangen. Es möge ihn nachahmen im Glauben und im Eifer. Die dauernde Gegenwart der Reliquie in dieser Kirche möge wie ein Siegel die Einheit der heiligen Kirche hervorheben, die versammelt ist im Gebet um den Nachfolger des hl. Petrus" – heißt es in dem vom Lemberger Metropoliten unterzeichneten Dokument.

Erzbischof Mokrzycki feierte die heilige Messe gemeinsam mit Dompfarrer Anton Faber, dem Rektor des Nationalheiligtums am Kahlenberg Roman Krekora und mit einigen weiteren Priestern aus der Diözese. Er zelebrierte das Pontifikalamt im Originalmessgewand, das Karol Wojtyła während seines Domgottesdienstes im Jahr 1983 trug, und benutzte den von Johannes Paul II. dem Stephansdom geschenkten Messkelch.

Papst Johannes Paul II. hatte während seiner drei Pastoralreisen nach Österreich (1983, 1988, 1998) immer den Stephansdom besucht. Jedes Mal vor Beginn des Gottesdienstes verweilte er im stillen Gebet in der Anbetungskapelle des hl. Eligius und vor dem Gnadenbild Maria Pócs. Als Andenken daran befindet sich seit 2013 zwischen den beiden Kapellen ein rundes Gemälde, das Johannes Paul II. im tiefen Gebet abbildet. Es ist ein Werk des österreichischen Künstlers Bernd Fasching, das die Kirchenbesucher zum Beten und zum Gedenken an den Papst aus Polen einlädt. Möglicherweise wird im diesem Bereich die Reliquie des Heiligen ausgestellt.

Bis zu der endgültigen Entscheidung wird sie vorübergehend im Reliquienschatz des Domes aufbewahrt.

In einer sehr persönlichen Predigt schilderte Erzbischof Mokrzycki seine Erfahrungen an der Seite von Johannes Paul II., einem außergewöhnlichen Menschen, mit tiefer Verbundenheit zu Gott. Er bezeichnete Karol Wojtyła als "beeindruckende Persönlichkeit des Gebetes" und betonte die große Bedeutung des Gebetes im Alltag des Heiligen. Das Gebet bestimmte nicht nur den Tagesablauf des Papstes, es war ein besonderer Aspekt seines geistigen Lebens. Jeder Morgen begann mit dem Rosenkranzgebet, noch bevor die heilige Messe gefeiert wurde, die für ihn der wichtigste Moment des Tages war. Nie hat er seine festen Gebetszeiten ausgelassen – weder während seiner zahlreichen Reisen noch in den letzten Jahren, stark von der Krankheit gezeichnet. Johannes Paul II. versuchte sein ganzes Leben lang, andere Menschen zum tiefen Gebet zu bewegen, um sie zu "kraftvollen Betern" zu machen und dadurch einen "Beitrag zur Erneuerung der Welt" zu erbringen, betonte sein langjähriger Begleiter.

"Er hat uns ein sehr einfaches Gebet gewährt, dass die Gabe der Heiligkeit bieten kann. Es lautet so: Herr, nimm mich so an, wie ich bin, mit allen meinen Fehlern und Schwächen, aber gib, dass ich so werde, wie du mich haben willst. Ich lade heute jeden von Ihnen ein, dieses Gebet immer wieder für sich selber zu sprechen", so der Lemberger Erzbischof.

Am Ende der feierlichen Messe ertönte das Lieblingslied von Karol Wojtyła "Barka", das ihn das ganze Pontifikat lang begleitete. Alle im Stephansdom anwesenden Polen haben sich der Musikkapelle angeschlossen, um "ihrem" Papst zu Ehren ein Ständchen zu singen, als hätten sie bereits an seinen bevorstehenden Geburtstag gedacht, der sich am 18. Mai zum 99. Mal jährt. Ein beeindruckender Abschluss, der manchen Gottesdienstbesucher zu Tränen rührte.

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