Sie war der "irdische Schutzengel von Auschwitz". Nun soll sie heiliggesprochen werden

Stefania Łącka in einer Aufnahme des Jahres 1945
Foto: (CC0)

Das Verfahren zur Heiligsprechung einer polnischen Katholikin, die sich im Konzentrationslager Auschwitz für ihre Mitgefangenen einsetzte, ist nun offiziell in die Wege geleitet worden.

Bischof Andrzej Jeż von Tarnów verkündete per Edikt den Beginn des Weges zur Heiligkeit von Stefania Łącka, die von den Lagerinsassen als ihr "irdischer Schutzengel" bezeichnet wurde.

Jeż sagte, er habe diesen Schritt nach Rücksprache mit der polnischen Bischofskonferenz und mit Genehmigung der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse getan.

Er forderte alle, die Dokumente über Łącka haben, auf, diese bis zum 7. September an die Diözese zu schicken, zu Händen von Pater Stanisław Sojka, dem Postulator der Causa.

Łącka (ausgesprochen "Wonska") wurde am 6. Januar 1914 in Wola Żelichowska, einem Dorf in Südpolen, geboren. Sie besuchte eine pädagogische Bildungseinrichtung, an der sie 1933 ihren Abschluss machte.

Von 1934 bis 1939 arbeitete sie für Nasza Sprawa ("Unser Fall"), die katholische Wochenzeitschrift der Diözese Tarnów. Sie schrieb 700 Artikel und redigierte die Kinderbeilage Króluj nam Chryste ("Christus, herrsche über uns").

Nach dem Einmarsch der Nazis in Polen am 1. September 1939 stellte das Redaktionsteam seine Fähigkeiten der polnischen Untergrundbewegung zur Verfügung.

Die Gestapo, die Geheime Staatspolizei der Nationalsozialisten, verhaftete Łącka und andere Mitglieder der Redaktion am 16. April 1941.

Sie wurde im Gestapo-Hauptquartier in Tarnów und später im örtlichen Gefängnis festgehalten. Sie wurde verhört und gefoltert, verriet aber nicht die Namen ihrer Mitstreiter.

Łącka wurde am 27. April 1942 mit 60 anderen weiblichen Gefangenen nach Auschwitz transportiert, wo sie die Nummer 6886 erhielt.

Im Juni 1942 entkam eine weibliche Gefangene aus dem Lager. Die Behörden zwangen die Häftlinge, zwei Tage lang auf dem Appellplatz zu warten, um zu erfahren, wer als Vergeltung für die Flucht getötet werden würde.

In dem auf den 26. Juli datierten Erlass von Bischof Jeż, der am 8. August auf der Website der Diözese veröffentlicht wurde, heißt es, dass Łącka neben ihrer Freundin Helena Panek stand, als sie auf ihr Schicksal warteten. Łącka versprach, dass sie mit Panek in den Tod gehen würde, falls sie ausgewählt würde. Die Behörden wurden jedoch angewiesen, die geplante Bestrafung nicht durchzuführen. Während der Krankenpflege erkrankte Łącka an Typhus und wurde in das Lagerhospital in Block 23 eingeliefert.

Sie erholte sich bis zum Frühjahr 1943 und begann im Lagerkrankenhaus als Krankenschwester zu arbeiten, wobei sie ihre Deutschkenntnisse nutzte, um ihren Patienten zu helfen.

"Unter Einsatz ihres eigenen Lebens taufte sie Neugeborene und kümmerte sich um Schwerkranke", so Jeż in dem Erlass. "Sie wachte auch über die Sterbenden und tröstete sie in den letzten Stunden ihres Lebens."

"Sie ermutigte andere weibliche Gefangene, gemeinsam mit den Sterbenden zu beten. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens rettete sie auch kranke Frauen bei der Selektion für die Gaskammer oder die Phenolinjektion, indem sie sie von der Todesliste strich. Ihre Mitgefangenen nannten sie den 'irdischen Schutzengel'."

Sie schrieb ein Lagergebetbuch, das den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden hat.

Łącka verließ Auschwitz mit fünf Mitgefangenen am 23. Januar 1945, wenige Tage nachdem das Lager bombardiert worden war. Sie kehrte in ihr Elternhaus in Wola Żelichowska zurück, wo sie täglich die Messe besuchte und ihrer Familie half.

Sie begann ein Studium der polnischen Philologie an der Jagiellonen-Universität in Krakau, doch ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich und sie wurde im Oktober 1946 in ein Krankenhaus in der Stadt eingeliefert. Sie starb am 7. November 1946 im Alter von 33 Jahren.

In seinem Edikt sagte Bischof Jeż, dass Ląckas Spiritualität ein Beispiel für die Christen von heute sei.

"Stefania Lacka zeichnete sich durch ein hohes Maß an Glauben, Hoffnung, Liebe und moralischen Tugenden aus", schrieb er. Sie wird seit ihrer Beerdigung von einer wachsenden Zahl gläubiger Katholiken in privaten Anliegen verehrt.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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