So wächst der Islam in Deutschland: Neue Zahlen und Analyse

Pew Research: "Auch wenn es keine Zuwanderung mehr gibt, werden die Muslime in den kommenden Jahrzehnten als Anteil der deutschen Bevölkerung weiter zunehmen, weil die Muslime im Durchschnitt viel jünger sind und mehr Kinder bekommen als die Deutschen"

Junge Muslima
Foto: Pixabay / Dielmann
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In den vergangenen sechs Jahren ist die Zahl der in Deutschland lebenden Muslime von 3,3 Millionen auf rund 5 Millionen gestiegen. Gleichzeitig ist der Rest der Bevölkerung geschrumpft, von 77,1 Millionen auf 76,5 Millionen Menschen. Das meldet das renommierte "Pew Research Center".

Einer neuen Studie des gemeinnützig finanzierten Forschungszentrums zufolge ist der muslimische Bevölkerungsanteil in Deutschland in den vergangenen sechs Jahren von 4,1 Prozent auf 6,1 Prozent gestiegen.

"Deutlich jünger und mehr Kinder"

Die Zuwanderung war zwar ein wesentlicher Faktor für das Wachstum der muslimischen Bevölkerung in Deutschland. Aber auch wenn es keine Zuwanderung mehr gibt, werden die Muslime in den kommenden Jahrzehnten als Anteil der deutschen Bevölkerung weiter zunehmen, weil die Muslime im Durchschnitt viel jünger sind und mehr Kinder bekommen als die Deutschen insgesamt.

Ohne weitere Migration würde die alternde, kinderarme Bevölkerung Deutschlands bis 2050 um 15 Prozent schrumpfen, haben die Forscher berechnet, anhand Daten aus einer Untersuchung der Bevölkerungsentwicklung in ganz Europa, für die "Pew" demografische Modelle bis zum Jahr 2050 berechnet hat.

Da die genaue Zahl der Einwanderer noch nicht feststeht, haben die Wissenschaftler zudem drei Szenarien mit jeweils unterschiedlich hoher Migrationsrate kalkuliert.

Wenn sich die jüngsten Migrationsmuster fortsetzen, wird davon ausgegangen, dass die Gesamtbevölkerung in Deutschland insgesamt bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts stabil bleibt oder sogar zunehmen wird, was größtenteils auf die Ankunft muslimischer Einwanderer zurückzuführen ist.

Unter der Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Deutschland seine Grenzen für eine große Zahl von Migranten geöffnet, darunter viele muslimische Einwanderer und Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und anderswo.

Zwischen Mitte 2010 und Mitte 2016 habe Deutschland knapp zwei Millionen Menschen aufgenommen:

  • Schätzungsweise 670.000 Flüchtlinge, von denen etwa 86% Muslime sind.
  • Schätzungsweise 680.000 Migranten von außerhalb der EU, von denen etwa 40 Prozent Muslime sind.
  • Schätzungsweise weitere 540.000 Menschen, so Pew, deren Asylanträge abgelehnt wurden, leben ebenfalls weiter in Deutschland – wurden aber für die Studie nicht als Einwanderer mitberechnet.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Zuwanderung weitergeht; selbst wenn jedoch die Migration von und nach Deutschland ab Mitte 2016 gestoppt worden wäre, würde die muslimische Bevölkerung in der Bundesrepublik voraussichtlich um 1 Million wachsen, von knapp 5 Millionen (6,1% der Bevölkerung von 2016) auf 6 Millionen im Jahr 2050 (8,7% einer schrumpfenden Gesamtbevölkerung). Grund: Muslime in Deutschland sind deutlich jünger als Nicht-Muslime - mit einem Mittelwert von 31 bzw. 47 Jahren im Jahr 2016 - und muslimische Frauen haben mehr Kinder (1,9 im Durchschnitt) als Nicht-Muslime in Deutschland (1,4).

In einem "mittleren" Migrationsszenario – dem eine weitere Fortsetzung der Einwanderung zugrunde gelegt wird, aber alle Flüchtlingsströme ab Mitte 2016 zum Erliegen gekommen wären - würden Muslime im Jahr 2050 10,8% der deutschen Bevölkerung ausmachen.

In einem "hohen" Migrationsszenario, in dem sowohl die reguläre Migration als auch die starken Flüchtlingsströme aus dem Nahen Osten auf unbestimmte Zeit in die Zukunft weiter bestehen sollten, würde sich die muslimische Bevölkerung in Deutschland bis 2050 sogar mehr als verdreifachen auf 17,5 Millionen (19,7% der Gesamtbevölkerung). In diesem Szenario hätte Deutschland Mitte des Jahrhunderts die größte muslimische Bevölkerung in Europa.

Das Hochmigrationsszenario entspricht laut Pew vielleicht am besten dem vergangenen Jahr in Deutschland, da nach Mitte 2016 – dem Endpunkt des in diesem Bericht analysierten Zeitraums – weiterhin eine große Zahl von Asylanträgen gestellt wurde. Aktuelle politische Entwicklungen ließen jedoch vermuten, dass auch ein mittleres oder niedriges Szenario wahrscheinlich sei.

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