Spanische Bischöfe geben Erklärung zu Bericht über Missbrauch ab

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Die Spanische Bischofskonferenz (CEE) hat nach einem Bericht der Zeitung El País über sexuellen Missbrauch in Spanien seit den 1940er Jahren, in dem von insgesamt "251 angeklagten Geistlichen und einige Laien aus religiösen Einrichtungen“ die Rede ist, eine Erklärung abgegeben.

"In Bezug auf den Bericht, der gestern in El Pais veröffentlicht wurde, wollen wir auf Folgendes hinweisen: Alle Initiativen von Institutionen und Medien, die dazu beitragen, die Geißel des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen oder schutzbedürftigen Personen in der Kirche oder in der Gesellschaft zu beenden, sind zuallererst einmal ein wertvoller Beitrag" so die Mitteilung die von der Pressestelle der Bischofskonferenz an unsere spanische Schwesternagentur ACI Prensa gesandt wurde.

"Es wäre wünschenswert, dass die Anschuldigungen, die in dem oben genannten Bericht enthalten sind, genauer wären, da ihr sehr unterschiedlicher Inhalt es schwierig macht, Schlussfolgerungen zu ziehen, die für eine mögliche Untersuchung verwendet werden können", heißt es in dem Text.

"Vor allem dann, wenn die Namen der Angeklagten fehlen, die Jahre, in denen die Missbräuche aufgetreten sind, oder wenn es sich um Verstorbene handelt", so die MItteilung weiter.

Die spanische Zeitung gab an, dass der Bericht, der seit 2018 vorbereitet wurde, Papst Franziskus durch einen Journalisten überreicht wurde, der ihn auf seiner jüngsten Reise nach Zypern und Griechenland begleitete und dass er auch dem Vorsitzenden der spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Juan José Omella, übergeben worden war.

Der Bericht ist laut Angaben der Zeitung 385 Seiten lang und umfasst "31 Ordensgemeinschaften und 31 Diözesen".

"Der älteste Fall im Bericht stammt aus dem Jahr 1943, der jüngste aus dem Jahr 2018. Alle Fälle sind unveröffentlicht, mit Ausnahme von 13 bereits veröffentlichten, die mit aufgenommen wurden, weil neue Anzeigen gegen den entsprechenden Priester erstattet wurden", so El País.

Die Bischöfe von Spanien weisen in ihrem Vermerk darauf hin, dass "es erforderlich sei, dass die gleichen Informationen auch an die Stellen für Jugendschutz und Missbrauchsprävention in den Diözesen und Ordensgemeinschaften übermittelt werden, um die entsprechenden Ermittlungen durchführen zu können".

Im Mai 2019 veröffentlichte Papst Franziskus das Motu proprio Vos estis lux mundi (Ihr seid das Licht der Welt), das mehrere Passagen enthält, die darauf abzielen, die Koordination zwischen den Diözesen und dem Vatikan in Bezug auf Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche zu verbessern.

Das Dokument legt fest, dass Geistliche oder Ordensleute bei Kenntnis eines möglichen Missbrauchs die zuständigen kirchlichen Behörden informieren müssen.

Erstmals wurde auch festgelegt, dass die Untersuchungen innerhalb von 90 Tage abgeschlossen und vom Metropoliten, also dem vorstehenden Bischof einer Kirchenprovinz, geleitet werden müssen.

Der Text hebt auch die Sorge für diejenigen, die sagen, verletzt worden zu sein, hervor; ebenso die Notwendigkeit, ihnen Annahme, Gehör und Begleitung, auch mittels spezifischer Dienste, zuteil werden zu lassen.

In der Einleitung zum Dokument betont Papst Franziskus, dass "unser Herr Jesus Christus jeden Gläubigen ruft, ein leuchtendes Vorbild an Tugend, Integrität und Heiligkeit zu sein. Wir alle sind nämlich berufen, in unserem Leben und insbesondere in unserer Beziehung zum Nächsten konkretes Zeugnis für den Glauben an Christus zu geben."

"Die Verbrechen sexuellen Missbrauchs beleidigen unseren Herrn, verursachen physische, psychische und spirituelle Schäden bei den Opfern und verletzten die Gemeinschaft der Gläubigen" so der Heilige Vater.

El País wies in seinem Bericht darauf hin, dass der Vatikan - durch die Kongregation für die Glaubenslehre, die die Missbrauchsfälle untersucht – es ist, der die Untersuchungen der spanischen Bischofskonferenz baufsichtigt.

Ebenso berichtet die spanische Zeitung, dass die hauptsächlich involvierten Ordenskongregationen bereits eine Untersuchung der sie betreffenden Anschuldigungen eingeleitet haben.

"Wir verurteilen diese schrecklichen Geschehnisse und entschuldigen uns bei den Opfern dafür, dass wir nicht in der Lage waren, sie zu schützen, uns um sie zu kümmern und diese Situationen nicht angemessen zu bewältigen. Wir haben eine Untersuchung eingeleitet, um die Ereignisse aufzulären. Die Opfer stehen für uns an erster Stelle, wir glauben ihren Worten und wir stellen uns ihnen für alles zur Verfügung, was sie brauchen", erklären beispielsweise die Maristen in einem Schreiben.

Laut El País "antwortete eine verantwortliche Person, die sich jedoch nicht als Mitglied der Ordensgemeinschaft der Pauliner von Zaragoza identifizieren wollte, als man ihr eine Fall im Orden darlegte: "Wir werden das nicht untersuchen. Ich habe noch nie gehört, dass jemand schlecht über diese Person geredet hat. Das interessiert mich nicht. Das ist schmutzig."

Die spanische Zeitung gibt ebenfalls an, dass sich die Gemeinschaft La Salle ebenfalls weigere, einen kanonische Untersuchung einzuleiten, wie es ihre Pflicht wäre. Sie habe lediglich erklärt, die Fälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet zu haben.

Zu den anderen Orden und Kongregationen, die im Bericht von El País aufgeführt sind, zählen die Salesianer, die Piaristen, die Claretiner, die Legionäre Christi, die Augustiner, die Marianisten und die Kapuzinerterziare, auch Amigonianer genannt.

Pater Pablo Pérez de la Vega von den Legionären Christi erklärte am 20. Dezember gegenüber ACI Prensa, dass "wir in der Legion Christi bereits zwei Fallberichte veröffentlicht haben. In den Jahren 2020 und 2021. Die Informationen wurden seit Monaten von den Medien weitläufig verbreitet" und sie finden sich auch online.

Die Website zeigt eine Studie zu den Fällen, die zwischen 1941 und 2020 - nicht nur in Spanien, sondern weltweit - durchgeführt wurde, mit insgesamt 170 Opfern von 27 Priestern.

"In Bezug auf die Priester der Legionäre Christi, die Minderjährige sexuell missbraucht haben und deren Fälle bereits im Bericht 1941-2019 zum Phänomen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in der Kongregation der Legionäre Christi statistisch erfasst wurden, haben sechs von ihnen in Spanien Missbrauch begangen, darunter der Gründer der Kongregation" heißt es auf dieser Website

"Zwei der sechs sind bereits verstorben, bei weiteren drei laufen noch kanonischen Verfahren. Keiner von ihnen lebt in Spanien. Sie üben keinen öffentlichen Dienst aus und sie halten sich an ihren Wohnorten an ihre jeweiligen Sicherheitspläne", heißt es auf der Website.

In einer am 19. Dezember veröffentlichten Mitteilung erklären die Claretiner-Missionare der Provinz Santiago "erneut unsere absolute Ablehnung jeglichen Verhaltens, das die Würde der Menschen angreift, und wir erneuern ebenfalls die Verpflichtungen und das aktive Engagement unserer Institution, damit unsere Gesellschaft und insbesondere unsere apostolischen Werke und Bildungszentren, eine sichere Umgebungen seien, in denen besonders verletzliche Minderjährige und Erwachsene geschützt und betreut werden".

"In Übereinstimmung mit unserem Provinzprotokoll zur Verhütung von Missbrauch und zu den Maßnahmen in Fällen von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen und schutzbedürftigen Erwachsenen verpflichtet sich unsere Provinz, jedes unangemessene Verhalten ihrer Mitglieder und/oder des angestellten oder freiwilligen Personals zu untersuchen, unabhängig von der Zeit, in der die angezeigten Ereignisse geschehen sein sollen" heißt es weiter. 

Die Claretiner fügten auch hinzu, dass ein Journalist von El Pais sich am 15. Dezember mit ihnen in Verbindung gesetzt hatte, "um Informationen zu erhalten, indem er grundlegenden Daten und einigen nicht spezifischen Fällen ansprach." "Unsere Institution bat die betreffende Zeitung, wie sie es schon bei früheren Gelegenheiten getan hatte, den Klägern und möglichen Opfern unsere Kanäle mitzuteilen, über die wir ihnen zuhören und ihre Anklagen aufnehmen, um die spärlichen Informationen, die die Tageszeitung bereitstellt, zu erweitern."

In der Mitteilung heißt es auch, dass die Claretiner-Provinz von Santiago jedes unangemessene Verhalten zutiefst bedauert, sich aufrichtig dafür entschuldigt und ihre entschiedensten Ablehnung jeglichen Verhaltens (in Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft), das die Würde der Menschen verletzt, bekräftigt. 

Die Provinz erneuert ihre Verpflichtung, weiterhin alle geeigneten Maßnahmen zum Schutz von Minderjährigen und Erwachsenen in verletzlichen Situationen zu ergreifen und eine Kultur des Respekts, der Fürsorge und der guten Behandlung zu fördern.

Die Claretiner bieten verschiedene Möglichkeiten an, diesbezüglich Kontakt aufzunehmen, unter anderem über die Webseite.

Im März 2019 gab die Gesellschaft Mariä, auch Marianisten genannt, ebenfalls eine Mitteilung heraus, nachdem gegen den Ordensmann Manuel Briñas, einen bekannten Mitarbeiter des Nachwuchskaders von Atlético de Madrid, Ankagen eingegangen waren.

Manuel Briñas wurde beschuldigt, zwischen 1973 und 1975 Minderjährige missbraucht zu haben, als er der Verantwortliche für den Bereich Sport und für die Pfadfinder des Marianistenkollegs Hermanos Amoros im Viertel Carabanchel in Madrid (Spanien) war.

Der damals 88-jährige Ordensmann bekannte sich zu den Taten, weshalb die Kongregation das Verfahren zu seinem Ausschluss aus dem Orden einleitete.

Die Marianisten richteten daraufhin einen Appell an „all diejenigen, die uns etwas im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Minderjährigen in unseren Bildungseinrichtungen mitteilen möchten" und baten sie, sich mit ihnen in Verbindung zu setzen.

In dem Bericht, den die spanische Zeitung den kirchlichen Autoritäten vorgelegt hat, "werden die personenbezogenen Daten der Opfer oder Hinweise, die sie identifizieren können, nicht angezeigt, um ihre Anonymität zu gewährleisten. Auf jeden Fall hat sich El País dem Vatikan zur Verfügung gestellt, um den Kontakt zu den Opfern zu erleichtern und damit diese, wenn sie es möchten, Erklärungen abgeben können."

Einer der von El País dargestellten Fälle geht auf die 50er Jahre zurück und wurde vom heute 81-jährigen Antonio Carpallo angezeigt. Carpallo beschuldigt einen 1976 verstorbenen Salesianer namens Rafael Conde.
Die spanische Zeitung weist darauf hin, dass "die Salesianer mitgeteilt haben, dass sie bereits eine Untersuchung dieser und der übrigen Fälle eingeleitet haben, unabhängig davon, ob sie schon vor vielen Jahren begangen wurden."

In Bezug auf den Ordensmann, den Carpallo beschuldigt, bestätigte die Kongregation, dass Conde 1976 gestorben sei und dass weitere Informationen gesammelt würden.

"In einigen der aufgeführten Fälle gibt es sehr vage Daten als Hinweis, aber sie werden trotzdem untersucht werden", so ein Sprecher der Salesianer.

Die Zeitung El País verweist darauf, dass ihr Bericht einen Anhang mit einer Liste von "Personen enthält, die verdächtigt werden, Fälle von Missbauch vertuscht zu haben, die bereits in den vergangenen Jahren veröffentlicht wurden. Darauf befinden sich mehr als zwanzig Kardinäle und Bischöfe."

"Ein weiterer präsentierter Fall ist jener des 77-jährigen Jesús Gutiérrez, der den Augustinerpater Eliseo Bardón beschuldigt, ihn von 1959 an zwei Jahre lang missbraucht zu haben.


Der dritte Fall, in dem der Name des Anklägers und des Angeklagten genannt wird, stammt aus den 70er Jahren. Emilio Boyer, heute 55 Jahre alt, spricht von körperlichen und sexuellen Übergriffe durch einen Augustiner aus Valencia. Er beschuldigt Fray Balbino, einen Priester aus Ordens, der inzwischen verstorben ist", schreibt die spanische Zeitung.


El País erklärt, dass die Augustiner, "die zu diesen beiden Fällen in Santander und Valencia befragt wurden, die Missbräuche verurteilten und antworteten, dass sie von keinem der beiden wussten. Sie werden Untersuchungen einleiten und ihre Archive durchsehen."

"Nach Abschluss des gerichtlichen Verfahrens werden die Opfer immer um Vergebung gebeten, die Ordensleute von jeglicher pastoralen Tätigkeit ausgeschlossen und den Opfern Hilfe angeboten, wo auch immer sie Hilfe brauchen" heißt es weiter.

Am Ende der Pressemitteilung betonten die spanischen Bischöfe erneut, dass "die Kirche darauf beharrt, dass es wichtig ist, Missbrauch zu melden, und alle Opfer ermutigt, ihre Beschuldigungen bei den juristischen, kirchenrechtlichen oder sozialen Instanzen einzureichen, so wie sie es bevorzugen."

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