Ihr seid die Leuchttürme, die die Kirche braucht: Franziskus an kontemplative Ordensfrauen

Ordensfrauen in Lima vor dem Stundengebet mit Papst Franziskus am 21. Januar 2018.
Foto: Pool / Aigav
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Ein Leben in der Klausur ist nicht nur ein freies, sondern vor allem ein besonders wichtiges, erfüllendes und liebendes Leben: Das hat Papst Franziskus bei seiner Predigt zu Schwestern kontemplativer Orden im Heiligtum "Herr der Wunder" in Lima gesagt.

"Liebe Schwestern, die Kirche braucht euch. Seid mit eurem gläubigen Leben Leuchttürme und weist auf den hin, der Weg, Wahrheit und Leben ist, den einzigen Herrn, der unserem Dasein Erfüllung verleiht und uns Leben in Fülle schenkt." 

Die Begegnung mit den Ordensfrauen war der Auftakt des letzten Tages der Südamerika-Reise des Pontifex, die nach Chile und Peru ging. Am heutigen Sonntag abend Ortszeit fliegt der Papst zurück nach Rom.

Im Heiligtum "Señor de los Milagros" dankte der Papst den Schwestern für ihren Besuch, aber auch dafür, dass sie  »von der klösterlichen Stille aus immer an meiner Seite« gehen, so Franziskus.

Die so einfache wie anspruchsvolle Berufung der Gotteskindschaft (vgl. Röm 8,15-16) betrachtete der Papst. Das Wissen darum, ein Kind Gottes zu sein: Das sei eine Freude, die es jeden Tag zu erneuern gelte.

"Ein privilegierter Weg für euch, um diese Gewissheit zu erneuern, ist das gemeinschaftliche und persönliche Gebetsleben. Dieses ist der Kern eures kontemplativen Lebens und der Weise, die Liebeserfahrung zu pflegen, welche unseren Glauben trägt".

Dieses Gebet sei immer auch missionarisch, betonte der Pontifex, und zitierte die heilige Theresia vom Kinde Jesus:

»Ich erkannte, dass die Liebe allein die Glieder der Kirche in Tätigkeit setzt, und würde die Liebe erlöschen, so würden die Apostel das Evangelium nicht mehr verkünden, die Märtyrer sich weigern, ihr Blut zu vergießen. Ich begriff, dass die Liebe alle Berufungen in sich schließt, dass die Liebe alles ist, dass sie alle Zeiten und Orte umspannt, mit einem Wort, dass sie ewig ist. […] Im Herzen der Kirche, meiner Mutter, werde ich die Liebe sein.«

 

So wie die "kleine Therese", wie Thérèse von Lisieux auch genannt wird, gelte es, "den vielen Brüdern und Schwestern in ihrem Leiden zur Seite zu stehen und mit dem Psalmisten zu sagen: »Aus der Bedrängnis rief ich zum Herrn, der Herr antwortete und schuf mir Weite« (Ps 118,5)".

An die Ordensschwester gewandt unterstrich der Papst: "So erreicht eurer Leben in der Klausur eine missionarische und universale Tragweite und "eine grundlegende Rolle im Leben der Kirche".

"Durch euer Gebet tragt ihr Tag und Nacht das Leben vieler Brüder und Schwestern vor den Herrn, die aus verschiedenen Gründen nicht zu ihm gelangen und die Erfahrung seiner heilenden Barmherzigkeit machen können, während er sie erwartet, um ihnen Gnade zu erweisen. Mit eurem Gebet könnt ihr die Wunden vieler Mitmenschen heilen".

Gerade deshalb sperre das Leben in der Klausur das Herz nicht ein, sondern mache es in der Beziehung zu Gott weit: Es befähige, auf neue Weise "den Schmerz, das Leiden, das Scheitern, das Unglück vieler Geschwister zu spüren, die Opfer in dieser 'Wegwerfkultur' unserer Zeit sind", sagte der Papst.

Mit einem Zitat der "großen" Theresia von Avila erinnerte er daran, dass, wenn wir "den Anführer – den guten Jesus – verlieren", auch den "den richtigen Weg nicht finden" werden. Schließlich sagte der Sohn Gottes selbst, dass er – und nur er – der Weg zum Vater ist.

So schloß der Papst nicht nur mit der fast schon floskelhaft klingenden, aber immer ernst gemeinten Bitte um das Gebet für ihn, sondern auch um das Gebet dieser kontemplativen Frauen "für die Kirche, für die Hirten, für die Gottgeweihten, für die Familien, für die Leidenden, für diejenigen, die die Böses tun, für diejenigen, die ihre Geschwister ausbeuten". 

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