"Üben für den Himmel": Über 1.600 Teilnehmer beim "Adoratio"-Kongress in Passau

"Am Ende wirkt der liebe Gott": Zahlreiche Beiträge zum Thema "Anbetung", unter anderem mit Bischof Stefan Oster und Weihbischof Florian Wörner

Bischof Stefan Oster beim Kongress "Adoratio" 2019 in der Basilika St. Anna in Altötting.
Foto: Anna Hofmeister / Bistum Passau
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In Altötting ist am Sonntag der "Adoratio"-Kongress zu Ende gegangen. Im feierlichen Pontifikalamt, das auch vom katholischen Fernsehsender EWTN.TV und von Radio Horeb live übertragen wurde, drückte Bischof Stefan Oster seine Dankbarkeit über die vergangen Tage und Beiträge aus. Der Passauer Diözesanbischof hatte dazu eingeladen. Der Kongress beschäftigte sich vor allem mit der Eucharistischen Anbetung und mit der Neuevangelisierung im deutschsprachigen Raum. Über 1.600 Menschen hatten sich im Vorfeld für den Kongress angemeldet, sodass das die Kapazitäten des angemieteten Kultur+Kongress Forums nicht ausreichten und die Veranstalter Übertragungen in andere Räumlichkeiten bereitstellten. 

"Adoratio" wurde bereits am Freitag mit einem Pontifikalamt eröffnet. Der Augsburger Weihbischof Florian Wörner war Hauptzelebrant. Er betonte, dass eine missionarische Kirche nicht ohne Anbetung existieren könne.

Auch für das eigene, persönliche Leben könne diese Frömmigkeitsform schon mal "üben für den Himmel" sein:

"Eucha­ris­ti­sche Anbe­tung bedeu­tet, ich darf den Herrn anschau­en von Herz zu Herz."

Auf der Homepage des Bistums Passau bezeichnete Wörner den Kongress als einen gro­ßen Gewinn für alle Teilnehmer:

"Hier bekom­men sie wert­vol­le Impul­se durch die Vor­trä­ge, die Fei­er der Got­tes­diens­te und die Pre­dig­ten. Wenn es die Ver­an­stal­tung jetzt nicht schon hier in Alöt­ting geben wür­de, dann müss­te man sie wirk­li­che erfin­den."

Bei der Begrüßung sprach Bischof Oster seinem Amtsvorgänger, dem emeritierten Bischof Wil­helm Schraml, seinen Dank dafür aus, dass dieser die 24-Stunden-Anbetung in der Anbetungskapelle nach Alt­öt­ting gebracht habe. 

​In seinem Vortrag "Anbetung - Warum?" wies Oster auf die Gefahren hin, wenn das Gebet selbstzentriert und egoistisch ist. Vor Gott schweigen zu können, sich von ihm anschauen zu lassen, sei eine der Grundvoraussetzungen, um in eine tiefe Beziehung zu ihm zu treten.

Am Freitag und Samstag wurde jeweils ein "Abend der Barmherzigkeit" mit Lobpreis und Eucharistischer Anbetung in der Basilika St. Anna organisiert. Die zahlreichen Beichtgelegenheiten wurden von hunderten Teilnehmern genutzt.

Am Samstag sprach der Pallottinerpater Hans Buob zum Thema "Anbetung - Wie geht das?". "Zuhören ist wichtiger als Reden", so seine Kernbotschaft. Die Beziehung zu Gott soll eine Liebesbeziehung sein, sich Gott als bösen, nur strafenden Gott vorzustellen, sei ein "dämonisches Gottesbild".

In einem vielbeachteten Workshop sprach der Amerikaner David Craig von den Früchten der Anbetung. Aus seiner Pfar­rei in Con­nec­ti­cut sei rund 60 Jah­re lang kei­ne ein­zi­ge Beru­fung hervorgegangen, nachdem sie dort jedoch die regelmäßige Eucharistische Anbetung eingeführt hatten, habe es gleich drei Pries­ter­amtskan­di­da­ten auf ein­mal gegeben.

Pfarrer Bernhard Hesse betonte in seinem Beitrag "Von der Anbetung zur Evangelisierung", dass die Anbetung im Zentrum stehen müsste. Oft würde man in der Kirche die "richtige Reihenfolge" vergessen, denn Jesus habe immer an erster Stelle zu stehen.

In einem Podi­ums­ge­spräch sprachen Vertreter von "Nightfever", "Nightfire", "Adoray", der Gemeinschaft Emanuel, der Jugend 2000, und der Loretto-Gemeinschaft über bewähr­te Model­le von Gebets­aben­den. Ihr Appell lautete: "Fangt ein­fach an, am Ende wirkt der lie­be Gott".

Der Kongress endete am Sonntag, mit einem Vortrag zum Thema "Früchte der Anbetung" mit Père Florian Racine, der parallel übersetzt wurde.

Beim Abschlusspontifikalamt in der vollbesetzten Basilika St. Anna erinnerte Oster daran, dass Gott auch Richter ist. Das "Feuer des Gerichtes" sei jedoch vor allem ein "Feuer der Liebe

"Wenn ich mir Fegefeuer vorstelle, dann glaube ich, dass noch etwas in uns ist, was uns zu Gott hinzieht, aber ich spüre gleichzeitig, dass da noch etwas in mir ist, sodass ich seine Nähe noch nicht aushalte."

Das Gebet könne bewirken, sich für diese Begegnung mit Gott zu reinigen und schließlich dessen Gegenwart "auszuhalten".

Dafür griff der Passauer Bischof zum Vergleich des Bildhauers: Gott klopfe an einem herum, da er ein Künstler sei, "der will, dass es schön ist": "Und denken Sie daran, dass das auch wehtun kann, wenn man daran 'rumklopft - wenn man das Bild ist".

Gleichzeitig sei Christus die "Sonne der Gerechtigkeit", die einen in der Anbetung anstrahle. Oster sagte, dass er oft daran denken müsse, wenn er auf einem Kontinentalflug länger unterwegs sei und bemerke, dass über den Wolken immer die Sonne scheine. Diese Bild sei sehr treffend für das, was uns nach dem Tod erwarte: "Oben scheint immer die Sonne!"

Die Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten sei ein guter Vorgeschmack darauf und habe schon auf Erden ganz praktischen Folgen: Wer Gott vertraue, ihn anerkenne und anbete, dem erscheine er "als Wirklichkeit unseres Herzens":

"Die wirklichen Anbeter sind die, die dadurch in den Glauben reinfinden, sodass das, was oben ist, auch immer in unserem Herzen sein kann."

Doch der Bischof erinnerte auch an die vielen Warnungen des Evangeliums: "Gibt es die Möglichkeit, verloren zu gehen? Ich glaube, die gibt es. Die gibt es, weil Jesus das letzte, absolute Liebeswort ist". Wer zu Gott ein "letztes, absolutes Nein", werde "das Feuer der Gerechtigkeit" spüren. "Aber solange es die Kirche gibt, gibt es Hoffnung", betonte Oster, sie habe die Mittel in den Sakramenten die Menschen immer wieder zu Gott zu führen. "Gehen wir von diesem Kongress weg um der Welt zu zeigen, dass oben immer die Sonne scheint", schloss er seine Predigt.

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