Vatikan: Kardinal Becciu als Zeuge im Korruptionsprozess

Kardinal Angelo Becciu
Foto: Daniel Ibáñez / CNA Deutsch

Der Gerichtshof des Vatikans hat die Anträge der Verteidigung in einem wegweisenden Prozess wegen mutmaßlicher Finanzverbrechen abgelehnt und die Fortsetzung des Prozesses angeordnet, beginnend mit der Befragung von Kardinal Angelo Becciu. 

Dem italienischen Kleriker wird eine Reihe von Vergehen zur Last gelegt. 

Bei einer Anhörung am 1. März verlas der Präsident des Gerichts, Giuseppe Pignatone, eine 40-seitige Verordnung, in der auf die Einwände der Verteidiger eingegangen wird, die seit Beginn des Prozesses im letzten Sommer eingereicht wurden.

Das dreiköpfige Gremium, das den Fall verhandelt, lehnte Anträge ab, Beweise und Anklagen zu verwerfen - wogegen einige Anwälte Berufung einlegen wollten - und setzte die nächste Anhörung für den 17. März an.

Der 17. März wird der erste Tag der Zeugenaussage sein, an dem Becciu in den Zeugenstand gerufen wird, um Fragen zu Geldern des Vatikans und der italienischen Bischofskonferenz zu beantworten, die er unrechtmäßig an den karitativen Arm seiner Heimatdiözese Ozieri auf der italienischen Insel Sardinien gegeben haben soll.

Becciu ist im September 2020 von seinem Amt als Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse und von den Rechten der Mitglieder des Kardinalskollegiums zurückgetreten.

Der 73-jährige italienische Kardinal, der vom Vatikan der Veruntreuung, des Amtsmissbrauchs und der Anstiftung zum Meineid beschuldigt wird, hat stets jegliches Fehlverhalten bestritten. 

Nach der Anhörung am Dienstag sagte der Kardinal vor den Medien: "Endlich ist die Stunde gekommen, die Wahrheit zu sagen. Gut."

"Die Anhörung beginnt... wir haben sieben Monate gewartet und jetzt kann ich sprechen. Ich bin froh", sagte er.

Beccius Anwälte sagten in einer Erklärung vom 1. März, dass "wir bereit sind, auf unwiderlegbare Weise die vollständige Unschuld des Kardinals von allen Anschuldigungen zu beweisen".

Von den 10 Angeklagten ist Becciu der einzige, der regelmäßig zu den Anhörungen erschienen ist und nur eine der neun bisher abgehaltenen Audienzen versäumt hat.

Msgr. Mauro Carlino, der ehemalige persönliche Sekretär des Kardinals, hat ebenfalls an einigen Anhörungen teilgenommen.

Die Entscheidung des Gerichts vom Dienstag markiert das Ende der vorläufigen Phase des historischen Prozesses gegen Vatikanbeamte und ihre Mitarbeiter im Zusammenhang mit dem Kauf einer Londoner Immobilie durch das Staatssekretariat für 350 Millionen Euro (396 Millionen Dollar).

In einer Audienz am 28. Februar schätzte der Chefankläger des Vatikans, Alessandro Diddi, die Gesamtverluste des Vatikans durch die Immobilie in der Sloane Avenue 60 auf 217 Millionen Euro (rund 241 Millionen Dollar).

Einen Monat zuvor hatte der Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats erklärt, dass das umstrittene Londoner Gebäude über seinem Schätzwert verkauft wurde.

Pater Juan A. Guerrero, S.J., sagte gegenüber Vatican News, dass "der Kaufvertrag unterzeichnet wurde, wir 10 Prozent der Anzahlung erhalten haben und er im Juni 2022 abgeschlossen sein wird".

Auch während der Anhörung am 28. Februar erhoben die Anwälte der Verteidigung erneut Einwände gegen das Versäumnis der Staatsanwaltschaft, ihnen bestimmte Beweismittel zur Einsicht vorzulegen.

Der Gerichtspräsident Giuseppe Pignatone reagierte am 1. März auf die Proteste der Angeklagten und sagte, er sei der Meinung, dass das Problem der fehlenden Beweise im November 2021 gelöst worden sei und dass er "nicht die Befugnis habe, die Promotoren anzuweisen", weitere Unterlagen zu hinterlegen.

Ein Anwalt der Angeklagten Cecilia Marogna, einer selbsternannten Sicherheitsberaterin, sagte am 1. März, dass seine Mandantin die NATO, das Staatssekretariat des Vatikans und Italien gebeten habe, sie von der Schweigepflicht zu entbinden, und dass sie um ihre Sicherheit fürchte.

Marogna wurde wegen Veruntreuung angeklagt, weil sie angeblich Hunderttausende von Euro vom Staatssekretariat in Verbindung mit Becciu erhalten und dann das für wohltätige Zwecke bestimmte Geld für Luxusgüter und Urlaube ausgegeben haben soll - was sie bestreitet.

Marogna zufolge hat Becciu sie auch dafür bezahlt, Dossiers mit belastenden Informationen über Vatikanmitarbeiter zu erstellen. Becciu besteht darauf, dass er in kein Fehlverhalten verwickelt war.

Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur. 

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