Vatikan reagiert of „Coming Out" eines Priesters der Glaubenskongregation

Lombardi: Versuch, medialen Druck auf Familiensynode auszuüben

Wollte der Priester bewusst medialen Druck auf die Kirche und die Familiensynode ausüben?
Foto: CNA

Der Vatikan hat einen Priester der Glaubenskongregation entlassen, der sich am Vorabend der Familiensynode öffentlich als praktizierender Homosexueller „outete” und eine Änderung der katholischen Morallehre fordert.

In einem Video-Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Serra hatte Monsignore Krzystof Charamsa bekannt gegeben, dass er in einer homosexuellen Beziehung lebe und die Lehre der Kirche, wie sie im Katechismus steht, ändern wolle.

In einem Statement erklärte der Leiter des Presse-Amtes, Pater Federico Lombardi, das Verhalten Charamsa als, wörtlich, „schwerwiegend und unverantwortlich”. Lombardi wertete den Auftritt als klaren Versuch, die Synode medial unter Druck zu setzen; er teilte mit, dass der Priester von allen Aufgaben im Vatikan mit sofortiger Wirkung entbunden wurde. Weitere kirchenrechtliche Schritte oblägen nun dem zuständigen Ortsbischof.

Der 43-Jährige Pole arbeitete seit 12 Jahren in der Glaubenskongregation. Außerdem war er an zwei päpstlichen Universitäten tätig.

Neben dem öffentlichen Auftritt Chamsaras versuchen kurz vor der Synode zwei internationale Konferenzen, ihre Herangehensweise im Umgang mit Homosexualität bekannter zu machen.

Da ist einerseits die Konferenz „Die Wege wahrer Liebe – Pastorale Ansätze, wie Menschen mit homosexuellen Neigungen begrüßt und begleitet werden können”. Sie findet seit Freitag am Angelicum statt, der Päpstlichen Universität, die den Namen des großen Heiligen und Kirchenlehrers Thomas von Aquin trägt. Der Schwerpunkt bei dieser Konferenz ist der Ansatz der sogenannten „Courage Ministries”; sie helfen Männern wie Frauen mit homosexuellen Neigungen, ein keusches Leben zu führen – gemäß der katholischen Lehre. Homosexuelle Katholiken berichten unter anderem über ihre Erfahrungen, ebenso wie eine Reihe katholischer Therapeuten und Psychologen. Zu der Veranstaltung wurden unter anderem der australische Kardinal George Pell und Kardinal Robert Sarah erwartet.

Gegen diese Form des katholischen Umgangs mit homosexuellen Neigungen ist eine Konferenz, die am heutigen Samstag in einem römischen Pilgerzentrum stattfindet, organisiert von einer Gruppe, die sich als „LGBTQI Katholiken” bezeichnet. Unter dem Motto „Ways of Love” – „Wege der Liebe” wird im Rahmen dieser Veranstaltung nicht über Keuschheit gesprochen sondern darüber, wie homosexuell aktive Menschen seelsorglich betreut werden beziehungsweise betreut werden sollen – so das Veranstaltungsprogramm. Koordinator ist der Münchner Religionslehrer Michael Brinkschroeder vom „Europäischen Forum für christliche LGBT Gruppen”. Als Gastredner ist Bischof Raul Vera aus Mexiko angekündigt.