Vatikan ruft Staatengemeinschaft auf, Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen

Früher Morgen in Kabul, Afghanistan
Foto: Mohammad Rahmani via Unsplash

Ein Diplomat des Vatikans hat die Staaten der Welt aufgefordert, bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan "vom Reden zum Handeln überzugehen".

In einer Rede vor der Dringlichkeitssitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen zur Lage in Afghanistan sagte Msgr. John Putzer, der Heilige Stuhl rufe alle Parteien dazu auf, die "Menschenwürde und die Grundrechte eines jeden Menschen" zu wahren.

Er betonte, dass dies "das Recht auf Leben, die Religionsfreiheit, das Recht auf Bewegungsfreiheit und das Recht auf friedliche Versammlung" einschließe.

"In dieser kritischen Zeit ist es von entscheidender Bedeutung, den Erfolg und die Sicherheit der humanitären Bemühungen innerhalb des Landes im Geiste der internationalen Solidarität zu unterstützen, damit die erzielten Fortschritte, insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Bildung, nicht verloren gehen", sagte Putzer am 24. August in Genf, Schweiz.

Putzer ist Chargé d'affaires der Ständigen Beobachtermission des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf. Der aus Wisconsin stammende amerikanische Priester diente im diplomatischen Korps des Vatikans in der Demokratischen Republik Kongo, bevor er nach Genf kam.

Er sagte, der Heilige Stuhl verfolge die Situation in Afghanistan mit "großer Sorge" und hoffe auf eine "friedliche und schnelle Lösung" durch Dialog.

"Der Heilige Stuhl ist nach wie vor davon überzeugt, dass ein umfassender Dialog das wirksamste Mittel ist, um einen solchen Frieden zu erreichen, und ruft die gesamte internationale Gemeinschaft dazu auf, von Erklärungen zu Taten überzugehen und die Flüchtlinge im Geiste menschlicher Brüderlichkeit aufzunehmen", sagte er.

Kardinal Jean-Claude Hollerich, der Vorsitzende der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE), sagte, er sei "beschämt" über die Reaktionen einiger europäischer Länder auf die Situation in Afghanistan.

"Wir hatten diesem Volk Hoffnung gegeben und jetzt haben wir es in Dantes Inferno zurückgelassen. Und dann schäme ich mich. Ich schäme mich für Europa und für den Westen. Wir reden so viel über Werte. Aber wo sind unsere Werte jetzt in Afghanistan?" sagte der Luxemburger Jesuit nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur SIR. Der Kardinal forderte die EU-Länder auf, "nach ihrem Gewissen zu handeln".

Nach Angaben der deutschen Streitkräfte, die weiterhin tausende Menschen aus Afghanistan evakuieren, hat sich die Sicherheitslage verschlechtert.  Die Bundeswehr hat allein am Dienstag knapp 1.000 Menschen mit fünf Flügen aus der Hauptstadt Kabul gerettet. Die deutschen Streitkräfte haben damit seit dem 16. August rund 4.650 Menschen in Sicherheit gebracht. Zur Absicherung und Unterstützung sind Fallschirmjäger, Feldjäger, ein Krisenunterstützungsteam und weitere Spezialisten vor Ort. 

Die radikalislamischen Taliban hatten Afghanistan nach dem weitgehenden Abzug der NATO-Truppen in kurzer Zeit praktisch kampflos erobert. Um die Evakuierung der Bürger westlicher Nationen, afghanischer Ortskräfte und ihrer Familien sowie von Mitarbeitenden der internationalen Organisationen zu ermöglichen, halten Bundeswehrsoldaten zusammen mit US-Truppen und weiteren Verbündeten, darunter aus Australien und dem Vereinigten Königreich, den Flughafen Kabul offen.

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Übersetzt, gekürzt und redigiert aus dem englischen Original.