Von Jesus am Kreuz in Frage stellen lassen: Papst Franziskus predigt am Palmsonntag

Palmsonntag auf dem Petersplatz, 25. März 2018
Foto: CNA Deutsch / Daniel Ibanez
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Zum Kreuz zu blicken, auch wenn man geschmäht und mit übler Nachrede überzogen wird: Dazu hat zum Auftakt der Karwoche Papst Franziskus aufgerufen. In seiner Predigt auf dem Petersplatz forderte er die Katholiken auf, sich an Jesus zu prüfen, ja, in Frage stellen zu lassen.

Jesus war selber Opfer von dem, was heute als "fake News" bezeichnet wird: Seine Botschaft wurde von Menschen verdreht, welche diese zum eigenen Vorteil verbiegen wollten, so Franziskus.

Doch trotz des Stolzes und der Skepsis mancher Menschen könne die Freude der Botschaft Christi und seiner Auferstehung nichts und niemand dämpfen.

"Wir sind durch sein Kreuz gerettet worden", und trotz der Kälte und der Skepsis einiger, "kann niemand die Freude des Evangeliums unterdrücken", predigte der Papst auf dem Petersplatz zu den anwesenden Pilgern.

Der Palmsonntag fiel auch mit der Diözesanfeier des Weltjugendtages zusammen, die in diesem Jahr das Thema "Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast bei Gott Gnade gefunden" hatte.

Für die Jugendlichen, darunter viele der 300 Delegierten des vorsynodalen Treffens diese Woche, hatte der Papst eine Botschaft: Sie sollten sich nicht entmutigen lassen, sondern aufsprechen, sagte Franziskus.  

"An euch liegt es, euch für das Hosanna des Sonntags zu entscheiden, um nicht dem 'Kreuzige ihn!' des Freitags zu verfallen... Und es liegt an euch, nicht zu schweigen. Wenn die anderen schweigen, wenn wir, die Ältesten und die Verantwortlichen, schweigen, wenn die Welt schweigt und ihre Freude verliert, frage ich euch: Wollt ihr schreien? Bitte entscheidet euch, bevor die Steine schreien!"

Ob und wie die Botschaft der Jugendlichen auch vom Papst und Bischöfen gehört wird - die Jugendlichen wünschen sich unter anderem eine ehrliche Kirche, die wieder den Glauben lehrt, den viele nicht kennen oder verstehen - wird die Synode im Oktober zeigen. Heute haben sie das 16-seitige Schreiben dem Papst offiziell übergeben.

In seiner Predigt sagte Papst Franziskus weiter, dass der Bericht über den Einzug Jesu in Jerusalem eine Reihe unterschiedlicher und manchmal widersprüchlicher Gefühle hervorgerufen habe, darunter Liebe und Hass, Selbstaufopferung und Gleichgültigkeit; die Freude derer, die Jesus willkommen heißen, und die Bitterkeit derer, die ihn gekreuzigt sehen wollen.

"Wie schwer ist es für die Behaglichen und Selbstgerechten, die Freude und die Feier der Gnade Gottes zu verstehen! Wie schwer ist es für diejenigen, die nur auf sich selbst vertrauen und auf andere herabblicken, um an dieser Freude teilzuhaben."

Der Ruf derer, die "kreuzige ihn" rufen, so Franziskus, sei die Stimme, derer, die die Realität verdrehen und Geschichten zu ihrem eigenen Vorteil erfinden, ohne sich um den Ruf anderer zu scheren.

Franziskus sagte, dass Menschen mit dieser Einstellung kein Problem hätten, "Tatsachen zu verdrehen" und Jesus wie einen Verbrecher aussehen zu lassen. Als Ergebnis "wird Hoffnung zerstört, Träume werden getötet, Freude wird unterdrückt; das Herz ist abgeschirmt und die Nächstenliebe wird kalt. "

Gegenüber Menschen, die diese Einstellung haben, ist das beste Mittel, sagte der Papst, "auf das Kreuz Christi zu schauen und sich von seinem letzten Schrei herausfordern zu lassen".

Der Blick auf das Kreuz bedeute auch, sich selbst über seine eigenen Handlungen und Entscheidungen zu befragen und in Frage zu stellen.

Nach der Messe betete Papst Franziskus mit den Gläubigen den Engel des Herrn. Er bat darum, dass Maria jedem helfen möge, gut in der Karwoche zu leben. "Von ihr lernen wir die innere Stille, den Blick des Herzens und den liebenden Glauben, Jesus auf dem Weg des Kreuzes zu folgen, der zum freudigen Licht der Auferstehung führt."

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