USA: Andacht und Andächtigkeit, Bildung und Aufklärung über die Lehre der Realpräsenz

Der Leib Christi
Foto: David Eucaristía / Flickr (CC0)
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Ähnlich wie in Deutschland wissen viele getaufte Katholiken in den USA nicht mehr – oder wurden nie darüber informiert, was die Glaubenslehre der Kirche über das Allerheiligste ist. Die Bischöfe dort haben Konsequenzen gezogen: Sowohl mit Andachten als auch mehr Andächtigkeit, mit gezielter Bildung und allgemeiner Aufklärung darüber, was die Realpräsenz ist, wollen sie den Abfall vom Glauben der letzten Jahrzehnte stoppen und umkehren.

Das berichtet die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.

Auslöser dafür war eine alarmierende Studie, die vor sechs Wochen erschienen ist: Die Umfrage ergab, dass nur ein Drittel der Katholiken in den USA überhaupt glaubt, dass Brot und Wein in der Messe zum Leib und Blut Christi werden. Mit Briefen und Aufrufen, konkreten Maßnahmen und einer breitangelegten Bildungsoffensive wollen die Bischöfe im ganzen Land darauf antworten.

Die Anfang August veröffentlichte Studie von Pew Researchergab, dass gerade mal 31% der befragten US-Katholiken glauben, dass das in der heiligen Messe Brot und der Wein durch einen Vorgang, der als Transsubstantiation bezeichnet wird, zum Leib und Blut Christi werden - eine grundlegende Lehre des katholischen Glaubens, die der Begriff "Realpräsenz" ausdrückt.

Bischof Daniel Jenky vom Bistum Peoria (Bundestaat Illinois) war seiner Zeit voraus: Er hatte für das Jahr 2020 ein Lehrbuch über die Realpräsenz vorbereitet. Angesichts der jüngsten Umfrage-Ergebnisse entschied er, das Werk jetzt bereits zu veröffentlichen.

Alle Pfarreien, so der Bischof in einem Schreiben, aber auch alle "Pfarrgemeinderäte, Ordensgemeinschaften, Lehrkörper der Schulen, Treffen Geistlicher" sowie RCIA – das Programm für Konvertiten in englischsprachigen Ländern – sind nun aufgerufen, sich im kommenden Jahr auf "unsere Lehre und unser Zeugnis über das Allerheiligste" zu konzentrieren, so Jenky.

"Es ist ein definiertes Dogma der katholischen Kirche, das vom Heiligen Geist offenbart und vor jeder Möglichkeit des Irrtums bewahrt wird, dass Leib und Blut, Seele und Gottheit Jesu Christi in der Allerheiligsten Eucharistie wirklich und wesentlich gegenwärtig sind. Dies ist keine Meinung, die an einer Meinungsumfrage zu messen ist, sondern die göttliche Offenbarung, wie sie durch die absolute Autorität von Schrift und Tradition zum Ausdruck kommt."

In seinem Brief ruft Bischof Jenky daher zur Anbetung des Allerheiligsten Altarsakraments auf, zu Andachten, zu eucharistischen Segnungen, Prozessionen, Heiligen Stunden und stille Zeiten des persönlichen Gebets vor dem Tabernakel.

"Diese eucharistischen Andachten sollen offensichtlich auch dazu dienen, unsere bewusste Anerkennung der Zentralität der wahren Gegenwart Jesu innerhalb der Liturgie der Messe zu vertiefen", schreibt er.

Gerade Getaufte, die nicht mehr – oder noch nicht – diese einfachsten und gleichzeitig wichtigsten Wahrheiten ihrer eigenen Religion kennen, sollen das Geschenk der heiligen Messe entdecken können.

Absatz 1374 des Katechismus der Katholischen Kirche bringt es auf den Punkt: "Im heiligsten Sakrament der Eucharistie ist 'wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten'; (...) in ihr wird nämlich der ganze und unversehrte Christus, Gott und Mensch, gegenwärtig".

In der Studie von Pew Research gaben 69 Prozent der befragten Katholiken an, dass das während der Eucharistie verwendete Brot und der Wein "Symbole für den Leib und das Blut Jesu Christi sind".

In jeder Altersgruppe gab dies die Mehrheit der Befragten an.

"Die meisten Katholiken, die glauben, dass Brot und Wein symbolisch sind, wissen nicht, dass die Kirche die Auffassung vertritt, dass eine Transsubstantiation stattfindet", konstatiert Pew.

"Insgesamt glauben 43% der Katholiken, dass Brot und Wein symbolisch sind und dass dies auch die Position der Kirche ist. Gleichzeitig lehnt einer von fünf Katholiken (22%) die Idee der Transsubstantiation ab, obwohl sie wissen, dass dies die Lehre der Kirche ist."

Interessanterweise behauptete ein kleiner Prozentsatz der Befragten - 3% -, an die Wahre Gegenwart zu glauben, obwohl er nicht wusste, dass die Kirche dies lehrt.

Bischof Jenky wies darauf hin, was er in den letzten Jahrzehnten als "spürbaren Rückgang unserer rituellen Ehrfurcht" wahrgenommen hat.

Manche Kirche glichen eher Hotel-Lobbys als Gotteshäusern, so der Bischof.

Erzbischof Alexander Sample aus Portland in Oregon wandte sich bereits im August an die Gläubigen seiner Diözese mit einem Brandbrief angesichts der Ergebnisse von Pew Research.

"Diese Befunde müssen ein echter Weckruf für uns alle sein", schrieb er am 30. August.

"Es ist einfach keine Option, bei so beunruhigenden Nachrichten mit den Schultern zu zucken und mit "Business as usual" weiterzumachen. Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um diesen Trend umzukehren. Die Menschen werden schneller nachlässig im Ausüben ihres Glaubens oder steigen völlig aus, wenn sie das Geheimnis, das wir in der Heiligen Eucharistie feiern, nicht verstehen und glauben".

Auch Sample stellte einen Rückgang der eucharistischen Andacht und Ehrfurcht fest und forderte die katholischen Schule seiner Erzdiözese auf, die Lehre von der Eucharistie wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Gefragt seien aber auch die Pfarreien und deren Glaubensbildung der erwachsenen Katholiken.

"Um es ganz offen zu sagen, wir haben viel von der Ehrfurcht, Ehrfurcht und Achtung vor der Heiligen Eucharistie verloren, die wir einst in der Kirche hatten. Wie wir die Heilige Messe feiern und das Allerheiligste behandeln, steht im Mittelpunkt", so der Erzbischof.

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