„Wer sich weigert, Kinder zu haben, soll Platz machen für Migranten“

Papst Franziskus kritisiert Europa als „sterilen Kontinent” – Flüchtlingskrise habe manche Länder aufgeweckt

Papst Franziskus
Foto: Petrik Bohumil / Catholic News Agency
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„Das Phänomen der Migration ist Realität...wo ein Leerraum entsteht, werden Menschen diesen füllen. Wenn ein Land keine Kinder hat, kommen Migranten, um die Plätze zu füllen”, so der Papst in einem Interview mit dem portugiesischen Sender Radio Renascença.

Franziskus verweist im Interview mit der Journalistin Aura Miguel auf die dramatisch niedrige Geburtenrate in Ländern wie Portugal, Spanien oder Italien. Die demographische Situation ist dort vergleichbar schlecht wie die in Deutschland, das mittlerweile sogar die durchschnittlich älteste Bevölkerung der Welt hat.

„Wenn es also keine Kinder gibt, dann gibt es leere Plätze”, so der Papst wörtlich. Für ihn sei diese Weigerung, Kinder zu haben, Ausdruck einer „Wohlfühl-Kultur”, in der das Streben nach der Erfüllung eigener, persönlicher Wünsche und Bedürfnisse völlig überzogen sei.

Der Papst sagt offen im Interview, er kenne den Wunsch, keine Kinder zu bekommen, aus persönlicher Erfahrung: Italienische Verwandte hätten ihm schon vor Jahren gesagt, sie würden lieber auf Reisen gehen oder Immobilien kaufen als Kinder zu haben.

Als Enkel italienischer Migranten, die im Jahr 1929 nach Argentinien kamen, wisse er, was Immigration bedeute.

Die täglich nach Europe strömenden Migranten und Flüchtlinge seien nur „die Spitze des Eisbergs”, erklärt Franziskus: „Wir sehen diese Flüchtlinge, diese armen Menschen, die vor Krieg fliehen, vor Hunger”; aber das eigentliche Problem sei ein ungerechtes sozio-ökonomisches System, das statt dem Menschen zu dienen, dem „Gott des Geldes” diene, so der Papst wörtlich. Egal, wo die Migranten herkämen: Was sie dazu bewege, nach Europa zu kommen, seien überall die gleichen Probleme. Diese zu lösen bedeute, deren Ursachen vor Ort zu lösen.

Gleichzeitig erklärt Papst Franziskus im Interview noch einmal seine Forderung vom 6. September an Pfarreien, Flüchtlinge aufzunehmen: Es gehe nicht darum, buchstäblich in jedem Pfarrhaus eine Familie einzuquartieren. Vielmehr solle Platz für Flüchtlinge gefunden werden, „und wenn es eine bescheidene Wohnung ist”. Dann hätten die Menschen ein Dach über dem Kopf und könnten integriert werden. Es sei aber wichtig, dass es sich um Familien handle: „Eine Familie gibt mehr Sicherheit”, und das Risiko von „Unterwanderung” sei dann geringer.

Er danke den europäischen Ländern, die dank dieser Entwicklung aufgewacht sein. „Ich würde sagen, Europa ist aufgewacht, nicht wahr?”