Wie der Kardinalsrat für Papst Franziskus die Kurienreform plant

Der Petersdom, gesehen von der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz.
Foto: CNA/Alexey Gotovskiy
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Wie treibt Papst Franziskus die Kurienreform voran? Schritt für Schritt, allmählich, und durch Versuch und Irrtum, sagt einer, der es wissen muß: Bischof Marcello Semeraro.

Der italienische Hirte ist Sekretär des Kardinalsrats, dem auch als "K9" bekannten Beratergremiums des Papstes in Sachen Kurienreform.

Nun hat Bischof Semeraro in einem ausführlichen Artikel für das italienische Monatsmagazin "Il Regno" die Arbeit des "K9" analysiert und bewertet. Dabei legt der auch die vom Rat vorgeschlagenen Kritierien für die Reform dar.

Die Schlüsselbegriffe sind, so Semeraro, pastorale Neuausrichtung, Dezentralisierung und Subsidiarität.

Die Kurienreform unter diesen Vorzeichen sei längst auf dem Weg, stellt der K9-Sekretär fest.

Eine Folge sei Flexibilität im Management der Behörden und Abteilungen des Heiligen Stuhls. Diese neuen Dikastierien – so der offizielle Begriff – arbeiteten ohne Zeitlimit mit einem Regelwerk auf experimenteller Basis; etwas, das es in dieser Form in der Kirche bislang nicht gegeben hat.

Dadurch seien Nachbesserungen und Korrekturen möglich, sobald diese anstehen.

Bischof Semeraro verknüpft das Vorgehen des Kardinalsrats mit jenem zentralen Aspekt des Pontifikats von Papst Franziskus: Dem Ruf nach pastoraler Neuausrichtung der ganzen Kirche, insbesondere der Seelsorger und aller kirchlichen Mitarbeiter. In Evangelii Gaudium bringt er diese Forderung wiederholt an, etwa in Abschnitt 27:

Die Reform der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür zu sorgen, dass sie alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des "Aufbruchs" versetzt (...)

Vor diesem Hintergrund sei auch die Reform der Kurie zu verstehen, so Bischof Semeraro:

Erstens wolle die Reform die Kurie der heutigen Zeit relevant machen, um den heutigen "Bedürfnissen von Frauen und Männern besser gerecht zu werden".

Zweitens verfolge die Reform das Ziel, "die Römische Kurie ihrer Aufgabe besser regelkonform gewachsen zu sein, nämlich am Dienst des Nachfolgers Petri mitzuwirken."

Für Bischof Semeraro ist die sehr unterschiedliche Herkunft der Kardinäle, die den Papst beraten, eine Bereicherung: Sie bringen sehr unterschiedliche Erfahrungsschätze ein.

In seinem Artikel befasst er sich mit der Zusammensetzung des Kardinalsrats. Fünf Mitglieder sind diözesane Bischöfe aus Indien, Europa, Afrika, Nord- und Südamerika. Zwei sind emeritierte Bischöfe, von denen einer derzeit ein Dikasterium im Vatikan leitet. Zwei Kardinäle haben als Nuntien gedient; einer von ihnen ist nun Staatssekretär und der andere steht der Verwaltung des Vatikanstaates vor.

16 Mal ist der Kardinalsrat bislang zusammengetreten; meist für drei aufeinanderfolgende Tage, an denen sich die Runde zwei Mal trifft. Insgesamt haben also 93 Treffen stattgefunden.

Ausgangspunkt wie Grundlage der Arbeit des Rates ist Pastor Bonus, die apostolische Konstitution über die Römische Kurie aus dem Jahr 1988, mit welcher der heilige Papst Johannes Paul II. die Arbeit und Kompetenzen der Kurie regelte.

Eine systematische Auslegung des Dokuments habe der Rat vollzogen, so Bischof Semeraro, vom Abschnitt über das Staatsekretariat über die Beschreibung der Kongregationen und päpstlichen Räte. Die Kardinäle hätten sich zuerst gemeinsam einen Überblick verschafft und dann einzelne Themen vertieft. Daraus wurde letztlich dann ein Vorschlag für den Heiligen Vater erarbeitet, so der Sekretär des Rates – darunter die bereits vollzogenen Schritte, über die CNA berichtete.

Das könnte Sie auch interessieren: