Wie die Corona-Krise Priester psychisch belastet – und wie man ihnen helfen kann

Priester (Illustration)
Foto: Cervo / Shutterstock

Ist die Kirche – gefühlt oder tatsächlich – unwichtiger als der Supermarkt? Wie "irrelevant" oder ausgegrenzt kommen sich Pfarrer in der Coronavirus-Krise vor, wenn sie gezwungen wochenlang werden, ihre Gottesdienste alleine zu feiern, getrennt von ihrer Gemeinde? 

Die Pandemie wirft drängende Fragen über die psychische Belastung von Pfarrern auf. Dr. Christina Lynch, leitende Psychologin des Priesterseminars St. Johannes Vianney in Denver, . 

Im Interview mit der Catholic News Agency (CNA) bestätigt die Expertin, dass sich Priester in der Krise "überflüssig" fühlen können. So mancher Pfarrer wird in seiner Identität as katholischer Priester kritisch herausgefordert. Die Psychologin betont:  Priester brauchen Ermutigung, um diese Herausforderung zu meistern.

"Hirten wurden von ihren Herden getrennt, und Herden und von ihren Hirten. Priester verlieren ihren Sinn für ihre priesterliche Identität und ihre Bestimmung. Ein seit kurzem geweihter Priester [sagte mir]: ‚Ich bin kein Pfarrer ohne meine Gemeinde. Es war wirklich schwer".

"Gott hat diese Priester jetzt, in dieser Zeit, berufen, da zu sein", betont Dr. Lynch. Diese Priester werden gebraucht; sie sollen jetzt, "inmitten der Pandemie und der Unruhen", ihren wichtigen Auftrag und Zweck erfüllen: Die Gläubigen der Katholischen Kirche mit den Sakramenten zu versorgen – "und sie müssen sich dabei gegenseitig unterstützen".

Wie in Deutschland und ganz Europa haben die Bistümer in den USA seit März die Feier der heiligen Messe eingeschränkt, um die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen.

Mittlerweile wird vielerorts wieder das Messopfer öffentlich gefeiert – mit einer begrenzten Zahl an Teilnehmern, Sicherheits-Abstand, Schutzmasken und Desinfektionsmitteln. Andere Diözesen haben weiterhin keine öffentlichen Messen.

Die Psychologin Lynch hat ein gutes Dutzend Priester verschiedener Regionen – darunter Rektoren von Priesteresminaren, Pfarrer mittleren Alters und kürzlich geweihte Priester – befragt.

Wie wirkt sich die Pandemie auf die psychische Gesundheit der Geistlichen aus? Welche Art von Unterstützung brauchen sie? Welche Belastungen erwarten sie in Zukunft? – Lynch hoffte, dass die Antworten der Priester auf solche Fragen helfen, die Situation der Geistlichen besser zu verstehen – um ihnen besser helfen zu können.

Die Antworten der befragten Priester zeigten: Die Pandemie führte zu einer größeren psychischen Belastung. Die Folgen dieser Belastung: Einsamkeit, Depressionen, Zynismus, Wut und Angst.

"Diese Quarantäne hat zuvorderst eine wachsende Krise der priesterlichen Identität an die Oberfläche gebracht", so Lynch. 

Während in vielen US-Staaten etwa Marihuana-Verkaufsstellen, Abtreibungskliniken und Sex-Shops geöffnet blieben, mussten Kirchen schließen, weil die Behörden diese als "nicht notwendig" einstuften.

Die säkulare Politik scherte sich im Umgang mit der Coroanvirus-Krise nicht um die Spiritualität, mit anderen Worten – was wiederum auch ganz konkrete Probleme für Pfarrer mit sich brachte, so Dr. Lynch. Priester mussten Angestellte entlassen, konnten ihre Gemeinde-Mitglieder nicht mehr persönlich treffen, und waren gleichzeitig selbst auf sich oft zurückgeworfen, fühlten sich alleingelassen.

Hier können Pfarreien und Gläubige aktiv werden, betont die Psychologin: Wer sich beim Pfarrer meldet, wer die im übertragenen Sinne die Hand reiche, ihm den Rücken stärke und ihn ermutige, der helfe dem eigenen Priester, die Krise besser zu meistern. Gleichzeitig sei es für Priester wichtig, sich gegenseitig zu stützen und unterstützen. 

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