Wien: "Störungen" in Pfarrkirche und "islamische Parolen" im Stephansdom

Die Erzdiözese verurteilt Vorfall, fordert schnelle Aufklärung und Konsequenzen

Das Wappen der Republik Österreich und der Bundeshauptstadt Wien am Albertinischen Chordach des Stephansdoms
Foto: Bwag / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)

Mehrere islamisch motivierte, anti-christliche Vorfälle in Wien haben nach dem jüngsten Terror-Anschlag eines Islamisten in Frankreich für Aufsehen in Österreich gesorgt. 

Am heutigen Samstagmorgen gegen 8 Uhr betrat ein Mann den Stephansdom und schrie "islamische Parolen", so das Stadtpolizeikommando Wien laut einem Bericht der Zeitung "Kurier". Der 25-jährige Afghane wurde in Gewahrsam genommen, der Bereich des Doms großräumig abgesichert und das Landesamt für Terrorismusbekämpfung informiert.

Zwischen 30 und 50 Jugendliche haben zudem am Donnerstag Abend eine Kirche in Wien-Favoriten angegriffen. Die Täter waren mehreren Medienberichten zufolge eine Gruppe junger Türken. Die Angreifer stürmten  in die Pfarrkirche St. Anton in Favoriten, brüllten "Allahu Akbar" und versuchten mit Fußtritten, die Kircheneinrichtung zu beschädigen.  

Die Erzdiözese Wien verurteilte den Angriff und forderte "schnelle Aufklärung" und "Konsequenzen".

"Das Ganze ist eine ernste Sache: Gläubige haben das Recht, ungestört ihre Religion ausüben zu können. Dieses Recht ist eine der Säulen eines friedlichen Zusammenlebens und muss geschützt werden - gerade in Wien, wo der Religionsfriede vorbildlich ist." Das erklärte Diözesansprecher Michael Prüller am Freitagabend in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur "Kathpress".

Die Zeitung "Kurier" berichtete, dass Ermittler des Verfassungsschutzes davon ausgehen, dass die Gruppe türkischer Jugendlicher sich über die sozialen Medien verabredete, und dann das Gotteshaus gezielt angegriffen habe.

Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach sich nach dem Vorfall gegen falsch verstandene Toleranz aus.

"Alle Christen müssen in Österreich frei und in Sicherheit ihren Glauben ausüben können! Wir werden den Kampf gegen den politischen Islam entschieden weiterführen und hier keine falsche Toleranz zeigen", schrieb Kurz auf Twitter.

Der Bundeskanzler dankte den Sicherheitskräften für ihren Einsatz.

Der gesamte Vorfall soll von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden sein, die nun ausgewertet wird, berichtet "Kathpress". Bislang wurde offenbar kein einziger Täter festgenommen.

Als dritten islamistischen Angriff binnen weniger Tage – nach dem Anschlag von Paris sowie in der Basilika von Nizza – bezeichnete der stellvertretende FPÖ-Bundesparteiobmann Manfred Haimbuchner den Vorfall.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verurteilte die Angriffe: "Wir lassen uns in Österreich das Recht auf freie Religionsausübung niemals zerstören und werden die christliche Gemeinschaft mit allen unseren Kräften schützen", sagte Nehammer im "Kurier".

Gewalt- und Aggressionspotenzial bei Jugendlichen werde durch "dschihadistischen Fundamentalismus und nationalistische Kampfrhetorik" befeuert, meinte auch die Grüne Integrationssprecherin Faika El-Nagashi gegenüber der Agentur "APA" laut "Kathpress". Der Angriff vom Donnerstag sei "inakzeptabel und gefährlich".

Nach den Ereignissen in der St.-Anton-Kirche zeigte sich auch Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative Muslimischer Österreicher entsetzt. "Nichts rechtfertigt ein derartig verantwortungsloses Verhalten. Aus islamischer Sicht sind sowohl Gotteshäuser, als auch die Nachbarschaft absolut geschützt. Beide islamischen Gebote wurden von diesen Jugendlichen gröblichst verletzt", sagte der Obmann gegenüber dem "Kurier".  

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