"Wir sind frei, wenn wir dienen": Papst Franziskus dankt einem Kind für seine "Lektion"

Papst Franziskus begrüßt einen Jungen auf der Bühne der Audienzhalle im Vatikan bei der Generalaudienz am 20. Oktober 2021.
Foto: Daniel Ibáñez / ​CNA Deutsch

Papst Franziskus hat sich am Mittwoch bei einem Kind bedankt, das ihm bei seiner Generalaudienz eine spontane "Lektion" erteilt hat.

In seiner Rede in der Audienzhalle des Vatikans am 20. Oktober widmete der Papst einem Buben, der zu Beginn der Audienz auf ihn zuging, seine Aufmerksamkeit.

"In diesen Tagen sprechen wir über die Freiheit des Glaubens und hören auf den Brief an die Galater", sagte er. "Aber ich wurde an das erinnert, was Jesus über die Spontaneität und Freiheit der Kinder sagte, als dieses Kind die Freiheit hatte, auf uns zuzugehen und sich zu bewegen, als ob es zu Hause wäre... Und Jesus sagt uns: 'Auch ihr, wenn ihr euch nicht wie Kinder verhaltet, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.'"

Eine Anspielung auf die berühmten Worte Jesu im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 18 Vers 3: "Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen".

Franziskus fuhr fort: "Der Mut, auf den Herrn zuzugehen, sich dem Herrn zu öffnen, keine Angst vor dem Herrn zu haben: Ich danke diesem Kind für die Lektion, die es uns allen erteilt hat. Und möge der Herr ihm in seiner Begrenztheit, in seinem Wachstum helfen, weil es dieses Zeugnis gegeben hat, das aus seinem Herzen kam. Kinder haben keinen automatischen Übersetzer vom Herzen zum Leben: Das Herz übernimmt die Führung".

Die unerwartete Begegnung fand am Anfang der Veranstaltung statt, als Geistliche in verschiedenen Sprachen Galater 5,13-14 vorlasen, eine Passage, in der der Apostel die Christen auffordert: "nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!".

Während die Verse auf Deutsch vorgelesen wurden, ging der Junge, der einen schwarzen Trainingsanzug, eine Brille und eine Gesichtsmaske trug, auf Papst Franziskus zu, der ihn anlächelte und ihm die Hand reichte, berichtete die "Catholic News Agency" (CNA).

Msgr. Leonardo Sapienza, der bei Generalaudienzen rechts vom Papst sitzt, erhob sich und überließ dem Jungen seinen Platz.

Das Kind setzte sich kurz, stand dann auf und zeigte auf das Zucchetto des Papstes. Er führte den Priester, der die portugiesische Lesung hielt, zum Papst hinüber, um ihm die weiße päpstliche Kopfbedeckung zu zeigen, die auch als Pileolus bezeichnet wird. Schließlich ging der Junge von der Plattform herunter und trug stolz sein eigenes Zucchetto.

Die per Livestream übertragene Ansprache des Papstes zum Thema "Die Freiheit verwirklicht sich in der Liebe" war die zwölfte seiner Katechese über den Galaterbrief des Paulus.



In seiner Katechese erklärte Papst Franziskus, dass Paulus in seinem Brief "die große Neuheit des Glaubens" offenbart.

"Dort ist das größte Geschenk, nämlich die Gotteskindschaft, über uns ausgegossen worden. Wiedergeboren in Christus, haben wir uns von einer Religiosität verabschiedet, die aus Vorschriften besteht - wir sind von einer Religiosität, die aus Vorschriften besteht, zu einem lebendigen Glauben übergegangen, der seinen Mittelpunkt in der Gemeinschaft mit Gott und mit unseren Brüdern und Schwestern hat, das heißt in der Liebe. Wir haben uns von der Sklaverei der Angst und der Sünde verabschiedet und sind in der Freiheit der Kinder Gottes angekommen".

Er stellte fest, dass Paulus die Freiheit als eine Möglichkeit definiert, anderen zu dienen, anstatt egoistischen Impulsen zu folgen.

"Wieder einmal sehen wir uns mit dem Paradox des Evangeliums konfrontiert: Wir sind frei, indem wir dienen, nicht indem wir tun, was wir wollen. Wir sind frei, wenn wir dienen, und die Freiheit kommt von dort; wir sind in dem Maße frei, in dem wir uns selbst hingeben", sagte er und bezeichnete diese Erkenntnis als "reines Evangelium".

Er kontrastierte die Vision des Paulus mit der Vorstellung von Freiheit als "tun, was man will und was einem gefällt". Eine solche Freiheitsvorstellung hinterlaße im eigenen Leben nur eine Leere, so der Pontifex.

Die Audienz endete mit dem Vaterunser und dem Apostolischen Segen; doch zuvor richtete der Papst auch einen herzlichen Gruß "an die Pilger und Besucher deutscher Sprache. Streben wir danach, immer wie Christus zu leben, im Dienst für die anderen und im Lob und Dank an Gott, den Vater unseres Lebens und den Schöpfer des Weltalls. Der Herr leite und behüte euch auf allen Wegen."

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