Zahl der Eheschließungen in Deutschland sinkt massiv, aber mehr Kinder werden geboren

Ehe und Familie: Für Christen nicht nur die Urzelle des menschlichen Zusammenlebens, sondern auch eine "Hauskirche".
Foto: Pixabay (Public Domain)

Die Zahl der Eheschließungen in Deutschland war im Corona-Jahr 2021 so niedrig wie zuletzt im Ersten Weltkrieg. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, konnte gleichzeitig "die höchste Geburtenzahl seit 1997" verbucht werden.

Nach vorläufigen Angaben der Behörde 357.800 Paare geheiratet: "Damit wurden 2021 noch einmal 15 500 oder 4,2 % weniger Ehen geschlossen als im ersten Corona-Jahr 2020, in dem die Zahl bereits um 10,3 % gegenüber dem Vorjahr gesunken war."

Außerdem wurden 2021 rund 795.500 Kinder geboren. Der Zuwachs von zwei Prozent gegenüber dem Durchschnitt von 2018 bis 2020 sei vor allem auf Westdeutschland zurückzuführen, so das Statistische Bundesamt. Im Osten seien "die Geburten – unter anderem aufgrund der abnehmenden Zahl potenzieller Eltern – um 5,1 %" zurückgegangen.

"Deutschlandweit war eine Zunahme der Geburten der dritten Kinder (also Kinder von Müttern, die zuvor bereits zwei Kinder geboren hatten) zu beobachten", so die Behörde weiter.

Reaktion von Familienverbänden

Gegenüber CNA Deutsch freute sich Elisabeth Müller, die Bundesvorsitzende des Verbands kinderreicher Familien Deutschland (KRFD), gerade über die Zunahme der Geburten von dritten Kindern.

"Die letzten zwei Jahre waren eine sehr familienbetonte Zeit", sagte Müller. "Familien verbrachten viel Zeit gemeinsam. Aus Perspektive der Kinder sind mehrere Geschwister wunderbar. Es ist nie langweilig zu Hause und man hat immer jemanden zum Spielen oder Reden. Auch das Verantwortungsbewusstsein ist unter vielen Geschwisterkindern sehr ausgeprägt."

Der Wunsch zum dritten Kind sei "bei jungen Erwachsenen eigentlich viel höher als er dann oftmals realisiert wird bzw. werden kann", erklärte die KRFD-Bundesvorsitzende und forderte "aktuelle forschungsgestützte Daten".

Es gehe nun darum, familienpolitische Maßnahmen umzusetzen, "um zum dritten Kind (und weiteren) zu ermutigen. Wenn Rahmenbedingungen zum Beispiel mit Blick auf Arbeitszeitmodelle und -orte flexibel gestaltet würden, könnte das ein positiver Anreiz für Eltern und die Familienplanung sein. Wir würden uns freuen, wenn es aufgrund dieser Entwicklung zu einem längerfristigen Aufwärtstrend bei den Geburten käme."

Matthias Dantlgraber, Bundesgeschäftsführer beim Familienbund der Katholiken, sagte auf Anfrage von CNA Deutsch mit Blick auf die Eheschließungen, man hoffe "nach einem pandemiebedingten Rückgang auf eine Erholung der Zahlen. Vor der Pandemie war eine Zunahme der Eheschließungen zu beobachten."

"Trotz des Trends, dass heute mehr Kinder außerhalb der Ehe geboren werden als früher, hat die Ehe weiterhin eine hohe Bedeutung: 70 Prozent aller Kinder wachsen bei ihren verheirateten Eltern auf", betonte Dantlgraber, der sich auch über die höheren Geburtenzahlen freute.

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