30. Januar 2026
Mit einer weiteren Arbeit zur Papstgeschichte hat sich der Priester und Augsburger Kirchenhistoriker Jörg Ernesti auf dem Buchmarkt zurückgemeldet: Ende Januar erschien „Die Päpste. Von der Antike bis zur Gegenwart“, ein mit 128 Seiten überaus kompaktes Buch.
Seit Jahren ist Ernesti als einer der profiliertesten Kenner insbesondere der jüngeren Papstgeschichte bekannt. Mit „Die Päpste“ – erschienen in der Reihe C.H.Beck Wissen – blickt er zurück bis ins Neue Testament, in dem das Papsttum mit Petrus seinen Anfang nahm.
Der Kirchenhistoriker liefert keine Aneinanderreihung von kurzen Biografien aller Päpste, sondern greift wichtige Gestalten heraus. Dabei geht es sowohl um theologische und pastorale als auch etwa um politische, künstlerische und skandalöse Aspekte. Letzterer Punkt, der gerade bei den Renaissancepäpsten zu Tage trat, wird also nicht verschwiegen.
Überhaupt ist das Buch keine Hagiografie oder Verklärung des Papsttums – im Gegenteil. Auf den ersten Seiten, die sich mit Petrus beschäftigen, nimmt Ernesti eine sehr skeptische Haltung ein. Die berühmte Stelle im Matthäus-Evangelium, als Jesus dem Petrus sagt, auf diesen Felsen werde er die Kirche bauen, werde heute „zumeist nicht dem historischen Jesus, sondern einer späteren Redaktion zugeschrieben“, so der Kirchenhistoriker.
Auch stelle die Forschung die Frage, ob Petrus je in Rom gewesen sei, denn erst am dem dritten Jahrhundert werde „sein Martyrium in Rom explizit behauptet“, während etwa Paulus in seinem Römerbrief Petrus nicht unter die zu grüßenden Personen eingereiht hat.
Umgekehrt geht Ernesti jedoch auf die archäologischen Funde ein, die vor mehreren Jahrzehnten im Vatikan gemacht wurden. „Beweise für das Grab und die Gebeine des Apostels hatte man nicht gefunden, allenfalls ernst zu nehmende Indizien“, erklärt der Kirchenhistoriker. Es müsse auch „zu denken geben, dass keine andere Ortskirche, auch keiner der östlichen Patriarchensitze, jemals den Anspruch erhoben hat, Ort des Martyriums des Apostels Petrus zu sein oder dessen Grab zu besitzen“.
Manche Halbsätze kommen etwas tendenziös daher, etwa wenn es heißt, der nichtkatholische Ehepartner müsse seit 1970 „nicht mehr eidlich versprechen, dass die Kinder im katholischen Glauben getauft und erzogen werden, was zuvor immer wieder für Unverständnis gesorgt hatte“. Man hätte statt der Bemerkung über das Unverstädnis auch ganz kurz erklären können, warum die Kirche bislang darauf gepocht hatte, die Kinder katholisch zu erziehen. Sie kann nämlich nicht gutheißen, was dem Seelenheil eines Menschen schaden könnte, und eine nichtkatholische Erziehung führt als solche nicht zum ewigen Heil.
Ein letztes Beispiel: „In ethischen Fragen galt Johannes Paul II. als konservativ. Als Erzbischof hatte er Paul VI. 1968 ermutigt, die künstliche Empfängnisverhütung zu verbieten.“ Der damalige Papst Paul hatte die Empfängnisverhütung nicht sozusagen aus heiterem Himmel verboten. Vielmehr war dies die katholische Position, wie sich etwa in der Enzyklika Casti connubii von 1930 ablesen lässt. Es ging also, so müsste man es korrekt formulieren, um ein Beibehalten der klassischen Position angesichts von modernen Entwicklungen wie der Anti-Baby-Pille.
Für alle Leser, die einen ersten Überblick über die Papstgeschichte gewinnen wollen, ist „Die Päpste“ ein guter Einstieg. Das Buch schließt mit einem Ausblick, der die Herausforderungen in den Blick nimmt, denen die Päpste in diesem Jahrhundert begegnen werden.
Hierbei zeigt Ernesti sich ausgewogen: „War ein Pontifex bis zum 19. Jahrhundert eine ferne Instanz, die ein Katholik außerhalb Roms kaum je zu Gesicht bekam, ist sein Bild heute den meisten Menschen bekannt und vertraut. Doch diese Entwicklung hat ihre Kehrseite. Man kann fast nur noch charismatische, medienaffine Persönlichkeiten in dieses Amt wählen.“
„Altersschwache Kompromisskandidaten, wie es sie zuvor häufiger gegeben hat, sind kaum noch denkbar“, so der Kirchenhistoriker vor diesem Hintergrund.
Genauso richtig ist die Feststellung: „Im 20. Jahrhundert wurden ebenso viele Päpste kanonisiert wie in den neun Jahrhunderten zuvor, nämlich jeweils vier. Da man kaum annehmen kann, dass es in früheren Zeiten eine geringere Zahl vorbildlicher Amtsinhaber gegeben hat, kann diese Selbstglorifizierung und religiöse Überhöhung des Papsttums eigentlich nur befremden.“
Die Zeit wird zeigen, wie sich das Papsttum weiterentwickelt. Wo es herkommt, mit welchen Schwierigkeiten es zu tun hatte und welche herausragenden Persönlichkeiten immer wieder auf dem Stuhl Petri saßen, lässt sich in „Die Päpste“ auf weniger als 130 Seiten nachlesen. Am Ende laden einige Literaturhinweise zum Weiterstudium ein.
Jörg Ernesti: Die Päpste. Von der Antike bis zur Gegenwart; C.H.BECK 2026; 128 Seiten; ISBN: 9783406839306; 14 Euro
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