Beendet Rom skandalöse Vorgänge in deutschen Bistümern?

Deutsche Bischöfe beim Treffen mit Papst Franziskus im Rahmen des Ad-Limina-Besuchs in Rom im Jahr 2015.
Foto: Osservatore Romano
25 July, 2020 / 7:16 AM

Auf die neueste vatikanische Instruktion der Kleruskongregation reagierten einige deutsche Bischöfe und die Führung des "Zentralkomitees der deutschen Katholiken" erwartungsgemäß unzufrieden und empört. Droht eine neue römische Vormundschaft gegenüber den Gestaltungsfantasien in den deutschen Bistümern?

Einfach gläubige Katholiken sind höchst wahrscheinlich erfreut, erleichtert und dankbar für das kostbare, reichhaltige Papier, das Papst Franziskus approbiert hat. Der Vatikan hat die deutsche Fassung publiziert. Römische Klarheit ist eingetreten. Kardinal Woelki äußerte Lob und Dankbarkeit für die wegweisende Instruktion. Gesprochen wird über "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche". Eine Reihe von wichtigen Themen wird erörtert – wer die Instruktion ernstnimmt, muss skandalöse Vorgänge beenden, die die kirchliche Landschaft in Deutschland in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Ich denke vor allem an die Profanierung von Pfarrkirchen.

Wer in den letzten zwanzig Jahren in kirchlichen Gremien aktiv war, wurde immer wieder mit neuen Begriffen der diözesanen Verwaltung konfrontiert. Ich erinnere mich an den Begriff "Seelsorgseinheiten". Die Mitglieder von Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen ließen sich unterrichten, berieten darüber und stöhnten – je nach Begabung – leise oder laut. Im Bistum Hildesheim erschien 2004 eine damals mit einem farbigen Cover herausgegebene Broschüre mit dem inspirierend gemeinten Titel: "Visionen eröffnen Wege". Ein mir bekannter Gemeindereferent sagte auf einer von vielen Sitzungen: "Visionen? Nein, Fusionen eröffnen Wege". Er lächelte verzagt, denn niemandem war zum Lächeln zumute. Der neue Weg der Kirche hieß wenig später luftig: "Lokale Kirchenentwicklung" und bedeutete aber vielfach nichts anderes als "Lokale Kirchenschließung". Ich habe es immer als höchst problematisch angesehen, wenn Entwicklungen, die grundsätzlich niemand begrüßte, aber jeder ertragen musste, als Perspektiven oder Visionen buchstäblich verkauft werden sollten. Das ist ein weltliches Marketing, und meines Erachtens der Kirche des Herrn unwürdig. In dem alten Heft wird der Begriff "missionarische Seelsorge" schon sichtbar. "Pastorale Räume" sollten entstehen, aber in manchen dieser Großräume wurde die pastorale Sorge nicht mehr sichtbar, im Gegenteil – der Raum erwies sich oft als ein Gebiet für seelsorgliche Trauerbegleitung. So viele vertraute, geliebten Kirchen vor Ort wurden profaniert. Schauen Sie sich doch einfach einmal diese traurig machende Liste an. Die Logik der Welt spiegelt eine Liste aus dem Jahr 2015 wider: Welche Kirche ist erhaltenswert, welche nicht? Nach welchen Kriterien werden Pfarrkirchen geschlossen? Schauen Sie sich diese "Kircheneinstufungen" sowie die zugehörigen Kriterien vielleicht einfach mal an und machen Sie sich, als mündiger Katholik von heute, Ihre eigenen Gedanken dazu.

Ein Konzeptpapier – welcher Art auch immer – rechtfertigt entsprechend der jüngsten vatikanischen Instruktion weder eine Auflösung von Pfarreien noch Kirchenschließungen. Papierne Pläne könnten sich also die Diözesen künftig überall sparen. In der vatikanischen Instruktion lesen wir: "Die Aufhebung von Pfarreien durch eine Zusammenlegung mit aufhebender Wirkung ist legitim, wenn Gründe vorliegen, die eine bestimmte Pfarrei direkt betreffen. Hingegen sind beispielsweise keine angemessenen Gründe der bloße Mangel an Klerikern in einer Diözese, deren allgemeine finanzielle Situation oder andere Bedingungen der Gemeinde, die voraussichtlich kurzfristig verändert werden können (z. B. die Zahl der Gläubigen, die fehlende finanzielle Unabhängigkeit, städtebauliche Veränderungen des Gebietes). Damit Maßnahmen dieser Art rechtmäßig sind, müssen die Gründe, auf die man sich bezieht, mit der betroffenen Pfarrei in direkter und organischer Weise in Verbindung stehen. Sie dürfen nicht auf Überlegungen allgemeiner, theoretischer und »prinzipieller« Art beruhen." Die Profanierung und der Abriss von Kirchen aus Gründen scheinbar pastoraler Notwendigkeit wird nunmehr mit energischen Worten untersagt: "Auch in diesem Fall sind für die Entscheidung über die Profanierung der diözesane Klerikermangel, die Abnahme der Bevölkerung und die schwerwiegende finanzielle Krise der Diözese keine legitimen Gründe." Erlaubt ist die Profanierung nur bei einer irreparablen Beschädigung der Kirche. Aber eine Kirche ist eben nicht dazu bestimmt, eines Tages aus welchen Gründen auch immer in einen Supermarkt umgestaltet oder einer anderen weltlichen Nutzung zugeführt zu werden. Rom widerspricht der Logik der Weltlichkeit. Das ist großartig, wichtig und weitsichtig. Die Kleruskongregation erinnert uns alle daran, dass die Kirche – noch immer – eine Aufbruchsbewegung zu Christus ist und kein Abbruchunternehmen.

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