Das Mysterium der Beichte

Papst Franziskus nimmt am 26. Juli 2013 beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro eine Beichte ab
Foto: ANSA/OSSERVATORE ROMANO/POOL/CNA
24 April, 2021 / 3:32 PM

Es scheint zu stimmen, dass das Bußsakrament in der katholischen Kirche, zumindest im deutsch-sprachigen Bereich, zum vergessenen Sakrament geworden ist. Wer geht heute noch beichten? Sind wir nicht alle reif genug, selbst zu entscheiden was wir tun? Wenn schon Buße, dann höchstens im Zusammenhang mit einem sogenannten Bußgottesdienst. Doch auch hierzu erscheinen immer weniger Katholiken. Und wenn man sieht, dass selbst an Wallfahrtsorten das Angebot zum Sakrament der Buße zu gehen, immer mehr ausgedünnt und eingeschränkt wird, dann muss man sich nicht wundern. Andererseits gibt es Priester, die an ihren Kirchen ganz besondere Beicht-Angebote machen. Hier kann man erleben, dass Gläubige aus nah und fern in großen Scharen anreisen, um (endlich!) wieder einmal beichten zu können. Woran liegt also die Misere?

Die Buße ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche. Gemäß dem Kirchenrecht „erlangen die Gläubigen, die ihre Sünden bereuen und mit dem Vorsatz zur Besserung dem rechtmäßigen Spender bekennen, durch die von diesem erteilte Absolution von Gott die Verzeihung ihrer Sünden, die sie nach der Taufe begangen haben; zugleich werden sie mit der Kirche versöhnt, die sie durch ihr Sündigen verletzt haben.“ (CiC 959) Rechtmäßiger Spender des Bußsakramentes ist ein katholischer Priester.

Dem Schreiber dieser Zeilen liegt ein Buch vor, bei dem er sich zunächst erst einmal fragen musste, ob er es überhaupt in die Hand nehmen und lesen solle, trägt doch den Titel: „Das Mysterium der Beichte in der orthodoxen Kirche“. Doch schon beim ersten Durchblättern erkannte er, dass das, was da geschrieben steht, höchst aktuell ist. Und – obgleich es für die orthodoxe Kirche geschrieben ist, taugt es auch für Katholiken. Warum? Zunächst, weil beide Kirchen in Bezug auf die Buße, die hier wie da ein Sakrament ist, fast gleiche Voraussetzungen formulieren. Dann aber auch - und dies in besonderer Weise - weil beide Kirchen ihre Wurzeln aus einer Epoche haben, die vor dem großen Schisma (auch Morgenländisches Schisma, die Spaltung zwischen orthodoxer und römisch-katholischer), also vor 1054 gründen. Die Zeugnisse dieses Buches gehen allesamt zurück auf die Kirchen- und Mönchs-Lehrer aus jener frühen Zeit der Kirche. Und heutige Leser werden feststellen, wie aktuell die dargebotenen Texte sind.

Eine der Überschriften der Buchkapitel lautet: „Was soll ich beichten, wenn es scheint, dass ich keine Sünden habe?“ Das Kapitel ist umfangreich. Doch bereits im Vorwort erfährt der Leser:

Während seines Lebens sündigt der Mensch jeden Tag. Das ist keine Metapher und auch keine Übertreibung. Große Sünden, wie Mord, Ehebruch, Diebstahl, Drogen und Abtreibungen, kommen nicht bei jedem vor. Aber es sind die vielen „kleinen“ Sünden, wie Wut, Verurteilen anderer Menschen, übermäßiges Essen und Trinken, Rauchen, Verzagtheit (Depression), Stolz u. ä., welche die Menschen täglich plagen. Sogar gegen die Zehn Gebote, die nur einen kleinen Absatz in der Bibel bilden, sündigen wir regelmäßig. 

Es wird an das das dritte Gebot erinnert: „Du sollst den Namen des Herrn, Deines Gottes, nicht missbrauchen.“ Hierzu wird deutlich angemerkt, dass bereits, wenn man „Gott“ sagt, dies immer bewusst passieren müsse, insbesondere im Gebet an Ihn. Wie oft sagen wir einfach den Ausruf „O mein Gott“ ohne dass Er gemeint ist. Solche und ähnliche Hinweise werden immer wieder gegeben.

Stolz zu sein ist heute für einen selbstbewussten Menschen wichtig. Dieses Buch zählt 13 Anzeichen des Stolzes auf, die für den Gläubigen schädlich sind. Im Kapitel „Über die acht bösen Geister“ werden uns jene Sünden vor Augen gestellt, die für moderne Menschen keine Sünden sind, sondern zu einem Lebensgefühl gehören, das alles haben will und nichts verpassen möchte. 

Niemand soll jedoch von der Lesung des Buches durch allzu heftige Instrumente des geistlichen Lebens abgeschreckt werden. Der Autor weiß, dass „nicht zu sündigen“ leichter gesagt, als getan ist: 

„Wie oft hat sich der Mensch vorgenommen, nicht mehr böse zu werden, seine Familienmitglieder oder Kollegen nicht mehr anzufahren? Hunderte, tausende Male? Und doch tut er es bei jeder Gelegenheit, immer wieder.“

Bei all dem bedenke ein jeder, dass es um das je eigene Seelenheil geht. Vertrauen wir der Kirche, die im Auftrag Jesus Christi Priester eingesetzt hat um Sünden zu vergeben und die Menschen zum ewigen Heil zu führen. Das spannende Kapitel mit dem Titel „Welche Sünden es gibt und wie man gegen sie angehen kann“ geht in mehr als dreißig von ihnen ein. Ganz praktisch werden sie behandelt, so dass ein jeder verstehen kann, wenn er will.

Eines der letzten Worte des Buches stammt vom hl. Papst Leo dem Großen (+ 461). Es gilt noch heute und möchte nichts anderes, als jeden einzelnen Menschen Christus zuführen:

„Der Fürsprecher der Menschen, der Gott-Mensch Jesus Christus, gab den Vorstehern der Kirche die Macht, dass sie die Heiligung der Buße den Beichtenden geben. Durch die Tür der Versöhnung gestatten sie ihnen, gereinigt, an den Heiligen Mysterien teilzuhaben. Doch an diesem Werk nimmt immer der Erretter selbst teil.“ 

Alexej Veselov (Hrsg.), "Das Mysterium der Beichte in der orthodoxen Kirche" ist bei Edition Hagia Sophia erschienen und hat 154 Seiten. 

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