Kardinal Woelki und die Jagdgesellschaft

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Foto: Livin4wheel / Unsplash (CC0)
27 September, 2021 / 2:47 PM

Die Entscheidung des Papstes, Kardinal Woelki im Amt zu lassen, ihm aber eine Auszeit anzuraten, mag man glücklich oder unglücklich nennen. Sie hat jedenfalls zu etwas geführt, was in 5o Jahren Kirche noch nicht erlebt habe: Zu einer Hetzjagd, die nicht vorher enden wird, bevor nicht das große Halali ertönt – und das Tier zur Strecke gebracht ist. 

Das Beuteobjekt, heißt es bei Wikipedia „wird so lange verfolgt bis es entweder völlig erschöpft ist, nicht mehr zu fliehen vermag und daher gestellt ist, oder gefangen ist, d. h. durch das Einholen, Festhalten und zu Boden bringen durch den oder die Jäger.“ Zu den Hunden, die im vorliegenden Fall das Tier jagen, gesellt sich Thomas Sternberg, der oberste Laienvertreter der deutschen Katholiken, dessen würdeloser Kommentar einen neuen Tiefstand an Anstand markiert. Auch von Bischof Bätzing, dem Limburger Bischof und Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, kommt verpacktes Gift, lässt er es doch an hilfreichen Hinweisen zur Resozialisierung seines Kölner Amtsbruders nicht fehlen. Außerdem beteiligen sich die Damen von Maria 2.0 an der konzertierten Mobbing-Aktion, selbstverständlich auch ein einschlägig vorbekannter Münsteraner Kirchenrechtler und ein mehr feind- als seliger Kölner Pressemann.

Sie tun das alles im Namen der Aufklärung von Missbrauch. Nun ist der Kölner Kardinal eher weniger von Unterlassungen betroffen als seine Münchner Kollege. Und auch der Limburger Bischof war Generalvikar in Trierer Skandalzeiten. Wahrscheinlich ist kein länger amtierender deutscher Bischof oder Kirchenverantwortlicher ohne Verdacht auf „Leichen im Keller“. Dass der versammelte Hass der Jagdgesellschaft sich nun auf den Kölner Wald konzentriert, hat ganz gewiss keine Gründe in der solidarischen Empörung mit den Opfern. Die stellen – wie das Missbrauchsopfer Peter Bringmann-Henselder – dem Kardinal eher ein gutes Zeugnis aus, nennen ihn gar einen Vorreiter in der Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen, an dem sich andere Bischöfe ein Beispiel nehmen könnten. 

Die Erklärung ist ganz einfach: Woelki hatte Skepsis gegenüber dem Leib- und Magenprojekt aller Zeitgeist-Christen: dem Synodalen Weg. Die Hohepriester der neuen Lehre befanden ihn schuldig nach Mt 12,31: „Jede Sünde und Lästerung wird dem Kardinal vergeben werden; aber die Lästerung des Zeitgeistes wird nicht vergeben werden. ... Wenn aber jemand gegen den Heiligen Zeitgeist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen“ – oder so ähnlich steht es doch in der Bibel.

Was die innerkirchliche Jagdgesellschaft nicht bedenkt, der sich meinungsbildende Medien hilfreich anschließen: Die Gnadenlosigkeit und der Hass, mit dem sie einen Bischof zur Strecke bringen, wird auf sie zurückfallen. „Richtet nicht! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.“ (Mt 7,1-2) Und ihr Projekt, der „Synodale Weg“, das mit Gewalt als alternativlose Kirchenreform durchgepeitscht werden sollte. 

Wie sagte doch schon Augustinus: "Viele, die drinnen sind, sind draußen, und viele, die draußen sind, sind drinnen." Langsam vergeht mir die Lust, mich mit einer solchen Gesellschaft in „einer Kirche“ zu fühlen. Vielleicht ist das Schisma schon lange eingetreten, von dem niemand etwas hören möchte.

Hinweis: Dieser Gastkommentar – sein Inhalt sowie die darin geäußerten Ansichten – sind kein Beitrag der Redaktion von CNA Deutsch. Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln zudem nur die Ansichten der jeweiligen Autoren wider. Die Redaktion von CNA Deutsch macht sich diese nicht zu eigen.  

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