Exklusiv: "Katholische Journalisten sind aufgerufen, die Wahrheit zu berichten"

"Die Berufung eines katholischen Journalisten besteht darin, die Wahrheit zu sagen, Hoffnung zu vermitteln und den Glauben zu stärken. Die Kirche und ihr Volk – und durch sie die Welt – brauchen dringend alle drei."

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13 January, 2022 / 12:20 AM

Der Journalist Francis X. Maier ist für die Jahre 2020-22 ein Senior Research Associate am "Center for Citizenship and Constitutional Government" der Universität von Notre Dame und Senior Fellow in Catholic Studies am Ethics and Public Policy Center. CNA Deutsch veröffentlicht – übersetzt – exklusiv in deutscher Sprache den Text einer Rede, die er am 12. Januar 2022 per Videokonferenz an die Mitarbeiter von EWTN News gehalten hat.  

Über den Wandel vom Wort zum Bild, von der Printkultur hin zu bildbasierten Medien und ihre Folgen: Darpber sind schon viele Bücher geschrieben worden – einige davon sind brauchbar. Aber bis wir alle Telepathen sind, und wahrscheinlich selbst dann, werden wir uns immer noch des Wortes bedienen.

Sprache hat Macht. Worte sind wichtig. Sie können Schönheit und Wahrheit ausdrücken. Oder sie können lügen und in die Irre führen, indem sie die wahren Absichten einer Person verschleiern. Deshalb sind wir beunruhigt, wenn wir heute Worte wie Gleichheit, Toleranz, Vielfalt und Integration so zwanghaft verwenden. Sie haben oft einen politischen Subtext, der nicht ganz unschuldig ist. Das Gleiche können wir über das Wort Insurrection [auf deutsch etwa "Revolte"] sagen. Der  [von deutschen Medien meist als "Sturm auf das Kapitol" übersetzte, Anm.d.R.] Aufstand am 6. Januar vergangenen Jahres war dumm, hässlich und zerstörerisch. Aber das war – im Gegensatz zu dem, was Sprecherin Pelosi sagt – keine "Revolte". Die Pariser Kommune von 1871 war eine Revolte. Die Unruhen am US-Kapitol im Jahr 2021 waren ein Aufstand.

Also noch einmal: Worte sind wichtig. Und ich möchte unsere Diskussion heute Abend mit ein paar Gedanken zu zwei sehr ähnlichen Wörtern beginnen: Loyalität und Treue. In der Alltagssprache verwenden wir diese Wörter austauschbar. Und das macht auch Sinn, denn ihre Bedeutungen sind eng miteinander verwandt. Aber sie sind nicht ganz dasselbe. Ihre Etymologie ist unterschiedlich.

Treue und Loyalität

Der Begriff Loyalität hat seinen Ursprung im Altfranzösischen, in den lateinischen Wörtern Lex und Legalitas. Im modernen Französisch wird aus Lex und Legalitas das Wort Loi, das Gesetz bedeutet, woraus sich das französische Wort für Loyalität, Lloyauté, ableitet.

Die Treue [englisch Fidelity, Anm.d.R.] hat Wurzeln in den lateinischen Wörtern fidere (vertrauen) und Fides (Glaube). Die Göttin Fides war eine der frühesten römischen Gottheiten. Sie war die Hüterin des guten Glaubens, des Vertrauens und der Ehrlichkeit – insbesondere in der Ehe.

Worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Loyalität suggeriert oft eine vertragliche Beziehung. In einem Vertrag einigen wir uns auf eine für beide Seiten nützliche Vereinbarung. Wenn Sie dies tun, werde ich das tun, und wir werden beide davon profitieren. Und solange wir uns beide an die vereinbarten Bedingungen halten, auf die vereinbarte Art und Weise und für die vereinbarte Zeit, hat der Vertrag Bestand.

Die Treue ist etwas ganz anderes. Treue suggeriert einen Bund, ein Bündniss. Verträge haben Auslauf- und Ausstiegsklauseln. Ein Bund ist dauerhaft. Kurzum: Beide Wörter implizieren eine Verpflichtung, aber nicht dieselbe Art.

Ich verhalte mich meinem Land und meinem Arbeitgeber gegenüber loyal. Diese haben einen berechtigten Anspruch auf meine Zeit, meine Aufmerksamkeit und meinen Dienst. Aber ihr Anspruch ist begrenzt. Er kann sich auch ändern.

Ich bin meiner Frau treu. Ihr Anspruch auf mein Leben ist dauerhaft und zudem ein Blankoscheck. Das gilt umgekehrt auch für meinen Anspruch an sie. Deshalb hat das Wort "Treue" eine tiefe Ernsthaftigkeit – eine intime, in Fleisch und Blut nachklingende Resonanz -, die der Loyalität manchmal fehlt.

Die Treue fordert uns alles ab: Alles, was wir haben, und das Beste, was wir haben. Immer, trotz aller Überraschungen oder neuen Bedingungen, die sich in der Beziehung entwickeln.

Der Bund ist das Wesen unserer Beziehung zu Gott und seiner Kirche. Es ist in erster Linie eine Beziehung der Liebe und erst in zweiter Linie eine Beziehung der Verpflichtung. Und deshalb ruft Er uns zur Tugend auf, die wir als Treue kennen.

Jede christliche Berufung beinhaltet dieselbe Substanz des Liebesbündnisses, jede auf ihre Weise. Als die frühen Jesuiten ihr Leben dem Missionsdienst ad majorem Dei gloriam – "Zur größeren Ehre Gottes" – widmeten, war das ein Ausdruck der Liebe, eine freie Gabe ihrer selbst, ihres ganzen Wesens, ohne Rücksicht auf den Preis.

Das ist genau der Geist, den jeder von uns in die Berufung des Journalismus und insbesondere des katholischen Journalismus einbringen sollte – eine Liebe zur Wahrheit und eine Liebe zu der Wahrheit. Das bedeutet einen Eifer, der Welt Jesus Christus und seine Kirche zu vermitteln, und zwar mit einer verzehrenden Leidenschaft für Spitzenleistungen: Wir geben unser Bestes.

Schlechte Nachrichten und der Calvinismus

Von Zeit zu Zeit fragt mich ein junger Mensch, ob und wie man katholischer Journalist werden kann. Ich gebe immer die gleiche Antwort: Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Da ich deutsch-irischer Abstammung und von Natur aus melancholisch bin, teile ich die schlechte Nachricht zuerst mit:

1. Das katholische Publikum schrumpft. Das wirkt sich auf die materiellen Ressourcen aus.

2. Viele der Leute, die übrig bleiben, werden immer älter, anderen fehlt es an den einfachsten Grundlagen und Ausbildung in der sakramentalen Vorstellung und der intellektuellen Substanz der Kirche.

3. Die Mainstream-Medien sind uns gegenüber feindselig; und sie ändern nicht nur, was wir denken, sondern auch wie wir denken.

4. Die eigene Regierung tritt uns gegenüber zunehmend unfreundlich auf.

5. Unser wirtschaftliches und politisches System fördert gleichzeitig Selbstbezogenheit und Abhängigkeit; das ironische Ergebnis ist ein weit verbreitetes Gefühl der Isolation und Machtlosigkeit.

6. Die Kirchenleitung ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sehr schwach. Die amerikanischen Katholiken haben über 50 Jahre lang unter falschen Voraussetzungen gelebt: Die Assimilierung hat dazu geführt, dass authentisches katholisches Leben von der säkularen Kultur einverleibt wurde und nun – wie Abfall in einem organischen System – auch keinen Einfluss mehr hat. Wir sind nicht einfach post-protestantisch, sondern post-calvinistisch. Amerika hat calvinistische Wurzeln, und wie der Yale-Historiker Carlos Eire in seinem Buch Reformations schreibt: Der Calvinismus kauterisierte die übernatürliche Vorstellung (Abschaffung des Fegefeuers, der Gemeinschaft der Heiligen, der Sakramente, der Reliquien) und richtete die Religion radikal auf die Belange und materiellen Ergebnisse dieser Welt aus. Damit schuf der Calivinismus – unwissentlich die Voraussetzungen, ja, eine Art Zwischenstation für die Säkularisierung und den Unglauben, die Apostasie.

7. Das Ergebnis all dessen ist eine Atmosphäre des Konflikts und des Verfalls, die zur Askese führt. Schönheit, Frieden, Hoffnung, Freude: Sie fehlen oft in der Kirche und ihrem Ordensleben – was die Gottesfrage sklerotisch und irrelevant erscheinen lassen kann.

Hier ist die gute Nachricht:

1. Viele der schlechten Nachrichten sind eigentlich gute Nachrichten, so wie kalte Duschen eine unangenehme, aber wirksame Behandlung für Betrunkene sind. Die Erfahrung der Demütigung des amerikanischen Katholizismus ist eine gute, weil ihre Früchte unzureichend waren. Das katholische Leben in den USA hat viele herausragende Männer, Frauen und Errungenschaften hervorgebracht, darunter auch Heilige, aber auch – zumindest in den letzten sieben Jahrzehnten – eine ganze Reihe von Betrügern, Mitläufern und Feiglingen.

2. Wie der Wirtschaftsguru Peter Drucker zu sagen pflegte: Jeder Erfolg birgt die Saat des Scheiterns in sich, weil er so leicht Selbstüberschätzung hervorruft. Aber auch das Umgekehrte ist wahr. Jeder Misserfolg birgt die Saat des Erfolgs in sich, wenn wir die richtigen Lehren aus dem Scheitern ziehen. Eine Lektion, die wir mit Gewinn in Betracht ziehen könnten, ist folgende: Wir müssen die besten Tugenden unseres Landes lieben, aber wir passen letztlich nicht hierher. Unsere Heimat und unsere endgültige Treue liegen woanders.

3. Unsere gegenwärtigen Umstände sind schwierig, aber sie sind alles andere als eine Überraschung. Sie wurden von Joseph Ratzinger vor mehr als einem halben Jahrhundert mit erstaunlicher Genauigkeit vorhergesagt. Die Kirche der absehbaren Zukunft wird kleiner sein. Aber sie wird auch kraftvoller, reiner und authentischer sein und dazu bereit, wieder zu wachsen, wenn die Verblendungen und falschen Voraussetzungen unserer Kultur zu ihrem Scheitern führen. Der Glaube hat Fruchtbarkeit und damit eine Zukunft. Der Unglaube – oder vielmehr die Selbsttäuschung des Unglaubens, was in Wirklichkeit ein Glaube an die falschen Dinge bedeutet, denn wir alle glauben an irgendetwas – ist ein unfruchtbarer Schoß und eine tote Zukunft.

4. Konflikte sind nicht immer schlecht; manche von ihnen sind heilig und gut. Sie schaffen Klarheit; Klarheit offenbart die Wahrheit; und die Wahrheit macht uns frei. Nicht bequem, aber frei. Sie zwingt uns, zu wählen, wo und wem wir unsere Loyalität versprechen. Zudem zwingt sie uns, uns der Frage zu stellen, wer und was wir wirklich sind.

5. Die Heilige Schrift hat nicht gescherzt: Wo das Böse im Überfluss ist, ist die Gnade und das Gute im Überfluss. Tausende von guten Menschen tun außergewöhnliche Dinge, die von der säkularen Kultur ignoriert werden. Es gibt nach wie vor ein katholisches Stammpublikum, das nach guten Texten, klarem Denken, wahren Informationen und Ermutigung dürstet. Die Erneuerung beginnt dort. Das ist in der Geschichte der Kirche schon hundertmal geschehen. Und es wird wieder geschehen, wenn Gott es will. Aber er wirkt durch den Mut und das Talent von Menschen wie Sie und ich.

"Was nun das Warum und Wie des katholischen Journalisten betrifft..."

Mit Blick auf das Warum ist zu sagen: Wir alle haben das Bedürfnis, den Sinn unseres Lebens zu verstehen. Der katholische Glaube ist in seiner Erklärung der Wirklichkeit wahr und daher auf einer intuitiven Ebene befriedigend.

Die amerikanische liberale Kultur basiert auf der Fiktion, dass wir uns selbst erschaffen und neu erschaffen können; dass Freiheit die Ablehnung verbindlicher moralischer Rahmen und verbindlicher universeller Wahrheiten erfordert. Die meisten Menschen sind jedoch – aus sehr guten Gründen – der unmöglichen Aufgabe, ihren eigenen Sinn zu schaffen und zu erhalten, nicht gewachsen. Das macht Angst. Eine Angst, die dann der Betäubung erfordert. Das wiederum schafft eine Kultur der Abhängigkeit und Sklaverei.

Der katholische Glaube ist eine Botschaft der Befreiung, der Hoffnung und des Sinns; eine realistische Botschaft, weil sie der menschlichen Sünde Rechnung trägt und einen Weg zur Erlösung und Versöhnung bietet. Diese Botschaft zu vermitteln, ist heilige und heilende Arbeit.

Was nun das Wie betrifft: Das Christentum ist beziehungsorientiert. Es hat Doktrinen, Strukturen und bewährte Praktiken. Und diese sind wichtig. Aber sie sind auch zweitrangig, denn der christliche Glaube ist keine "Ideologie". Er ist eine tägliche Beziehung zu Jesus Christus, und die meisten Menschen lernen Jesus Christus durch seine Gegenwart im Leben anderer Menschen kennen. Manche Menschen denken sich ihren Weg in die Kirche durch intellektuelle Bekehrung – z. B. Edith Stein und andere – aber die meisten Menschen haben eine Begegnung mit Gott durch das Beispiel oder das Zeugnis eines anderen Menschen. Und diese Erfahrung von Güte oder Liebe verändert die Art und Weise, wie sie die Welt sehen.

Aus diesem Grund sind Geschichten oft wirkungsvoller als Argumente. Menschen lieben Geschichten; wir lernen, während wir informiert oder unterhalten werden. Und das ist der Kern guten Schreibens, sowohl in der Belletristik als auch in der Sachliteratur. Guter Journalismus ist eine Übung in Sachliteratur. Er beinhaltet die vollständige, faire, akribische und wahrheitsgetreue Übermittlung von Fakten, selbst wenn uns diese Fakten nicht gefallen, selbst wenn die Fakten hässlich sind und uns demütigen. Aber wie wir diese Fakten erkennen, sie verstehen und ihre Bedeutung erklären, wird zu einem großen Teil von dem geprägt, was wir bereits glauben.

Der große Satz des heiligen Augustinus – crede ut intelligas, "glaube, damit du verstehst" – gilt für einen Atheisten wie Richard Dawkins genauso wie für jeden Papst. Dawkins ist ein Gläubiger, ob er es zugibt oder nicht. Seine spezielle Version einer Kirche ist der Kult des Szientismus. Und Szientismus ist keine Wissenschaft. Wissenschaft ist eine Reihe von Werkzeugen und eine Methode, um bestimmte Arten – nicht alle Arten, aber bestimmte Arten – von Wissen zu erlangen. Der Szientismus ist etwas ganz anderes. Es handelt sich um ein Glaubenssystem mit letztlich unredlichen Machtansprüchen. Echte Wissenschaft kann die Existenz Gottes ebenso wenig widerlegen, wie Philosophie oder Theologie sie beweisen können.

"Es gibt keine Nichtgläubigen"

Mein Punkt ist folgender: Es gibt Nicht-Theisten und Anti-Theisten, aber es gibt keine Nicht-Gläubigen. Jeder Journalist in einer CNN-, Fox- oder Washington-Post-Redaktion geht von bestimmten Prämissen über das Leben aus, die letztlich nicht bewiesen werden können.

Wir alle tun das; es ist ein natürliches menschliches Verhalten. Es handelt sich dabei um einen Akt des Glaubens, auch wenn wir ihn verschleiern oder anders nennen wollen. Auf dieser Grundlage des Glaubens bauen wir dann ein rationales Verständnis der Welt auf. Und dieses Fundament prägt dann unser Denken und Handeln. Wenn wir Journalisten sind, beeinflusst es, wie wir berichten und was wir berichten. Manche Überzeugungen unterstützen eine "Architektur" der Würde, des Lebens und der Hoffnung. Andere wiederum, egal wie ansprechend oder fortschrittlich sie erscheinen mögen, sind es letztlich nicht.

Der christliche Glaube ist die Grundlage für ein Leben, das mehr bedeutet als das kleine, beengte Wesen, das wir uns selbst nennen. Das ist der Grund, warum katholische Kunst, Musik und Literatur eine so dauerhafte und prägende Kraft haben.

Das ist auch der Grund, warum jeder katholische Journalist ein gutes Verständnis für die katholische Geschichte und Literatur haben sollte. Dinge wie Hubert Jedins brillante Geschichte des Konzils von Trient. Oder Georges Bernanos' großartiger Essay "Sermon of an Agnostic on the Feast of St. Therese". Oder Graham Greenes großartige Kurzgeschichte "The Hint of An Explanation" [auf Deutsch: "Der Fingerzeig"]. Oder Tolkiens wunderbare kleine Novelle "Leaf by Niggle".

Keiner dieser verschiedenen Texte gilt als Journalismus. Aber sie nähren das katholische Gedächtnis und die Phantasie. Sie nähren einen Geist und einen geistigen Rahmen, der uns hilft, der Welt in unserer eigenen Arbeit der Berichterstattung und Redaktion einen Sinn zu geben.

Lesen Sie! Lesen Sie! Lesen Sie mit einem kritischen Auge. Aber lesen Sie alles – katholisches und nicht katholisches. Einige der stärksten Einflüsse auf mein eigenes Denken als Erwachsener waren nicht christlich oder gar religiös, aber ich habe sie durch eine katholische Brille gelesen, die ich von anderen gelernt und dann selbst verfeinert habe. Lesen Sie wegen der Schreibe Ernest Hemingway; Neil Postman; sogar begabte Verrückte wie Terry Southern. Lesen Sie wegen des Inhalts Ratzinger, Wojtyla, Tolkien, C.S. Lewis, Josef Pieper, Eric Voegelin, Leszek Kolakowski, Christopher Lasch, Roger Scruton, Pierre Manent, George Parkin Grant.

Übrigens, wenn Sie Josef Piepers kleines Buch "Missbrauch der Sprache – Missbrauch der Macht" (1974) noch nicht gelesen haben, tun Sie es jetzt. Tun Sie es diese Woche. Es ist ein unverzichtbarer Text. Er beschreibt die politische Manipulation von Wörtern als "die Entartung der Sprache zu einem Instrument der Vergewaltigung".

Vergleichen Sie journalistische Stile und redaktionelle Stärken: NY Times vs. LA Times vs. Wall Street Journal. Prüfen Sie, worüber berichtet wird und wie. Untersuchen Sie, wo in einer Publikation oder auf einer Website darüber berichtet wird, und mit welcher Art von Schlagzeile. Und achten Sie darauf, was weggelassen wird. Ein erfahrener Redakteur kann lügen, ohne je ein Wort zu sagen, indem er einfach bestimmte Einzelheiten in einer Geschichte weglässt. Ein erfahrener Reporter kann die Wahrheit sagen, die ganze Wahrheit, indem er einfach einige relevante Zusammenhänge einbezieht.

Erweitern Sie Ihren Wortschatz, aber achten Sie auf Einfachheit. Seien Sie rücksichtslos bei der Bearbeitung Ihres eigenen Materials. Brennen Sie sich George Orwells Essay "Politics and the English Language" ins Hirn. Und um der Vernunft willen: Halten Sie sich von Twitter fern. Zumindest so lange, bis Sie gelernt haben, wie ein erwachsener Mensch zu denken und sich auszudrücken. Twitter schürt Konflikte. Es züchtet Unbesonnenheit und dumme, boshafte Kommentare. Wir ertrinken bereits in beidem.

Zu guter Letzt, und das ist vielleicht das Wichtigste: Versuchen Sie, das Beste in anderen anzunehmen. Kritisieren Sie Themen und Verhaltensweisen, nicht Personen. Das gesprochene Wort kann oft ignoriert oder vergessen werden.

Das geschriebene Wort ist für die Ewigkeit.

Zweifel am Journalismus: Ein persönliches Schlusswort

Ich möchte mit ein paar persönlichen Gedanken abschließen.

32 Jahre lang, als ich noch ein junger und sehr unerfahrener Redakteur war, hatte ich vier kleine Rahmen an der Wand meines Büros. Jeder Rahmen enthielt ein Zitat, eines von Alexander Issajewitsch Solschenizyn, eines von Léon Bloy, ein anderes von François Mauriac. Ich las diese Zitate jeden Morgen, während des Arbeitstages und jeden Abend, bevor ich nach Hause ging. Sie waren die Säulen, die meinen Tag stützten.

Der vierte und letzte Rahmen an meiner Wand enthielt einige Worte des großen chinesischen Theologen Mao Zedong [Mao Tse Tung], dessen Regime in den letzten Jahren vom Heiligen Stuhl so höflich reflektiert worden ist [eine Anspielung auf den umstrittenen Umgang des Vatikans mit der Volksrepublik unter Papst Franziskus und Kardinal Pietro Parolin, Anm.d.R.].

Mao war ein mörderischer Schurke, kein Heiliger. Niemand ist perfekt. Aber als Stratege gab es nur wenige, die seiner ebenbürtig waren. Und für Christen mit einer sehr langen Tradition der geistlichen Kriegsführung verdienen seine Worte der Reflektion: "Waffen sind ein wichtiger Faktor im Krieg, aber nicht der entscheidende Faktor; entscheidend sind die Menschen, nicht die Dinge."

Zumindest in diesem Punkt hatte Mao genau Recht: Die Menschen, nicht die Dinge, sind entscheidend.

Wir beeinflussen den Lauf der Welt durch unseren Einfluss auf andere Menschen. Ich war 15 Jahre lang Redakteur des National Catholic Register. Ich habe die Arbeit geliebt. Sie bleibt eine der größten Befriedigungen in meinem Leben. Und es hat fantastischen Spaß gemacht, denn nichts in der menschlichen Erfahrung – kein Thema in Wissenschaft, Technik, Bildung, Politik, Krieg und Frieden, Religion oder Wirtschaft – ist dem katholischen Glauben fremd.

Die Kirche hat nicht auf jedes Problem eine Antwort. Aber sie verfügt über die Weisheit, die Erfahrung und das moralische Vokabular, um uns dabei zu helfen, die Antwort zu finden, die sowohl Gott als auch der Menschenwürde am besten dient.

Was auch immer der Register erreicht hat – und ich denke, dass wir einige wunderbare Dinge erreicht haben – ist der Leidenschaft und dem Können seiner Mitarbeiter und Mitwirkenden zu verdanken. Die wahre Freude in diesen Jahren beim Register waren die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe – ihnen zu helfen, zu wachsen, von ihnen zu lernen, ihren Erfolg zu beobachten und Freundschaften zu schließen, die drei oder vier Jahrzehnte lang gehalten haben.

Wenn die Zeiten für die Kirche schwierig sind, wie es jetzt der Fall ist, ist es leicht, an der Mission und der Wirksamkeit des katholischen Journalismus zu zweifeln. Aber das ist ein Fehler. Und C.S. Lewis sagt uns, warum. Lewis sagte, dass alle Nationen und Zivilisationen, egal wie groß sie sind, früher oder später sterben. Aber die menschliche Seele – jede menschliche Seele – ist unsterblich und daher unendlich wertvoll. Wenn wir helfen, eine Seele zu retten, helfen wir, die Welt zu retten.

Als ich für den Register arbeitete, lag unsere wöchentliche Auflage in den ersten Jahren bei durchschnittlich 50.000 Exemplaren. Vielleicht 25.000 Menschen schlugen jede Woche die Zeitung auf. Vielleicht 10.000 blätterten ein paar Artikel durch. Vielleicht 5.000 haben den Inhalt tatsächlich gelesen und darüber nachgedacht. Vielleicht waren es nur 500, die durch das, was wir veröffentlicht haben, ihren Verstand bereichert, ihr Herz berührt oder ihren Tag auf irgendeine ernsthafte Weise erlöst haben. Aber das sind 500 Personen, die das, was sie gelesen haben, in die Ewigkeit mitnehmen werden. Und das ist ein ziemlich gutes Ergebnis für die Arbeit einer Woche.

Zweifeln Sie nie an der Bedeutung Ihrer Arbeit. Die Berufung eines katholischen Journalisten besteht darin, die Wahrheit zu sagen, Hoffnung zu vermitteln und den Glauben zu stärken. Die Kirche und ihr Volk – und durch sie die Welt – brauchen dringend alle drei.

So kommen wir zu zwei abschließenden Gedanken.

Der Philosoph Leszek Kolakowski begann sein Erwachsenenleben als marxistischer Intellektueller im kommunistischen Polen und endete als Bewunderer von Johannes Paul II. an der Universität von Chicago in den Vereinigten Staaten. Er war nie ein Christ, aber im Laufe der Zeit wurde er immer empfänglicher für die Bedeutung des religiösen Glaubens. Er sagte einmal: "Wenn eine Kultur ihren heiligen Sinn verliert, verliert sie allen Sinn", und so endet sie unweigerlich in einer "katastrophalen Verzweiflung". Er fügte hinzu, dass "der utopische Glaube an die Selbsterfindungsfähigkeiten des Menschen, die utopische Hoffnung auf unbegrenzte Perfektion, vielleicht das wirksamste Instrument des Selbstmords ist, das die menschliche Kultur je erfunden hat."

J.R.R. Tolkien würde dem zustimmen. Wir leben in einem Zeitalter der Menschen mit mechanischem Verstand und Uhrwerkherzen, einem Zeitalter, das nach Tolkiens Ansicht "verbesserte Mittel für verkommene Zwecke" bereithält.

"Die Evangelien", schrieb Tolkien, "enthalten ein Märchen, oder eine Geschichte größerer Art, die das ganze Wesen von Märchen umfasst." Aber diese Geschichte, sagte er, diese eine unerwartete, unverdiente, spektakuläre Geschichte, ist weder eine Fabel noch eine Legende. Sie hat Fleisch und Blut, Hunger und Durst, Glück und Leid; sie ist wirklich geschehen; sie ist in die alltägliche, materielle Welt eingetreten. "Die Geburt Christi", schrieb Tolkien, "ist die Eukatastrophe" – das große und jubelnde Ende – "der Geschichte der Menschheit ... Diese Geschichte beginnt und endet in Freude. Sie hat in hervorragender Weise die 'innere Konsistenz der Wirklichkeit'." Diese Geschichte, so Tolkien, "ist überragend, und sie ist wahr."

Und diese Geschichte, so meine ich, ist es wert, dass wir dafür unsere Talente einbringen, unsere Leidenschaften und unser ganze Leben einsetzen – als Gläubige und als Journalisten.

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