Römische Klarheit statt synodaler Konfusion

Blick über den Petersplatz und die Ewige Stadt
Foto: Seifeddine Dridi / Unsplash (CC0)
16 March, 2021 / 6:57 AM

Das von der Glaubenskongregation publizierte „Responsum ad dubium“ sowie die erläuternden Anmerkungen von Kardinal Luis Ladaria SJ sind theologische Klarstellungen, deren Inhalt aufmerksamen Lesern des Katechismus nicht unbekannt sind.

Der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing indessen äußerte sich nebulös: „In Deutschland und in anderen Teilen der Weltkirche gibt es seit längerem Diskussionen, in welcher Weise diese Lehre und Lehrentwicklung allgemein mit tragfähigen Argumenten vorangebracht werden kann – auf der Basis grundlegender Wahrheiten des Glaubens und der Moral, der fortschreitenden theologischen Reflexion und ebenso in Offenheit für neuere Ergebnisse der Humanwissenschaften und der Lebenssituationen heutiger Menschen. Auf Fragen dieser Art gibt es keine einfachen Antworten.“

Diese sibyllinischen Formulierungen decken sich nicht dem Katechismus. Ebenso wenig scheinen die verbindlich gültigen Konstitutionen und Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, die Enzyklika „Humanae vitae“ oder Schreiben wie „Familiaris consortio“ oder „Amoris laetitia“ nebensächlich oder unerheblich zu sein.

Vor allem bleibt auch Bätzings abstrakter Hinweis auf „Humanwissenschaften“ unbestimmt. Niemand ist gezwungen, die Lehre der Kirche gutzuheißen, zu billigen und zu befolgen – Katholiken aber sind eingeladen, den Weisungen der römischen Kirche zu folgen und ihr Leben nach dem Katechismus auszurichten. Von Bischöfen würde ich mir wünschen, dass sie die Lehre der Kirche nicht entwickeln, sondern verkünden. Der Katechismus ist auch keine moralische Zumutung, sondern eine geeignete Hilfe, ein Angebot, sich besonders im Zeitalter des Relativismus moralisch zu orientieren – vor allem, weil der Katechismus keine einfachen Antworten bietet, aber verlässlich römisch-katholische Orientierung.

Im Übrigen könnte auch darüber nachgedacht werden, ob eine Ethik der gelingenden Beziehungen im Bereich von Freundschaft, die durch Keuschheit gekennzeichnet sind, theologisch fundiert werden könnte. Bischof Dr. Georg Bätzing hat am fünften Fastensonntag im ZDF-Fernsehgottesdienst die Signatur der Gegenwart zu deuten versucht und in allgemeiner Weise sich für Reformen ausgesprochen: „Kleine Gruppen vermeintlich besonders Kirchentreuer rufen zur selben Zeit die Katastrophe aus, wenn beim Synodalen Weg dringend notwendige Veränderungen diskutiert werden, damit die Frohe Botschaft von Jesus Christus Menschen von heute überhaupt wieder erreicht.“ Die Entscheidung darüber, wer dem Herrn und Seiner Kirche im Leben und Sterben treu ist oder nicht, bleibt dem überlassen, der in allem und über alle beim Gericht das letzte Wort haben wird. Dass die vermeintlich oder tatsächlich Konservativen – was immer das genau sein mag, bleibt ja offen – auf dem „Synodalen Weg“ oder in dessen Umfeld, ob Weltchristen oder Kleriker, nun auch noch der Evangelisierung im Weg zu stehen scheinen, ist nicht mehr als eine subjektive Einschätzung. Lädt Bischof Bätzing mit solchen Bemerkungen zum Gespräch ein? Dialogsensibilität stelle ich mir zumindest anders vor. 

Katholiken in aller Welt dürfen für Post aus Rom immer wieder dankbar sein. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer erinnert im Zusammenhang mit den römischen Klarstellungen vom 15. März auch an die gebotene Treue zum Zweiten Vatikanischen Konzil: „Über den Ehebund zwischen Mann und Frau lehrt das Zweite Vatikanische Konzil in Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift und der Tradition der Kirche: »Durch ihre natürliche Eigenart sind die Institution der Ehe und die eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet und finden darin gleichsam ihre Krönung. Darum gewähren sich Mann und Frau, die im Ehebund nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch (Mt 19,6), in inniger Verbundenheit der Personen und ihres Tuns gegenseitige Hilfe und gegenseitigen Dienst und erfahren und vollziehen dadurch immer mehr und voller das eigentliche Wesen ihrer Einheit« (Gaudium et spes 48).“

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