Weltfrauentage sollten das Leben feiern

Diese Woche im Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter": Die Konsequenzen eines falschen Verhältnisses zu Sexualität und Körper – und warum zum Leben ermutigen immer besser ist als zum Töten ungeborener Kinder

"Warum nicht lieber in gute Aufklärung, ein gutes Hilfsnetz und bessere Förderung von Frauen mit Kindern und Familien investieren, damit der Mut bestärkt wird, ein Kind auszutragen, was vielleicht nicht geplant wa?"
Foto: Pixabay (CC0)
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12 March, 2018 / 2:00 PM

Mein Tag ist heute mit einer ungewollt komischen Frage unserer Ältesten gestartet. Als sie mitbekam, dass ich ein wenig zur Eile drängte, weil ich noch zur Schwangerschaftsrückbildungsgymnastik wollte, fragte sie mich, ob auch Männer dort hin gehen könnten, wenn sie ihren dicken Bauch los werden wollen.

Ganz passend dazu, kann ich verkünden: Nein, der Kurs ist nur für Frauen, außerdem ist heute Weltfrauentag. In der Fußgängerzone standen die Vertreter der großen Parteien und haben Blumen verteilt, beim Drogeriemarkt gab es besondere Rabattmarken auf Kosmetikartikel und beim Supermarkt bekam ich ein Schokoladenherz an der Kasse geschenkt.

Gestern wurden doch noch Stimmen laut, die Nationalhymne müsse "gegendert" werden, heute bekomme ich Rabattmarken für Kosmetik.  Ich werde zynisch und frage mich, wo die Männer mit ihren Plakaten sind, weil sie an keinem Weltmännertag hofiert werden? Wo sind die Frauenrechtlerinnen, die mit Kosmetik nichts am Hut haben wollen, sondern Wahlfreiheit fordern, da es bestimmt Frauen gibt, die lieber ein Schraubschlüsselset bekommen hätten? Und dann stelle ich fest, dass ich diese ganzen aufgeregten, Plakate bastelnden Menschen schon viel zu gewohnt bin und es gar nicht ungewöhnlich gefunden hätte, wenn irgendeiner wieder was zu meckern gehabt hätte.

Als ich mich zu Hause dann an den Computer setze werden ganz andere Stimmen laut. Die der Lebensschützer: Menschen die sich für die Schwächsten einsetzen, die selber keine Stimme haben. Plakate basteln bekommt wieder einen Sinn. 2,5% mehr Abtreibungen, Zugeständnisse der CDU an die SPD in den Koalitionsverhandlungen in Sachen Abtreibung, Kommentare von Abtreibungsbefürwortern, die auf die Selbstbestimmung der Frau pochen.

Ja, die Selbstbestimmung der Frau habe auch ich nicht vergessen und will sie an dieser Stelle hoch lobend erwähnen. Denn die Selbstbestimmung beginnt bevor ein Kind entstanden ist, aber Verantwortung hört auch nicht auf, wenn dann überraschend ein Baby im Bauch heranwächst. Sich die Rosinen rauspicken und nur dann auf Selbstbestimmung pochen, wenn es gerade passt, ist sicher nicht das, was die ersten Frauenrechtler erkämpft haben.

Das Statistische Bundesamt gibt an, dass im Jahr 2017 insgesamt 101.209 Babys bei einer Abtreibung getötet wurden. Davon 97.278 innerhalb der Beratungsregelung, im Gegensatz zu denen, die eine kriminologische oder eine medizinische Indikation als Grund angegeben haben.

Die meisten Frauen sind zwischen 25 und 35 Jahre alt. Was sind denn deren Gründe? Keine Zeit für ein Kind? Karrierepläne? Keine Lust auf ein Kind?

Was kann es für Gründe geben, einen Menschen zu töten. Ich bin sicher, dass hier eigentlich der Kern der Abtreibungsproblematik liegt. Es gibt keinen normativen Konsens darüber, ab wann ein Mensch ein Mensch ist. Genau darum drehen sich doch die Argumente der Abtreibungsbefürworter, die beschönigend nicht von einem Menschen oder einem Baby sprechen, sondern von einem Abbruch einer Schwangerschaft. So als würde ein unglücklicher Zustand beendet, ein Urlaub abgebrochen, weil das Wetter nicht so ist, wie erhofft.

Wir unterliegen dem Trugschluss, unser Leben in Gänze selbst bestimmen zu können. Wir glauben Rechte zu haben, wo wir keine Rechte haben. Niemand hat ein Recht auf ein gesundes Kind oder überhaupt auf ein Kind. Niemand hat das Recht seine Selbstbestimmung über das Leben eines anderen Menschen zu stellen. Doch 1000fach geschieht dies jeden Tag. In den Niederlanden sogar bis zur 20. Schwangerschaftswoche, kurz bevor ein Kind eine Überlebenswahrscheinlichkeit als Frühchen hätte. Legal also kann man dort in ein Krankenhaus gehen, erzählen dass einem gerade noch nicht so nach Kinder kriegen ist und schwuppdiwupp erledigt jemand die Drecksarbeit für einen. Im Film geben dunkle Gestalten bei der Mafia Tötungen in Auftrag, in der Realität passiert das in der schönen Welt der selbstbestimmten Frau, die nicht darunter leiden soll, naturgegeben die jenige sein zu müssen, die sexuelle Abenteuer ausbadet.

Nun gibt es jenen Paragrafen, der Leben schützt, in dem er Ärzten verbietet, eine Abtreibung zu bewerben, der nun abgeschafft werden soll, weil alle betroffenen Frauen gut informiert sein sollen. Zunächst frage ich mich, was da genau beworben werden soll. Ich denke, dass die grundsätzliche Möglichkeit, ein Kind in Deutschland abzutreiben, mit entsprechender Diagnose sogar bis zur Geburt, heute jedem bekannt ist. Das ist leider so und wird ja bereits trotz dieses Paragrafen vielfach in Anspruch genommen. Wie wir neuerdings wissen, sogar häufiger als in den Jahren zuvor.

Dennoch verhindert er, dass Abtreibung normaler Standard wird. Dass junge Frauen glauben, dass Abtreibung eine Art letzte Rückfallebene ist, so dass Geschlechtsverkehr gar keine Konsequenzen mehr hat. Wenn Verhütung und die Pille danach versagt haben, hole ich mir die Werbung vom nahe gelegenen Krankenhaus aus dem Briefkasten und vereinbare einen Termin zur Tötung meines ungeborenen Babys, da ich mich noch nicht reif fühle, die Verantwortung für ein Kind zu tragen.

Aha, als Mutter von drei Töchtern finde ich diese Vorgehensweise höchst verantwortungslos den Frauen gegenüber, denn Abtreibungen bringen ein hohes Risiko mit sich, an psychischen Folgeerkrankungen zu leiden. Krankenhäuser sind außerdem Wirtschaftsunternehmen, d.h. es hindert sie ohne diesen Paragrafen nichts und niemand daran mit der psychischen Gesundheit der Frauen und schließlich der Tötung von Menschenleben, Geld zu machen.

Warum nicht lieber in gute Aufklärung, ein gutes Hilfsnetz und bessere Förderung von Frauen mit Kindern und Familien investieren, damit der Mut bestärkt wird, ein Kind auszutragen, was vielleicht nicht geplant war und eigentlich nicht ins Leben zu passen scheint.

Warum Tötung bewerben, anstatt das Leben zu feiern- und das erst Recht am Weltfrauentag!

Das Blog "Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter" mit Elisabeth Illigerscheint jeden Montag bei CNA Deutsch. Alle bisherigen Blogposts finden Sie hier im Überblick. 

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Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Meinung des Autors wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.