Bischof Kohlgraf warnt davor, „eine christliche Wohlfühlreligion“ zu basteln

Bischof Peter Kohlgraf
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Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat davor gewarnt, man werde der Situation „unserer Welt“ wenig gerecht, „wenn wir uns eine christliche Wohlfühlreligion basteln, die den Ernst der Wirklichkeit ausblendet oder allein um binnenkirchliche Themen kreist“. In seiner Kolumne für die Bistumszeitung (aktuelle Ausgabe) reflektierte er über seine Lektüre zum Thema Apokalyptik und zog Parallelen zur Gegenwart.

Es gehe darum, „Gott ernst zu nehmen, auch seine Verborgenheit auszuhalten, aber Visionen zu entwickeln, die Menschen motivieren. Das biblische Gottesbild erinnert an die Verantwortung des Menschen für die Welt, die Schöpfung und die Menschheit. Ich lade dazu ein, die kritischen und prophetischen Möglichkeiten der Heiligen Schrift neu zu entdecken. Langweilig wird es dann auch im Christentum nicht.“

Derzeit könne man die Thematik der Apokalypse überall beobachten: „Menschen einer ‚letzten Generation‘ greifen die endzeitlichen Bilder der Bibel auf. Überschwemmungen, verheerende Brände rufen apokalyptische Bilder auf. Die biblischen Propheten setzten der alltäglichen Bedrohung Hoffnung und das Vertrauen auf Gott entgegen. Greta Thunberg hat vor einigen Jahren ihrem Auditorium zugerufen, sie wolle, dass die Menschen vor den anstehenden Umweltkatastrophen Angst hätten und keine Hoffnung.“

„Die biblische Motivation zur Veränderung ist hingegen eine andere“, betonte Kohlgraf. „Glauben, Hoffnung und die Liebe sind die besten Motivationen, sich für Gottes Schöpfung und die Menschen einzusetzen.“

„In den Zeitungen der letzten Wochen lese ich davon, dass Menschen immer weniger Vertrauen in die demokratische Politik unseres Landes haben“, so der Bischof weiter. „Es ist gut, wachsam und kritisch zu sein, es kann aber keine Lösung sein, sich innerlich herauszuziehen und extremen politischen Positionen nachzulaufen, die keine konstruktiven Ansätze bieten. Ich höre immer wieder vom Ende der Kirche, auch hier sind apokalyptische Töne zu vernehmen.“

Apokalyptische Szenarien seien auch mit Blick auf den Ukraine-Krieg sowie Fluchtbewegungen aktuell.

„Die Bibel ist ein hochaktuelles Buch“, erklärte Kohlgraf. „Die apokalyptischen Texte ermutigen, einer von innen und außen angefochtenen Kirche treu zu sein, weil Christus ihr treu bleibt.“