Rektor von Pilgerhospiz in Jerusalem: Angriffe kamen „nicht vollständig aus dem Nichts“

Markus Stephan Bugnyár
screenshot / YouTube / K-TV Katholisches Fernsehen

Der für das österreichische Pilgerhospiz in Jerusalem zuständige Priester Markus Stephan Bugnyár hat erklärt, die Angriffe der Hamas auf Israel „kamen zwar überraschend, jedoch auch nicht vollständig aus dem Nichts“.

Im Gespräch mit der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ (aktuelle Ausgabe) sagte er: „Schon seit geraumer Zeit spitzt sich die Lage zwischen Israelis und Palästinensern in vielen Städten der Westbank immer weiter zu und bereits im Mai gab es extreme Gewaltausbrüche, die man im Nachhinein schon beinahe als so etwas wie eine Art ‚Generalprobe‘ für die Gewalt am Sabbat und darüber hinaus betrachten kann.“

Hinzu komme, „dass Israel aufgrund der geplanten umstrittenen Justizreform durch die Regierung Netanjahu sowie der zahlreichen, von hunderttausenden Menschen unterstützten Demonstrationen und Streiks gegen eben genau diese Justizreform zutiefst gespalten ist – und nicht wenige Israelis mutmaßten bereits, dass dieser erbittert geführte Streit zwischen Gegnern und Befürwortern der Justizreform Israel als Ganzes gegenüber seinen äußeren Feinden schwächen werde, indem ein innerer Riss nach außen getragen wird und dies sowohl der Hamas als auch der Hisbollah und dem Iran in die Hände spielt. Wie die Hamas mit ihrem Überraschungscoup nun ja auch gezeigt hat.“

Seit Samstag herrscht Krieg im Heiligen Land. „Unter den mehr als 1.200 Todesopfern der Terrorattacken der Hamas in Israel sind nach Stand vom Mittwoch laut Armeeangaben auch 189 Soldaten“, berichtete die Tagesschau. „Die weitaus meisten der bei den Großangriffen getöteten Menschen sind demnach Zivilisten.“

„Auch im Gazastreifen stieg die Zahl der Toten erneut an – auf inzwischen 1.200, berichteten palästinensische Medien unter Berufung auf das Gesundheitsministerium des Gazastreifens“, hieß es weiter. „Etwa 5.600 Menschen wurden den Angaben zufolge dort verletzt. Etwa 340.000 der 2,3 Millionen Einwohner des Gebietes seien durch den Krieg vertrieben worden, teilten die UN mit.“

Bugnyár, der seit 2004 als Rektor für das österreichische Pilgerhospiz in Jerusalem verantwortlich ist, betonte, die internationale Staatengemeinschaft solle sich „grundsätzlich mit gut gemeinten ‚Ratschlägen von außen‘ insbesondere gegenüber Israel lieber etwas zurückhalten“, denn „langgehegte politische Vorhaben wie eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern durchzusetzen, wird aus Sicht der meisten Israelis mittlerweile für nicht umsetzbar gehalten“.

„Ich habe oftmals den Eindruck, dass gerade vonseiten der Vereinten Nationen oder anderer politischer Akteure versucht wird, von außen eine Lösung der verfahrenen Situation im Nahostkonflikt aufzuoktroyieren, mit der dann zumindest aus der Außenperspektive beide Konfliktparteien doch eigentlich gut leben können sollten – doch so wenig dies in den vergangenen Jahrzehnten funktioniert hat, so wenig wird dieses auch jetzt nicht funktionieren“, zeigte sich Bugnyár überzeugt.

Eine Lösung der Situation im Heiligen Land solle „ausschließlich von den politischen Akteuren vor Ort, nicht jedoch von außen erarbeitet werden“, forderte der Priester. Je eher sich „die Staatengemeinschaft beispielsweise vom Mantra einer Zwei-Staaten-Lösung für den Nahostkonflikt verabschiedet, desto eher wird man einer Lösung näherkommen.“

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