Vom Kardinalsrat zum Synodalrat? Weltsynode veröffentlicht Abschlussbericht

Weltsynode zur Synodalität, 28. Oktober 2023
Vatican Media

Wie sieht eine "Synodale Kirche" in Zukunft aus? Der Vatikan hat am späten Samstagabend den "Synthesebericht" der Weltsynode zur Synodalität veröffentlicht, der die wichtigsten Vorschläge enthält, die während der vertraulichen Gespräche der fast einen Monat dauernden Versammlung diskutiert wurden.

Eine Reihe von Vorschlägen, die von der weiteren Debatte über ein Diakonat der Frau bis zu Fragen der Geschlechteridentität und möglicherweise der Polygamie in Afrika reichen, haben Aufmerksamkeit erregt. 

Synodalitätssynode geht 2024 weiter

Der mit Spannung erwartete Text wurde am 28. Oktober von den 344 Synodendelegierten, zu denen erstmals auch Frauen und andere nicht-bischöfliche Stimmberechtigte gehörten, mit einer Absatz für Absatz vorgehenden Abstimmung angenommen.

Das Dokument schlägt eine "synodale Kirche" vor, welche die Synodalität in die Kirchenleitung, die Theologie, die Mission und die Unterscheidung von Lehre und pastoralen Fragen einführt.

Der 42-seitige Text, der bislang nur auf Italienisch vorliegt, behandelt 20 Themen, von der "Würde der Frau" bis zum "Bischof von Rom im Bischofskollegium". Zu jedem Thema werden Überlegungen, Gemeinsamkeiten und Vorschläge skizziert.

Diese Themen rund um Synodalität sollen nun auf örtlicher Ebene weiter diskutiert werden, und dann "zirkulär" — so Kardinal Mario Grech — im Oktober 2024 wieder im Vatikan weiter von den gleichen Delegierten einen Monat lang erörtert werden. 

Neue Ämter? 

Mehr in Vatikan

In der Abstimmung der Synode dieser Woche wurden mehr als 80 Vorschläge angenommen, darunter die Einrichtung eines neuen "Tauf-Amtes des Zuhörens und der Begleitung", die Einleitung eines Entscheidungsprozesses über die Dezentralisierung der Kirche und die Stärkung des Kardinalsrates zu einem "synodalen Rat", der den Papst berät.

Zu den weiteren Vorschlägen gehören die Zulassung von Lektoren zum Predigt-Amt "in geeigneten Kontexten", eine stärkere Rechenschaftspflicht für Bischöfe, die Unterstützung von "digitalen Missionaren" und die Förderung von "Initiativen, die eine gemeinsame Unterscheidung von kontroversen, lehrmäßigen, pastoralen und ethischen Fragen im Lichte des Wortes Gottes, der kirchlichen Lehre, der theologischen Reflexion und der Wertschätzung der synodalen Erfahrung ermöglichen".

Das Dokument ermutigt die Ortskirchen auch, mit "Gesprächen im Geiste" und Formen der Unterscheidung im Leben der Kirche zu experimentieren und "die Ausübung der Synodalität auf regionaler, nationaler und kontinentaler Ebene umzusetzen".

Prüfen, was manche einführen wollen

In dem Dokument werden die Bereiche, in denen während der Synodenversammlung vom 4. bis zum 29. Oktober Uneinigkeit herrschte, als "zu prüfende Angelegenheiten" aufgeführt. Dazu gehören der Zugang von Frauen zum Diakonat, der priesterliche Zölibat, die "eucharistische Gastfreundschaft" für Ehepartner, die nicht katholisch sind, sowie die Übertragung der Behandlung von Missbrauchsfällen an ein anderes Gremium anstelle des Bischofs.

Der Text wurde von "Experten" verfasst, die zur Synode eingeladen waren und von einer Kommission aus 13 Synodendelegierten beaufsichtigt wurden. Er soll "ein Hilfsmittel für die laufende Unterscheidung" sein. Er ist in drei Hauptabschnitte unterteilt, die sich mit den Elementen einer synodalen Kirche, der Beteiligung an der Mission und den Prozessen, die den Dialog mit der Welt ermöglichen, befassen.

Der Sprecher des Vatikans, Paolo Ruffini, sagte, dass mehr als 1.000 Änderungsanträge von den Synodendelegierten zum ursprünglichen Entwurf des Berichts eingereicht wurden, nachdem dieser am Mittwoch der Versammlung vorgelegt worden war.

Die Abstimmung über den Text fand am Samstagabend statt, wobei jeder Absatz die Zustimmung von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder benötigte, um in den endgültigen Bericht aufgenommen zu werden.

Jeder Absatz wurde bei der Abstimmung angenommen. Die meisten Gegenstimmen erhielt ein Absatz, der "Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Theologie des Diakonats" beschreibt und zu weiteren Überlegungen über den Zugang von Frauen zum Diakonat aufruft.

Kirche als Mission

"Anstatt zu sagen, dass die Kirche eine Mission hat, bekräftigen wir, dass die Kirche Mission ist", heißt es in dem Dokument. "Die Ausübung der Mitverantwortung ist für die Synodalität wesentlich und auf allen Ebenen der Kirche notwendig."

Der Text ist das Ergebnis wochenlanger Diskussionen von 365 Synodendelegierten nach jahrelangen Konsultationen auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene seit Beginn des globalen Synodenprozesses im Jahr 2021. Er legt den Grundstein für die zweite Vollversammlung der Synode zur Synodalität, die im Oktober 2024 stattfinden wird.

Die Synodenversammlung 2023 wird am 29. Oktober mit der Abschlussmesse von Papst Franziskus im Petersdom offiziell abgeschlossen.

Courtney Mares und Andrea Gagliarducci trugen zur Berichterstattung bei.