Gespräche zwischen Vatikan und Iran: Israel-Hamas-Konflikt birgt Gefahr einer Eskalation

Irans Außenminister Hossein Amir-Abdollahian und der Außenminister des Vatikans, Erzbischof Paul Gallagher.
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Der vatikanische Außenminister, Erzbischof Paul Gallagher, hat am Montagvormittag mit seinem iranischen Amtskollegen über den andauernden Krieg zwischen Israel und der Hamas telefoniert, wie der Heilige Stuhl mitteilte.

Der Vatikan teilte mit, dass das Gespräch am 30. Oktober vom iranischen Außenminister Hossein Amir-Abdollahian vor dem Hintergrund der Befürchtung, dass der Iran den Konflikt in der Region ausweiten könnte, erbeten worden war.

"Während des Gesprächs brachte Erzbischof Gallagher die tiefe Besorgnis des Heiligen Stuhls über die Ereignisse in Israel und Palästina zum Ausdruck und betonte erneut die absolute Notwendigkeit, eine Ausweitung des Konflikts zu vermeiden und eine Zwei-Staaten-Lösung für einen stabilen und dauerhaften Frieden im Nahen Osten zu erreichen", so der Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni, in einer Pressemitteilung.

Anfang des Monats hatte Amir-Abdollahian vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten gewarnt, sollte Israel seine Angriffe auf Gaza nicht einstellen.

Sollten "Maßnahmen zur sofortigen Beendigung der israelischen Angriffe" scheitern, "ist es sehr wahrscheinlich, dass viele andere Fronten eröffnet werden", sagte der iranische Außenminister am 15. Oktober gegenüber Al Jazeera. "Diese Option ist nicht ausgeschlossen und wird immer wahrscheinlicher.

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi sagte am Sonntag, die israelische Offensive im Gazastreifen habe "rote Linien überschritten" und "könnte alle zum Handeln zwingen", berichtete CNN.

"Washington bittet uns, nichts zu tun, aber sie unterstützen Israel weiterhin auf breiter Front", warnte Raisi in einem Beitrag in den sozialen Medien.

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, sagte CBS am Sonntag, dass die Beamten "ein erhöhtes Risiko sehen, dass dieser Konflikt auf andere Teile der Region übergreift".

Mehr in Vatikan

Irans Feindseligkeit gegenüber Israel reicht mehr als 40 Jahre zurück. Zwischen den beiden Ländern im Nahen Osten herrscht seit Jahrzehnten ein Stellvertreterkonflikt.

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas hat eine in der Geschichte der israelisch-palästinensischen Gewalt beispiellose Zahl von Opfern gefordert.

Bei dem Angriff radikal-islamischen Terror-Organisation Hamas am 7. Oktober wurden nach Angaben der israelischen Behörden 1.400 Menschen getötet, die meisten davon Zivilisten.

Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen starben bei der israelischen Gegenoffensive nach dem Angriff mehr als 8.000 Palästinenser. Die Opfer sind vor allem Frauen und Minderjährige.

Der Heilige Stuhl unterstützt eine Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina.

Inmitten des andauernden Krieges zwischen Israel und der Hamas im Heiligen Land hat Papst Franziskus am 27. Oktober eine Gebetsandacht mit eucharistischer Anbetung für den Frieden abgehalten.

Der Papst rief die Jungfrau Maria als Königin des Friedens und Mutter der Barmherzigkeit an und bat sie um "Fürsprache für unsere Welt in Gefahr und Aufruhr" und um "Bekehrung derer, die Konflikte schüren und anheizen".

Wegen des Kriegs in dem Land hat das Auswärtige Amt in Berlin bereits vor zwei Wochen eine Reisewarnung für Israel, die palästinensischen Gebiete und den Libanon ausgesprochen.

Die "Tagesschau" meldete am Montag, dass die die Familie der vermissten Deutsch-Israelin Shani Louk die Nachricht von ihrem Tod erhalten habe. Die 22-Jährige wurde wohl schon beim Angriff auf das Musikfestival getötet.

Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnete die Ermordung als "furchtbare" Tat und "Barbarei". Hier sei ein Mensch auf brutale Weise ermordet worden, sagte er während seiner Afrika-Reise im nigerianischen Lagos. "Das zeigt welch Geistes Kind diese Täter sind. Das ist etwas, das wir als Menschen nur verachten können."