Berichte: Papst Franziskus nimmt Kardinal Burke Wohnung, weil dieser sein "Feind" sei

Kardinal Raymond Burke
Steven Driscoll/CNA

Papst Franziskus hat Kardinal Raymond Burke seine Wohn- und Gehaltsprivilegien im Vatikan entzogen — so ein Bericht der Associated Press und weiterer Medien, den CNA bislang nicht bestätigen konnte.

Laut dem AP-Bericht, der sich auf Gespräche mit zwei anonymen Quellen stützt, hat der Papst seine geplanten Maßnahmen gegen den amerikanischen Prälaten bei einem Treffen der Leiter der vatikanischen Ämter am 20. November bekannt gegeben.

Der Papst soll gesagt haben, dass Burke eine Quelle der "Uneinigkeit" in der Kirche sei und dass er die Privilegien, die pensionierten Kardinälen gewährt werden, gegen die Kirche verwende.

Der italienische katholische Nachrichtenblog La Nuova Bussola Quotidiana berichtete erstmals am 27. November über die anstehenden Maßnahmen gegen Burke.

"Kardinal Burke ist mein Feind, also nehme ich ihm seine Wohnung und sein Gehalt weg", hatte der Papst bei dem Treffen am 20. November gesagt, so die ungenannte Quelle von Bussola im Vatikan.

CNA war bislang nicht in der Lage, Burke zu erreichen, um die Maßnahmen gegen ihn zu bestätigen. Das Kommunikationsbüro des Vatikans hat bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf die Bitte von EWTN um einen Kommentar reagiert.

Die AP berichtete, dass der Sprecher des Vatikans, Matteo Bruni, "Anfragen an Burke verwiesen hat".

Bruni weiter: "Ich habe dazu nichts Näheres zu sagen".

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Raymond Leo Burke wurde 1975 von Papst Paul VI. in Rom zum Priester geweiht und war von 1995 bis 2004 Bischof von La Crosse, Wisconsin, und von 2004 bis 2008 Erzbischof von St. Louis.

Der Kardinal gilt als Experte für Kirchenrecht und wurde 2008 von Papst Benedikt XVI. zum Präfekten des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatura ernannt — der höchsten Justizbehörde der Kirche. Zwei Jahre später machte Benedikt ihn zum Kardinal.

Kurz nach seiner Wahl zum Papst enthob Franziskus Burke seines Amtes, im Jahr 2014. Der argentinische Pontifex ernannte den US-Amerikaner stattdessen zum Kardinalspatron des Souveränen Malteserordens, eine hauptsächlich zeremonielle Funktion, die dem geistlichen Wohl der Ordensmitglieder gewidmet ist.

Burke konnte es zudem kaum ausüben: Berichten zufolge durfte er seit 2016 nicht mehr aktiv mitarbeiten. Die umstrittenen Änderungen im Malteser-Orden nahm der Papst mit dem mittlerweile in Ungnade gefallenen Kardinal Angelo Becciu vor.

Im Juni ernannte Papst Franziskus dann den Jesuiten-Kardinal Gianfranco Ghirlanda zu Burkes offiziellem Nachfolger. Auffällig dabei auch: Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe war Burke nur noch wenige Tage von der für Bischöfe üblichen Altersgrenze von 75 Jahren entfernt.

Burke hat sich als Kritiker einiger Initiativen von Papst Franziskus profiliert. Er war einer der fünf Kardinäle, die "Dubia" an Papst Franziskus schickten, in denen sie um eine Klärung der Position der Kirche zur Entwicklung der Lehre, zur Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, zur Autorität der Synode über die Synodalität, zur Frauenordination und zur sakramentalen Absolution baten.

Das Dokument wurde am Vorabend der Eröffnung der Synode über die Synodalität im Vatikan veröffentlicht und auf einer Pressekonferenz am 2. Oktober diskutiert, an der Burke teilnahm und seine Besorgnis über die Synode zum Ausdruck brachte.

"Es ist leider sehr klar, dass die Anrufung des Heiligen Geistes durch einige den Zweck hat, eine Agenda voranzutreiben, die mehr politisch und menschlich als kirchlich und göttlich ist", sagte Burke.

Das Vorgehen des Papstes gegen Burke — wenn bestätigt — ist kein Einzelfall. Auch Erzbischof Georg Gänswein wurde von Franziskus die Wohnung in Rom genommen. 

Bekanntlich hat Papst Franziskus Erzbischof Georg Gänswein angewiesen, den Vatikan zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren. Gänswein, langjähriger Sekretär von Papst Benedikt XVI., diente zudem sowohl Benedikt als auch Franziskus bis Februar 2020 als Präfekt des Päpstlichen Haushalts.

Gänsweins Weggang aus dem Vatikan nach dem Tod von Benedikt und der anschließenden Entlassung durch Papst Franziskus wurde von einigen als Strafe bewertet.

Einem Medienbericht zufolge verwies Papst Franziskus in seinen Aussagen zu der Entscheidung "auf den Brauch, dass die ehemaligen Privatsekretäre verstorbener Päpste nicht in Rom bleiben." Wie Burke ist Gänswein, 66, ohne Auftrag; ebenso wie der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur