Dogmatiker Tück deutet Festhalten am Synodalen Weg als „Akt deutscher Widerborstigkeit“

Jan-Heiner Tück
screenshot / YouTube / Katholische Akademie in Bayern

Der renommierte Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück hat das Beharren der Kirche in Deutschland auf einer Verstetigung des Synodalen Wegs als einen „Akt deutscher Widerborstigkeit“ gedeutet.

In einem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am Mittwoch bezog sich Tück auf den Papstbrief an vier Frauen, die aus dem Synodalen Weg ausgestiegen waren. Das Schreiben wurde am 21. November veröffentlicht. Darin hatte der Pontifex seine „Sorge“ darüber zum Ausdruck gebracht, dass sich Teile der Kirche in Deutschland „immer weiter vom gemeinsamen Weg der Weltkirche zu entfernen drohen“.

Tück, der Wiener Dogmatiker, erklärte, die hierarchisch verfasste Kirche müsse „auf die veränderte Umwelt demokratischer Gesellschaften reagieren, um nicht an Plausibilität einzubüssen. Für Franziskus geschieht dies durch die Stärkung kollegialer und synodaler Elemente. So wie er die Ausübung des Primats an kollegiale Beratungsorgane gebunden hat – den Kardinalsrat und die Bischofssynode –, so will er auch die Pragmatik des Bischofsamts stärker in synodale Verständigungsprozesse einbinden.“

Dabei wolle der Papst jedoch nicht die „Leitungskompetenz der Bischöfe, die in der sakramentalen Ordination verankert ist“, antasten.

„Genau dies geschieht beim Synodalen Weg in Deutschland“, so Tück. „Hier wird die Denkfigur der ‚freiwilligen Selbstbindung‘ der Bischöfe beschworen. Was der Synodale Rat, ein von Laien und Bischöfen besetztes Leitungsgremium, mehrheitlich bestimmt, das soll das bischöfliche Handeln bestimmen. Mancher Bischof, der sich mit sanftem Druck auf dieses Modell der freiwilligen Selbstbindung eingelassen hat, könnte sich schon bald als Gefangener volatiler Mehrheiten wiedersehen.“

„Der Papst wittert hier zu Recht einen Umbau der bischöflichen Verfassung, während Akteure des Synodalen Weges, darunter auch Bischöfe, dies vehement abstreiten“, fasste der Wiener Dogmatiker zusammen. „Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat den Brief des Papstes soeben im Berliner Hotel Titanic beiseitegewischt und sich geschlossen hinter den Synodalen Ausschuss gestellt. Das wird man in Rom als Akt deutscher Widerborstigkeit interpretieren.“

„Auf die nächste Post des Papstes“ dürfe man also „gespannt sein“, schloss Tück.