Redaktion - Donnerstag, 20. Februar 2025, 14:15 Uhr.
Bischof Karl-Heinz Wiesemann von Speyer hat mit Dorothee Wüst, der Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, zur Teilnahme an der Bundestagswahl aufgerufen. Die Wahl sei eine Entscheidung „über die Zukunft unseres Landes“, betonten die beiden am Mittwoch.
„Diese Wahl ist eine wichtige Gelegenheit, Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen und im Geiste des Evangeliums für Gerechtigkeit und Frieden einzutreten“, hieß es in dem Wahlaufruf. Die Demokratie lebe davon, „dass wir alle eine Stimme haben – lassen Sie uns von diesem Recht Gebrauch machen und unsere Stimme mit Bedacht einsetzen“.
Inhaltlich erklärten Wiesemann und Wüst: „Mit Besorgnis sehen wir, dass im Wahlkampf oft Ängste geschürt werden. Besonders beim Thema Migration beobachten wir eine Rhetorik, die spaltet statt verbindet. Doch Jesus selbst hat uns vorgelebt, dass jeder Mensch eine unantastbare Würde besitzt. ‚Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan‘ (Mt 25,40).“
„Lassen Sie uns als Christinnen und Christen eine Haltung der Nächstenliebe bewahren und jene unterstützen, die sich für eine Politik einsetzen, die Menschen mit Respekt begegnet“, forderten sie.
Ausdrücklich verwiesen der katholische Bischof und die protestantische Kirchenpräsidentin auf den ökumenischen Wahlaufruf der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK).
„Die aktuellen politischen Debatten fordern diese wehrhafte Demokratie heraus“, hieß es dort. „Wenn sich unsere Gesellschaft immer mehr polarisiert, bis sich Menschen unversöhnlich gegenüberstehen, haben extremistische Kräfte leichtes Spiel. Wir halten daran fest, dass Extremismus und vor allem völkischer Nationalismus mit dem Christentum nicht vereinbar sind.“
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Der ökumenische Aufruf von DBK, EKD und ACK listete mehrere Punkte auf, die den Vertretern der katholischen Kirche und anderer christlicher Vereinigungen wichtig sind, darunter der „Schutz des Lebens“, „denn jeder Mensch hat die gleiche unveräußerliche Würde“.
„Unser Land muss weiterhin Europa als den gemeinsamen Raum von Freiheit, Recht, Sicherheit und Wohlergehen stärken – und zugleich dem Frieden weltweit und den Menschenrechten dienen“, hieß es außerdem. Für „die Zukunft des Planeten und zur Bewahrung der Schöpfung“ sei ein Beitrag zu leisten.
„Unser Land muss auch weiterhin den Blick auf die globalen Erfordernisse und Nöte richten und zur Überwindung von Armut und Unterdrückung in aller Welt beitragen“, erklärten die Vertreter von DBK, EKD und ACK. „Unser Land muss einer humanitär orientierten Flüchtlingspolitik und einer guten Integration von Zuwanderern verpflichtet bleiben. Probleme sollten mit Entschlossenheit, aber ohne Ressentiments angepackt werden.“
Zudem forderten sie: „Unser Land muss Teilhabe und Gerechtigkeit im Blick halten. Dazu gehört die Soziale Marktwirtschaft mit einem weiterhin leistungsfähigen System der sozialen Sicherung.“
Kurz vor der Bundestagswahl am 23. Februar liegen CDU und CSU in Umfragen bei etwa 30 Prozent, gefolgt von der AfD mit etwa 20 Prozent. SPD und Grüne liegen bei um die 15 Prozent, wobei die SPD einen leichten Vorsprung hat. Ob FDP, Linke und BSW überhaupt in den Bundestag einziehen können – wozu mindestens fünf Prozent der Stimmen erforderlich sind – ist derzeit noch unklar.