Redaktion - Freitag, 2. Januar 2026, 15:00 Uhr.
Mit deutlichen Worten hat Österreichs Europa-, Integrations- und Familienministerin Claudia Plakolm (ÖVP) vor der Verharmlosung von Christenverfolgung gewarnt. Gleichzeitig forderte sie ein klareres politisches und gesellschaftliches Bekenntnis zur Religionsfreiheit.
„Wir müssen christenfeindliche Straftaten genauso laut und ernst ansprechen, wie jegliche andere Form von Hass“, betonte Plakolm im Interview mit der katholischen Wochenzeitung Die Tagespost.
Angesichts weltweiter Berichte über Angriffe auf Christen erklärte Plakolm, es sei „beklemmend, zu sehen, wo christliche Kirchen überall angegriffen, Priester entführt und Gemeinden drangsaliert werden“. Gerade in Europa gebe es jedoch die Tendenz, solche Vorfälle zu relativieren.
„Wenn Kirchen angezündet, Priester entführt und christliche Gemeinden drangsaliert werden, ist das in der öffentlichen Debatte bei uns kein großes Thema, dann wird differenziert und abgeschwächt“, sagte sie. „Das finde ich nicht gut.“
Zur internationalen Verantwortung Österreichs sagte die Ministerin, die Bundesregierung nehme die Verfolgung religiöser Minderheiten „sehr ernst“ und habe „bereits Maßnahmen für eine vermehrte Religionsfreiheit gesetzt“.
2023 sei im Bundeskanzleramt die Ombudsstelle für den Schutz verfolgter religiöser Minderheiten gegründet worden, 2024 habe man diese in eine eigenständige Stabstelle „Internationaler Schutz verfolgter religiöser Minderheiten“ überführt.
Dieses „sehr junge Projekt“ solle sich weltweit für die Rechte verfolgter religiöser Minderheiten sowie für Religions- und Glaubensfreiheit einsetzen. Dabei arbeite die Regierung „sehr eng mit Missio, der österreichischen Jungschar und ‚Kirche in Not‘ zusammen“. Zudem habe man „vor wenigen Wochen“ mit dem Souveränen Malteser-Ritterorden ein Memorandum unterzeichnet, „dass wir über dessen Struktur vor Ort gezielt helfen können“. Das sei für sie „ein großes und wichtiges Anliegen“.
Zu den konkreten Aufgaben der neuen Stabstelle erläuterte Plakolm, diese sammle „konkrete Infos und erstattet Bericht, damit wir in der Bundesregierung eine solide Basis und einen guten politischen Überblick über die laufenden Entwicklungen haben“.
Grundsätzlich gelte: „Es ist unsere Aufgabe, da nicht wegzusehen und Straftaten nicht kleinzureden.“ Religionsfreiheit sei „eine zentrale Menschenrechtsfrage unserer Zeit“.
Auf die Situation christlicher Konvertiten in österreichischen Flüchtlingsheimen angesprochen, betonte die Ministerin die Pflicht des Staates, Freiheit und Sicherheit zu gewährleisten. „Ja, es ist unsere Aufgabe, im Rahmen der Integration in einem demokratischen Landdie Grundprinzipien der Freiheit zu bewahren.“
In diesem Zusammenhang stellte sie klar: „So ist zum Beispiel auch das Kreuz in den Schulklassen nicht verhandelbar.“ Es habe „eine symbolische Bedeutung für unser Christentum und unsere Geschichte“ und sei „Ausdruck unserer christlichen Werte für das Miteinander“.
Zur Frage, ob der Entzug von EU-Finanzierungen für katholische Organisationen bereits als Christenverfolgung zu werten sei, erklärte Plakolm, man müsse „mehr denn je als politische Entscheidungsträger für unser christliches Land, unser christliches Europa einstehen“.
„Acht von zehn Gläubigen in Österreich sind Christen“, erinnerte sie. Es sei falsch, „mit unserem christlichen Glauben zu fremdeln“. Das sei „falsch verstandene Toleranz“. Zugleich müssten Einschnitte in Zeiten der Budgetkonsolidierung „auch auf EU-Ebene sachlich begründet“ sein.
Hintergrund der Debatte sind steigende Zahlen antichristlicher Gewalt in Europa. Die Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDAC) registrierte für 2024 insgesamt 2211 antichristliche Hassdelikte.
Gleichzeitig stieg die Zahl der gemeldeten Angriffe auf Personen von 232 auf 274, was die Beobachtungsstelle als Beleg für ein „Klima wachsender Intoleranz“ wertete.





