Redaktion - Dienstag, 3. Februar 2026, 11:00 Uhr.
Das Erzbistum Mailand hat laut der Tageszeitung „Avvenire“ bestätigt, dass der 32-jährige Influencer Alberto Ravagnani aus dem aktiven priesterlichen Dienst ausgeschieden ist. Der Geistliche hatte angegeben, er könne sein Verständnis von Berufung nicht mehr mit dem priesterlichen Amt vereinbaren.
Seit seiner Priesterweihe im Juni 2018 war Ravagnani eine der bekanntesten kirchlichen Stimmen in den italienischen sozialen Netzwerken. Mit rund 280.000 Followern auf Instagram und mehr als 130.000 auf TikTok gehörte er zu den reichweitenstärksten sogenannten Priester-Influencern des Landes.
Nach katholischer Lehre verleiht die Priesterweihe ein unauslöschliches geistliches Prägemal. Auch wenn ein Priester aus dem aktiven Dienst ausscheidet oder kirchenrechtlich in den Laienstand zurückversetzt wird, gilt die sakramentale Weihe nach kirchlichem Verständnis als dauerhaft – der laisierte Priester könnte also weiterhin gültig die Messe feiern, auch wenn er es nicht darf.
In dem italienischen Podcast „PoretCast“ schilderte Ravagnani kürzlich seine Sicht auf diesen Prozess. Er sagte: „Jetzt ist der Zug derselbe, aber die Gleise haben sich geändert. Ich möchte immer noch für Gott leben, der Botschaft Jesu folgen, meine Menschlichkeit so göttlich wie möglich leben, aber nicht mehr als Priester.“
Weiter erklärte er: „Das Leben als Priester genügt mir nicht mehr, ich passe nicht mehr hinein. Das Priestertum ist eine soziale Rolle mit Erwartungen und Verpflichtungen und einem begrenzten Handlungsspielraum.“
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„Mir wurde klar, dass ich all das bereits hinter mir gelassen habe“, fügte Ravagnani hinzu. „Und in mir ist eine Dissonanz entstanden zwischen dem, was ich als Priester sein sollte, und dem, wozu ich in diesem Moment berufen bin.“
Diese beiden Dinge seien zwar „nicht unbedingt unvereinbar, aber in meinem Leben waren sie es. In den letzten Jahren habe ich erkannt, dass es sehr schwierig – und vielleicht ungesund – für mich ist, mich in eine Gewohnheit zu zwängen, die mir mittlerweile zu eng ist.“
Bereits zuvor hatte Ravagnani mit öffentlichen Kontroversen Aufmerksamkeit erregt, wie CNA Deutsch berichtete. Im Herbst 2024 sorgte ein Werbevideo für Nahrungsergänzungsmittel für scharfe Kritik.
In dem Video fragte er provokant: „Assumere integratori è peccato?“ („Ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln eine Sünde?“). – Seine Antwort: „Ich bin 32 Jahre alt, habe viele Pläne im Kopf und viele Menschen, die ich liebe. Um alles schaffen zu können, muss ich fit sein: natürlich im Geist, im Kopf, aber wenn der Körper nicht mithält, bricht auch alles andere zusammen.“
Besonders umstritten war seine Aussage „Pregare non basta, ciccini“ („Beten reicht nicht aus, meine Lieben“), mit der er den Werbeaufruf begründete. Ravagnani verteidigte die Kooperation später mit dem Hinweis, die Einnahmen dienten kirchlichen Projekten. Er sagte: „Jeder gute Pfarrer hat die Pflicht, Geld für die Aktivitäten der Gemeinde zu sammeln, und das tue ich auch. Nichts Neues unter der Sonne.“





