Redaktion - Dienstag, 3. Februar 2026, 13:00 Uhr.
Die flämischen Bischöfe wollen die Debatte über den Zugang von Frauen zum Diakonat fortsetzen. Anlass ist ein offener Brief katholischer Frauen, die eine Entscheidung des Heiligen Stuhls zum Frauendiakonat kritisieren.
Ende Dezember hatte die Gruppe „Vrouwen-In-Zicht“ („Frauen im Blickpunkt“) einen offenen Brief veröffentlicht. Darin bedauerte sie die jüngste Entscheidung des Heiligen Stuhls, Frauen zumindest vorläufig nicht zum Diakonat zuzulassen.
Konkret ging es um den Abschlussbericht der sogenannten Petrocchi-Kommission durch den Vatikan. Die von Papst Franziskus eingesetzte Kommission hatte die Frage des Frauendiakonats aus historischer und theologischer Perspektive untersucht.
Am 4. Dezember 2025 wurde der nach Kardinal Giuseppe Petrocchi benannte Abschlussbericht veröffentlicht. Bei einer Abstimmung im Juli 2022 sprach sich die Kommission mit 7:1 Stimmen gegen die Zulassung von Frauen zum sakramentalen Diakonat aus. Zugleich empfahl sie, die Debatte fortzusetzen und neue, nichtsakramentale Dienste für Frauen zu schaffen.
In ihrem Brief äußerten die flämischen Verfasserinnen „tiefe Enttäuschung, Schmerz und Besorgnis“ über diese Entscheidung. Zugleich verwiesen sie darauf, dass „in der Praxis und weltweit Frauen bereits seit vielen Jahren Aufgaben wahrnehmen, die eng mit dem Diakonat verbunden sind, wie die Leitung von Gebetsgottesdiensten, die Seelsorge, die Pflege von Kranken und Armen sowie die Koordination von Seelsorgeteams“.
Der Brief enthielt mehrere Appelle, darunter „die Debatte über Frauen im Diakonat wirklich offen zu halten, Frauen strukturell in die Entscheidungsfindung einzubeziehen, Frauen, die sich zum Diakonat berufen fühlen, aktiv zuzuhören und die konkrete Beteiligung von Frauen an den Riten so weit wie möglich sichtbar zu machen“.
Nun veröffentlichten die flämischen Bischöfe eine gemeinsame Antwort. Wie das Medium Otheo am vergangenen Donnerstag berichtete, erklärten sie, den Schmerz und die Enttäuschung der Frauen zu verstehen, und dankten ihnen für ihr kirchliches Engagement.
Die Bischöfe betonten, es gehe nicht darum, die Diskussion über den Zugang von Frauen zum Diakonat zu beenden. „Wie gefordert, bleibt diese offen, ohne im Voraus auferlegte Einschränkungen“, schrieben sie.
Zugleich unterstrichen die Bischöfe die Bedeutung weiblicher Beteiligung an Leitungsaufgaben. „Die Präsenz von Frauen in der Kirchenleitung ist zweifellos eine Bereicherung“, hieß es in der Stellungnahme. Frauen sollten daher, wo immer möglich, strukturell in Entscheidungsprozesse zu theologischen, liturgischen und pastoralen Fragen eingebunden werden.
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Mit Blick auf die Weihefrage erklärten die Bischöfe, die Tradition dürfe nicht das alleinige Kriterium sein. Vielmehr müssten die „Zeichen der Zeit“ ernst genommen werden.
Frauen, die sich zum Diakonat berufen fühlten, müssten angehört werden, ohne dass dabei falsche Hoffnungen geweckt würden. Zudem betonten sie die liturgische Dimension und erklärten, es sei nicht gut, „wenn nur Männer liturgische Aufgaben bei einer Feier übernehmen“.
Die Reaktionen aus dem Kreis der Initiatorinnen fielen zurückhaltend positiv aus. „Wir freuen uns über diese positive Antwort“, sagte Josian Caproens, eine der Verfasserinnen des offenen Briefes, gegenüber Otheo. „Auch unsere Bischöfe bedauern eindeutig, dass die Debatte in Rom eingestellt wurde, und freuen sich über unser Engagement für die Kirche. Sie versprechen außerdem, gemeinsam mit uns darüber nachzudenken, wie Frauen in der Liturgie und in Entscheidungsgremien mehr Möglichkeiten geboten werden können.“
Die Stellungnahme ist Teil der längerfristigen liberalen Positionierung der belgischen Bischöfe. Bereits im Februar 2024 hatten sie ein Diskussionspapier veröffentlicht, in dem sie eine stärkere Rolle von Frauen forderten und sich dafür aussprachen, auf nationaler oder kontinentaler Ebene „grünes Licht“ für bestimmte Schritte zu geben. Damals erklärten sie, dass sich die Kirche „nicht auf eine Einbahnstraße beschränken“ könne, wenn es um die Verkündigung des Evangeliums gehe.
Der kirchliche Diskurs über Änderungen in Belgien steht zudem unter rechtlichem Druck. So verurteilte ein belgisches Zivilgericht im Juni 2024 Kardinal Jozef De Kesel und seinen Nachfolger als Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Luc Terlinden, zu Geldstrafen von jeweils 1.500 Euro. Grund dafür war die verweigerte Zulassung einer Frau zur Diakonenausbildung. Das Gericht äußerte sich zwar nicht zur Frage einer möglichen Weihe, sah jedoch ein fehlerhaftes Vorgehen der Verantwortlichen.
Lehramtlich hält die katholische Kirche daran fest, dass nur Männer zur Priesterweihe zugelassen werden können. Diese Lehre gilt als endgültig verbindlich. Maßgeblich formuliert wurde sie im Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis von Papst Johannes Paul II.
Darin heißt es: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“
Da die Kirche das Weiheamt als ein einziges ansieht, aber mit drei Stufen – Diakonat, Presbyterat, Episkopat –, gilt die Unmöglichkeit weiblicher Priester analog auch für weibliche Diakone und weiblische Bischöfe.





