Kardinal Tobin: Aussagen des Katechismus über Homosexualität "sehr unglücklich" formuliert

Kardinal Joseph Tobin von Newark bei der Moderation eines Podiumgesprächs beim Weltfamilientreffen 2018.
Daniel Ibanez / CNA

Kardinal Joseph Tobin, Erzbischof von Newark (USA), hat die Beschreibung von Homosexualität im Katechismus der Katholischen Kirche als "sehr unglücklich" bezeichnet. Er hoffe, dass der Katechismus in Zukunft "eine andere Ausdrucksweise" für die Beschreibung homosexueller Neigungen wie Handlungen finde.

"Die Kirche, denke ich, führt eine interne Debatte darüber, wie wir aus unserem Glauben heraus mit Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen umgehen und reden. Worüber es keine Debatte geben sollte, ist, dass wir aufgerufen sind, sie willkommen zu heißen", sagte Tobin am 17. April in einem Interview mit Anne Thompson des US-Senders NBC in der Sendung "Today Show".

"Aber wie können Sie Menschen willkommen heißen, die Sie als 'in sich nicht in Ordnung ' bezeichnen?" fragte Thompson.

Tobin antwortete: "Nun, ich bezeichne sie nicht als 'in sich nicht in Ordnung'".

"Aber ist das nicht, was im Katechismus der Katholischen Kirche steht?" fragte Thompson.

"Das ist", sagte Tobin und fuhr fort, "das ist eine sehr unglückliche Ausdrucksweise. Hoffen wir, dass diese Formulierung irgendwann etwas weniger verletzend ist."

Der Katechismus der Katholischen Kirche beschreibt homosexuelle Handlungen – wie auch andere, aus katholischer Sicht unmoralische Sexualakte – als "in sich nicht in Ordnung" oder "ungeordnet".

Menschen mit homosexuellen Neigungen werden nicht als "in sich nicht in Ordnung" bezeichnet.

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Der Katechismus behandelt die Frage der Homosexualität in seinem Abschnitt über die Berufung zur Keuschheit, zu der aus kirchlicher wie biblischer Sicht alle Katholiken berufen sind.

"Die Geschlechtslust ist dann ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen angestrebt und dabei von ihrer inneren Hinordnung auf Weitergabe des Lebens und auf liebende Vereinigung losgelöst wird." (KKK 2351)

Wie ihre Geschwister im Glauben sind auch Menschen mit homosexuellen Neigungen "zur Keuschheit berufen", betont der Katechismus.

"Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen."

Auch homosexuell veranlangte Menschen "sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen", fährt der Katechismus in Absatz 2358 fort.

Kardinal Joseph Tobin unterstützte 2017 das Buch Building a Bridge – "Eine Brücke bauen" – des Jesuitenpaters James Martin, in dem gefordert wird, dass die Kirche "eine andere Sprache" finden soll.

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Tobin sagte über das Buch, dass sich "LGBT-Menschen in unserer Kirche oft unwillkommen, ausgeschlossen und sogar beschämt" gefühlt hätten. "Pater Martins mutiges, prophetisches und inspirierendes neues Buch ist ein wesentlicher Schritt, um kirchliche Leitfiguren einzuladen, mit mehr Mitgefühl zu wirken, und um die LGBT-Katholiken daran zu erinnern, dass sie genauso Teil unserer Kirche sind wie jeder andere Katholik."

Tobin sprach im Interview mit dem TV-Sender unter anderem auch über die Ermittlungen seiner Erzdiözese über Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens bis hin zu Gewalt und Missbrauch durch den ehemaligen Newarker Erzbischof Theodore McCarrick und sagte, dass er immer noch mit "dem Generalstaatsanwalt und den Behörden des Staates New Jersey" im Gespräch sei.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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