Emeritierter Kardinal von Washington erhielt 2 Millionen Dollar für „Dienstaktivitäten“

Kardinal Donald Wuerl
CNA Deutsch (Archiv)

Der 2018 zurückgetretene emeritierte Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, bekam im vergangenen Jahr von der Erzdiözese über 2 Millionen Dollar für nicht näher bezeichnete "Dienstaktivitäten".

Eine Prüfung der Finanzunterlagen der Erzdiözese durch das Online-Magazin The Pillar stellte fest, dass Wuerl im Geschäftsjahr 2020 genau 2.012.639 Dollar für "fortlaufende Dienstaktivitäten" zugewiesen wurden.

Der Betrag, der Wuerl zugewiesen wurde, war von etwa 1,5 Millionen Dollar im Jahr 2019 angestiegen. Der Finanzbericht der Erzdiözese gibt nicht im Detail an, welche "fortlaufenden Dienstaktivitäten" die Mittel ermöglichten.

Im Gegensatz dazu sank der Betrag, den die Erzdiözese für die "Ausbildung von Priestern" bereitstellte, leicht von 1,1 Millionen Dollar im Jahr 2019 auf knapp über 1 Million Dollar im Jahr 2020, berichtet die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch. 

In ähnlicher Weise wurden "Erzdiözesane Wohltätigkeitsspenden" im Jahr 2020 mit etwas mehr als 401.000 Dollar aufgelistet, gegenüber etwas mehr als 651.000 Dollar im Geschäftsjahr 2019.

The Pillar bestätigte, dass Wuerl mindestens einmal Exerzitien predigte, und zwar für eine Gruppe von US-Bischöfen im Januar 2021. Die Erzdiözese reagierte nicht auf Fragen von The Pillar, welche anderen seelsorgerischen Aufgaben die Erzdiözese Wuerl anvertraut hatte.  

Enthüllungen im Sommer 2018 über das sexuelle Fehlverhalten des ehemaligen Kardinals Theodore McCarrick warfen Fragen darüber auf, ob Wuerl, McCarricks Nachfolger, von McCarricks Verfehlungen wusste.

McCarrick wurde beschuldigt, sowohl Minderjährige als auch erwachsene Seminaristen und Priester sexuell missbraucht zu haben. Papst Franziskus laisierte ihn daraufhin im Februar 2019.

Wuerl hat stets darauf bestanden, dass er bis 2018 nichts über McCarricks sexuelles Fehlverhalten gewusst habe.

Nichtsdestotrotz hatten sowohl frühere Berichterstattung von CNA als auch der zuletzt erschienene McCarrick-Report festgestellt, dass Wuerl im Jahr 2004 über unangemessenes Verhalten informiert worden war.

Obwohl Wuerl einen Bericht über das angebliche Fehlverhalten an den Apostolischen Nuntius in Washington weiterleitete, wurden keine Aufzeichnungen darüber gefunden, dass der Nuntius, der zu diesem Zeitpunkt schwer erkrankt war, den Bericht jemals an den Vatikan weitergeleitet hat.

Der McCarrick-Report beschreibt auch einen Vorfall aus dem Jahr 2010, bei dem Wuerl dem damaligen Papst Benedikt davon abriet, McCarrick einen Geburtstagsgruß zu schicken, weil "die Möglichkeit bestand, dass die New York Times einen bösen Artikel über das 'moralische Leben' des Kardinals veröffentlichen würde, der bereits ausgearbeitet war."

Wuerl, inzwischen 80 Jahre alt, wurde im Mai 2006 an die Spitze der Erzdiözese Washington berufen. Papst Benedikt XVI. ernannte ihn im Jahr 2010 zum Kardinal. Zuvor war er seit 1988 Bischof von Pittsburgh.

Papst Franziskus nahm Wuerls Rücktritt im Oktober 2018 auf dessen Wunsch hin an, bat ihn aber, bis zur Ernennung seines Nachfolgers als Apostolischer Administrator zu bleiben. Im Mai 2019 wurde Erzbischof – jetzt Kardinal – Wilton Gregory in Washington installiert.

Die Erzdiözese Washington veröffentlichte am 4. März, nach dem Bericht von The Pillar, eine Erklärung, in der es heißt, dass es sich bei den Geldern für "fortlaufende Dienstaktivitäten" um Spenden handelt, "die von Personen gemacht wurden, die Kardinal Wuerls Ausgaben und dienstliche Bedürfnisse decken wollen".

Diese beinhalten "Lebenshaltungskosten, vorherige geschäftliche Reisen nach Rom, sowie karitative Anfragen, die an den emeritierten Erzbischof gestellt wurden", so die Erklärung, die hinzufügt, dass sich die "Spenden im Laufe der Zeit angesammelt haben".

The Pillar merkte jedoch an, dass die für Wuerl bereitgestellten Mittel als "Nettovermögen ohne Spenderbeschränkungen" klassifiziert sind, was bedeutet, dass sie nicht den "vom Spender auferlegten Beschränkungen unterliegen, die festlegen, wie, wann und/oder ob das Nettovermögen für Ausgaben zur Verfügung steht".

Diese Einstufung scheint im Widerspruch zu der Aussage der Erzdiözese zu stehen, dass die Gelder mit der ausdrücklichen Absicht gespendet wurden, die Ausgaben von Wuerl zu decken.

The Pillar hat sich mit der Erzdiözese in Verbindung gesetzt, um speziell nach der Zweckbestimmung der Gelder zu fragen, hatte aber bis Redaktionsschluss keine Antwort erhalten.

"Alle Ausgaben von Kardinal Gregory und Kardinal Wuerl werden von Mitgliedern des Finanzrates der Erzdiözese das ganze Jahr über geprüft. Alle Ausgaben durchlaufen die normalen Haushalts- und internen Kontrollverfahren der Erzdiözese, die auch jährlich von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft werden", so die Erklärung der Erzdiözese.

Die US-Bischofskonferenz hat Richtlinien für die Versorgung von Bischöfen im Ruhestand festgelegt und empfiehlt, dass ihre Diözese ihnen ein Stipendium von mindestens 2.250 Dollar pro Monat gibt, dazu Unterkunft, Krankenversicherung, ein Auto, Reisekosten, Sekretariatsunterstützung und ein angemessenes Begräbnis.

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