Primas von ganz Irland kritisiert "drakonische" Einschränkungen von Gottesdiensten

Erzbischof Eamon Martin
Foto: Northern Ireland Executive (CC BY-ND 2.0)

Ein hochrangiger Erzbischof hat die irische Regierung beschuldigt, "drakonische" neue Vorschriften für öffentliche Gottesdienste "auf versteckte Weise" einzuführen, wie die Catholic News Agency (CNA) berichtet.

In einer Erklärung vom 18. April forderte Erzbischof Eamon Martin ein dringendes Treffen mit den Behörden und erklärte, die katholische Kirche suche rechtlichen Beistand bezüglich neuen Maßnahmen.

Die Regelungen sind in einem sechsseitigen Dokument enthalten, das als "Rechtsverordnung 171/2021" bekannt ist und von Gesundheitsminister Stephen Donnelly am 12. April genehmigt wurde.

Der Text verbietet große Versammlungen in Innenräumen aufgrund der Corona-Krise, mit einer schmalen Liste von Ausnahmen, darunter für Priester, die die Messe per Livestream feiern, sowie für Hochzeitsfeiern und Beerdigungen.

Martin, der Erzbischof von Armagh und Primas von ganz Irland, sagte, Irlands Erzbischöfe hätten erst am 16. April von den neuen Beschränkungen erfahren, als sie im Amtsblatt der irischen Regierung veröffentlicht wurden – Tage nachdem sie in Kraft getreten waren.

"Die genauen Bestimmungen sind unklar und scheinen auf den ersten Blick drakonisch zu sein. Sie gehen weiter als die Beschränkungen, mit denen wir bisher während der Pandemie kooperiert haben", sagte er im Namen der vier katholischen Erzbischöfe des Landes.

"Wir werden Rechtsbeistand einholen, um uns zu verschiedenen Fragen bezüglich des Umfangs des gesetzlichen Instruments beraten zu lassen."

Martin war unter den christlichen Führern, die sich am 15. April mit Regierungschef Micheál Martin trafen.

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In einem Kommuniqué, das nach dem Treffen herausgegeben wurde, hieß es, der irische Premierminister und die Kirchenführer freuten sich "auf die Zeit, in der die Gottesdienste und andere Aktivitäten vor Ort wieder aufgenommen werden können".

Erzbischof Martin drückte seine Enttäuschung darüber aus, dass die neuen Maßnahmen eingeführt wurden, obwohl der Regierungschef versichert hatte, er verstehe die Bedeutung des Gottesdienstes für das irische Volk.

In Irland, einem Land mit einer Bevölkerung von fast fünf Millionen Menschen, wurden bis zum 19. April insgesamt 244.000 Corona-Fälle sowie 4.836 Todesfälle registriert.

Aufgrund von Regierungsmaßnahmen ist der öffentliche Gottesdienst im Land seit dem 7. Oktober 2020 ausgesetzt – eine der längsten Einschränkungen in Europa.

Die irische Regierung signalisierte, sie werde – wegen des fortschreitenden Impfprogramms – im Mai beginnen, die Beschränkungen vorsichtig zu lockern. Einige Bischöfe haben die Behörden aufgefordert, der Wiederaufnahme öffentlicher Gottesdienste Vorrang einzuräumen.

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Am Sonntag schloss sich Bischof Kevin Doran von Elphin dem Primas von ganz Irland in seiner Kritik an den neuen Regelungen an.

Auf der Facebook-Seite der Diözese Elphin schrieb er, die Maßnahmen seien nicht schlüssig.

"Ich habe gerade dem Gesundheitsminister zugehört, als er über seine neue Rechtsverordnung sprach, die, wie er sagt, nur 'groß angelegte Versammlungen' kriminalisiert. Mit Verlaub, ich glaube, er irrt sich", erklärte er.

"Die Rechtsverordnung macht es zu einem Verbrechen, an einer 'spezifizierten Veranstaltung' teilzunehmen und führt dann verschiedene Ausnahmen auf. Ein Geistlicher darf einer Messe beiwohnen, 'um aus der Ferne durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie Gottesdienste oder Andachten zu leiten'. Das wirft die Frage auf, ob es die Tatsache der Übertragung ist, die die Messe rechtmäßig macht."

"Das gesetzliche Instrument hat auch eine seltsame Anomalie geschaffen, weil es zwar feststellt, dass Hochzeitsempfänge keine 'spezifizierten Ereignisse' sind, aber die Klausel, die es Geistlichen erlaubte, tatsächlich eine Hochzeit zu feiern, die in früheren Richtlinien vorhanden war, wurde aus dieser neuesten Rechtsverordnung entfernt. Der Minister muss dies noch einmal überdenken."

Der irische Rundfunksender RTÉ berichtete, der Gesundheitsminister habe seine Bereitschaft signalisiert, sich mit den Bischöfen zu treffen, um die neue Regelung zu besprechen.

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