Gebet, Reden, Gespräche: 101. Katholikentag in Münster eröffnet

Bundespräsident Steinmeier kritisiert Bayerns Kreuz-Entscheidung und betont: Er hoffe, dass evangelische Ehepartner katholischer Christen Kommunion empfangen dürfen

Der diesjährige Katholikentag steht unter dem Motto "Suche Frieden!"
Foto: Katholikentag.de
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Am Mittwochabend, dem 9. Mai 2018, ist in Münster der 101. Deutsche Katholikentag eröffnet worden. Zur Eröffnung versammelten sich nach Angaben des Veranstalters 18.000 Menschen.

Einer der Gastredner war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er würdigte Katholikentage als "Kraftquelle" und "wichtige Orte der Selbstverständigung". Sie "konfrontierten" die Kirche mit den aktuellen Fragen der Zeit – und die Gesellschaft mit "Haltungen und Orientierungen", die aus christlicher Überzeugung kämen.

Kritisch äußerte sich der Bundespräsident über die Entscheidung der bayerischen Regierung, auch in Eingangsbereichen von Behörden Kreuze aufzuhängen. Der Staat habe "die Religion nicht zu bevormunden", interpretierte Steinmeier den Schritt.

Der SPD-Politiker brachte außerdem seine Hoffnung zum Ausdruck, dass evangelische Ehepartner von Katholiken die heilige Kommunion empfangen können sollten. Er appellierte "nicht als Bundespräsident, sondern als bekennender evangelischer Christ, der in einer konfessionsverschiedenen Ehe lebt":

"Lassen Sie uns Wege suchen, den gemeinsamen christlichen Glauben auch durch gemeinsame Teilnahme an Abendmahl und Kommunion zum Ausdruck zu bringen."

Wie dies angesichts der grundsätzlich unterschiedlichen Sicht auf die Kommunion möglich sein soll – evangelische Christen lehnen in der Regel die katholische Lehre der Eucharistie ab – erklärte Steinmeier nicht. Der Bundespräsident gab sich überzeugt: "Abertausende Christen in konfessionsverschiedenen Ehen hoffen darauf".

Sehen Sie hier die Predigt von Bischof Rudolf Voderholzer, in der er die Politisierung des Katholikentags kritisiert:

Auch Papst Franziskus übersandte eine Botschaft an den Katholikentag, die verlesen wurde. Darin erklärte der Heilige Vater, dass er sich wünsche, dass das Treffen "ein großes Fest des Glaubens wird und ein weit sichtbares Zeichen für den Frieden". Das Friedensmotto des Katholikentags sei "ein Imperativ und ein brandaktueller Hilferuf".

Es gebe derzeit kein wichtigeres Thema in der öffentlichen Debatte über Religion "als das Problem von Fanatismus und Gewaltbereitschaft", so Franziskus. Er sorge sich besonders um die Flüchtlinge vor Krieg und Gewalt. "Sie klopfen bei uns an mit der Bitte um Hilfe und Aufnahme."

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, würdigte die über 70 Friedensjahre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und verurteilte Nationalismus und Egoismus, Populismus und Ausgrenzung. Frieden sei keine Angelegenheit für eine privilegierte Mehrheit, sondern auch für die Benachteiligten, für Flüchtlinge, für jene am Rande der Gesellschaft, für die Ungeborenen und Senioren.

Zum Abschluss der Eröffnungszeremonie betete der Münsteraner Bischof Felix Genn gemeinsam mit Schülern das Gebet des Katholikentags. Das fünftägige Treffen in Münster steht unter dem Motto "Suche Frieden". Die Veranstalter erwarten etwa 50.000 Dauerteilnehmer und rund 20.000 Tagesgäste.

Der katholische Fernsehsender EWTN.TV wird in einer Sondersendung am Samstag, dem 12. Mai um 20.30 Uhr und am Sonntag, dem 13. Mai um 17.30 Uhr vom Katholikentag berichten.

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