Afghane appelliert an Papst Franziskus, in Kabul steckende katholische Familie zu retten

Ali Ehsani
Foto: Mit Genehmigung

Ein afghanischer christlicher Flüchtling, dessen Eltern in den 1990er Jahren von den Taliban getötet wurden, appelliert an Papst Franziskus, einer katholischen Familie zu helfen, die sich derzeit (Stand 20. August) auf dem Kabuler Flughafen befindet.

"Ich bitte sowohl den Heiligen Stuhl als auch die italienischen Behörden, diese christliche Familie, die sich noch im Flughafen befindet, sofort zu retten", sagte Ali Ehsani gegenüber CNA am 19. August.

"Als Christ habe ich in Afghanistan gelitten. Ich weiß, wie schwer das Leiden ist", sagte er. Ehsani, der seit 2003 in Rom lebt, hofft, seinen Appell persönlich an den Papst richten zu können. "Ich würde sehr gerne den Papst treffen", sagt er. Seine Botschaft für das mögliche päpstliche Treffen? "Rettet diese christliche afghanische Familie, die dort am Flughafen festsitzt".

Die katholische Familie besteht aus fünf Kindern und ihrer Mutter. Der Vater ist seit letzter Woche verschwunden. Die Familie befürchtet, dass sein Verschwinden mit ihrer christlichen Identität zusammenhängt, inmitten von Berichten, dass die Taliban von Tür zu Tür gegangen sind, um Haushalte und Familien zu kontrollieren.

Ehsani hat einen Brief von der Familie, die hofft, in Italien Zuflucht zu finden. Er stand auch in Kontakt mit den italienischen Behörden, die ihm rieten, die Identität der Familie zu ihrer eigenen Sicherheit in den Medien zu verschweigen.

Er macht sich Sorgen, dass "das Risiko, dem Christen in Afghanistan ausgesetzt sind, dem entspricht, was meine Eltern riskiert haben", betont Ehsani. "Meine Eltern wurden von den Taliban getötet".

Als Flüchtling verließ er Afghanistan mit seinem Bruder im Jahr 1997, nachdem seine Eltern getötet worden waren. Da war er acht Jahre alt. Das Leben in einer christlichen Gemeinschaft war in Afghanistan besonders schwierig, weil die meisten Familien gezwungen sind, ihre Identität als Christen aus Angst um ihr Leben geheim zu halten.

"Keiner sagte, wer Christ ist. Sie hatten Angst, erwischt zu werden", erklärt Ehstani. In Afghanistan wie vielen anderen muslimischen Gesellschaften ist die Bekehrung zum Christentum eine Todesstrafe. Dennoch finden immer wieder Muslime zum christlichen Glauben.

In Ehsanis Fall entschieden sich seine Eltern, ihren Glauben vor ihrem sehr jungen Sohn geheim zu halten, aus Angst, dass er ihn versehentlich einem seiner Klassenkameraden gegenüber erwähnen könnte. Er fand erst heraus, dass seine Eltern Christen waren, nachdem er von einem seiner Mitschüler in der Grundschule ausgefragt wurde. "Ich ging zur Schule und die Jungs fragten mich: 'Warum kommt dein Vater nicht in die Moschee?' Ich ging nach Hause. Ich fragte meinen Vater, warum er nicht in die Moschee geht", sagte er.

"Mein Vater fragte mich: 'Wer hat dir das erzählt?' Ich sagte, meine Klassenkameraden hätten es mir erzählt", so Ehsani. "Dann sagte mir mein Vater, dass ich niemals jemandem erzählen soll, dass wir Christen sind", sagte er. "Wir gehen nicht in die Moschee. Wir müssen in die Kirche gehen."

Ehsani sagte, dass er viele Fragen an seinen Vater habe: "Wie sind die Christen? Wo sind Christen?" Aber sein Vater drängte ihn, dass er alles geheim halten müsse, sagt er. Trotz der Vorsichtsmaßnahmen seines Vaters entdeckten die Taliban die Identität der Familie.

"Als sie herausfanden, dass wir Christen waren, wurden meine Eltern leider getötet", sagte er. Seit er nach Italien gekommen ist, hat Ehsani, mittlerweile 32 Jahre alt, einen Abschluss in Jura gemacht. Er hofft, dass er helfen kann, andere christliche Familien vor der gleichen Tragödie zu bewahren, die er als Kind erlebt hat.

Mit der christlichen Familie, die derzeit in Kabul gestrandet ist, stand er in den letzten sechs Monaten über WhatsApp in Kontakt. Er erzählte CNA, dass es vier Monate dauerte, bis sich die Familie ihm gegenüber so weit öffnete, dass sie ihm mitteilte, dass auch sie katholisch sind.

Afghanistan ist zu über 99% muslimisch, wobei die Mehrheit sunnitisch ist. Es gibt kleine Gruppen von Christen, darunter bis zum Sieg der Taliban etwa 200 Katholiken, sowie Buddhisten, Hindus und Baháʼís.

Die christliche Gemeinde Afghanistans besteht hauptsächlich aus Konvertiten vom Islam und ist die größte religiöse Minderheitengruppe des Landes. Aufgrund der Verfolgung bleibt die christliche Gemeinschaft weitgehend vor der Öffentlichkeit verborgen.

Am 20. August wartete die katholische Familie, mit der er in Kontakt stand, immer noch am Flughafen von Kabul, so Ehsani.

Möglicherweise könnte die Familie durch die deutsche Luftwaffe und Einheiten der Bundeswehr geborgen werden: Die deutschen Soldaten haben mittlerweile über 1.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Mit eigens nach Afghanistan transportierten Hubschraubern werden Schutzbedürftige weiterhin zum Flughafen gebracht und dann über Drittländer evakuiert, gemeinsam mit anderen NATO-Verbündeten. 

Ehsani hat zwei Bücher in italienischer Sprache über sein Leben unter den Taliban und seine Erfahrungen als afghanischer Flüchtling geschrieben: "Heute Nacht sehen wir die Sterne" und "Die Kinder haben große Träume".

Er sagt, dass seine Botschaft an die internationale Gemeinschaft heute lautet: "Gebt Afghanistan nicht auf."

"Lasst Afghanistan nicht im Stich. Lasst es nicht allein. Wir dürfen diese Menschen nicht im Stich lassen. Sie dürfen die 20 Jahre Opfer, die sie in Afghanistan gebracht haben, nicht wegwerfen."

"Ich hoffe, dass eines Tages auch die Christen, die in Afghanistan im Stillen leiden, einen Ort bekommen, an dem sie in Europa sicher sein können und wo ... sie frei gehen und beten können", sagte er.

Zehntausende von Menschen sollen offenbar noch evakuiert werden, meldet die Associated Press. Kabul, die Hauptstadt von Afghanistan, fiel am 15. August kampflos an die Taliban. Der afghanische Präsident Ashraf Ghani floh bereits zuvor aus dem Land. Auch US-Präsident Joe Biden und der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) sind in scharfe Kritik für ihren Umgang mit der Situation vor Ort geraten.

Die Taliban kontrollierten Afghanistan von 1996 bis 2001. Während dieser Zeit wurde eine strenge Auslegung der Scharia durchgesetzt. Unter anderem war das Spielen von Musikinstrumenten verboten, und Mädchen durften ab einem bestimmten Alter nicht mehr zur Schule gehen.

Mit der Wiedererlangung der Kontrolle über Afghanistan durch die Taliban und der Änderung des Namens in "Islamisches Emirat Afghanistan" wird die Scharia wahrscheinlich strikt durchgesetzt werden.

Das könnte Sie auch interessieren:

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.