Aus Florenz ein erneutes Nein zum Krieg. Kardinal Bassetti: Im Namen Gottes, hört auf!

Abschlussrede des Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz beim Treffen “Mittelmeer, Grenze des Friedens"

Kardinal Gualtiero Bassetti
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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"Was wir erlebt haben – und was wir immer noch erleben – war ein großer historischer Moment. Das ist ein entscheidender Punkt, den ich ausdrücklich betonen möchte. Wir müssen uns bewusst sein, dass diese wunderbaren Tage, in denen wir uns austauschen und zuhören konnten, etwas Neues und zutiefst Anderes im Vergleich zur Vergangenheit darstellten." So Kardinal Gualtiero Bassetti, Präsident der italiensichen Bischofskonferenz (CEI) und Bischof von Perugia-Città della Pieve, in seiner Abschlussrede beim Treffen der Bischöfe des Mittelmeerraums und der Bürgermeister der Mittelmeerstädte in Florenz.

Das Mittelmeer, wünschte der Kardinal, müsse wieder "ein Meer werden, das vereint und nicht trennt. Gott hat uns hierher nach Florenz gerufen. Gegen alle Widrigkeiten, gegen alle Schwierigkeiten, gegen jeden Krieg. Spes contra spem (wörtlich: Hoffnung gegen Hoffnung; in Anlehung an Röm 4,18: Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde A.d.R.), wie Giorgio La Pira gesagt hätte."

Giorgio La Pira war einen italienischer Politiker und Akademiker (1904-1977) und Bürgermeister von Florenz, der sich entschieden für den Frieden eingesetzt hat, und dessen Seligsprechungsprozess im Gang ist.

"Heute – erklärte der Präsident der CEI – erschüttert eine weitere Notlage unsere Herzen. Die dramatischen Nachrichten und noch beunruhigenderen Bilder aus der Ukraine berichten uns von einer humanitären Tragödie, die wir uns gewünscht hätten, nie zu sehen. Meine Gedanken und Gebete gehen an all die Menschen, die jetzt in den Schutzkellern sind, und an diejenigen, die auf der Flucht sind. An alle, die kämpfen, möchte ich die einfachen Worte eines alten Priesters richten: "Ich bitte euch, ich flehe euch an, hört auf! Im Namen Gottes: Nein zum Krieg!"

Und die Bürgermeister und Bischöfe, die die sogenannte "Charta von Florenz" oder Florenz-Erklärung unterzeichnet hatten, bat Kardinal Bassetti, diese Erklärung "in die Städte, Schulen, Religionsgemeinschaften, Pfarreien zu bringen. Verbreitet sie, aber verkörpert sie vor allem in eurem Leben. Tatsächlich ist diese Charta das - nicht nur symbolische - Zeugnis dafür, dass es ein mediterranes Bewusstsein gibt. Dieses Papier ist ein sozialer Pakt, ein Pakt sozialer Freundschaft. Die Charta von Florenz ist ein Lichtstrahl  dunkelster Stunde."

Bei der "Charta von Florenz" handelt es sich um Erklärung, die die circa 120 anwesenden Bischöfe und Bürgermeister am Samstag unterzeichnet hatten. In der Charta betonen sie die Werte des Mittelmeerraumes, bekräftigen den Willen zu weiterer Zusammenarbeit und Austausch, und laden die Regierungen der Regionen dazu ein, die Bürgermeister und religiöse Vertreter bei politischen und sozialen Fragen stärker einzubinden. Außerdem rufen sie zu Dialog, Engagement in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und Klimaschutz, zu Geschwisterlichkeit, friedlichem Zusammenleben und Vermeidung von Gewalt, sowie zu interreligiösem und interkulturellem Austausch und zur Verteidigung der Menschenwürde auf.

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