Becciu beschuldigt, während Pell-Verfahren Geld nach Australien überwiesen zu haben

Kardinal George Pell (links) und Kardinal Angelo Giovanni Becciu.
Foto: Alexey Gotovskiy // Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Italienischen Presseberichten zufolge soll der zurückgetretene Kardinal Angelo Becciu während des Prozesses gegen Kardinal George Pell mehrere hunderttausend Euro von Konten des Vatikans auf ein Konto in Australien überwiesen haben. Das berichtet die "Catholic News Agency". Der Kardinal hat auf diese Vorwürfe, die von CNA nicht unabhängig bestätigt wurden, bislang nicht reagiert.

Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" berichtete am gestrigen Freitag, dass die Überweisung in einem Dossier mit Beweisen dokumentiert sei, das von Ermittlern und Staatsanwälten des Vatikans gegen den Kardinal zusammengestellt wurde.

Nach Angaben der italienischen Zeitung "Il Messaggero" hat Monsignore Albert Perlasca, ein ehemaliger enger Mitarbeiter Beccius im Staatssekretariat, diesen Vorwurf gegen erhoben. Perlasca soll mit der Staatsanwaltschaft des Vatikans zusammenarbeiten, die den Fall untersuchen.

Dabei geht es um schwere Vorwürfe von Geldwäsche, Korruption und Misswirtschaft im Staatssekretariat.

Laut "Il Messagero" beschuldigt Perlasca seinen ehemaligen Chef, die Summe von 700.000 Euro von einem Konto des Vatikans auf ein australisches Konto überwiesen zu haben – umgerechnet über 1,14 Millionen australische Dollar – während Pell sich vor der Justiz gegen Vorwürfe angeblichen sexuellen Missbrauchs zweier Minderjähriger wehrte.

(Australiens High Court hat Pell von diesen Vorwürfen am 7. April 2020 einstimmig freigesprochen.)

CNA hat den Inhalt der neuen Vorwürfe italienischer Medien gegen Becciu nicht selbst bestätigt. Auch ist unter anderem der genaue Zeitpunkt und Empfänger der Überweisung unklar, die Becciu laut dem "Messagero" getätigt haben soll. 

Perlasca war von 2009 bis Juli 2019 als Verwaltungschef tätig. Dann ernannte Papst Franziskus ihn zum "Promotor der vatikanischen Justiz" am Obersten Gericht der Apostolischen Signatur; er war somit Chefankläger des höchsten kirchlichen Gerichts der Katholischen Kirche. Becciu diente als Sostituto Staatssekretariats von 2012 bis 2018. Dann ernannte ihn Papst Franziskus zum Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren – und zu einem Kardinal der Kirche.

Im Februar durchsuchten Ermittler die Wohnung und das Büro Perlascas wegen seiner Beteiligung an einer Investition des Vatikans in Höhe von Hunderten von Millionen Euro mit dem italienischen Finanzier Raffaele Mincione.

Am 24. September wies Papst Franziskus Kardinal Becciu an, von seinem Amt in der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse zurückzutreten, und die Rechte und Privilegien eines Kardinals abzulegen – nachdem der Pontifex offenbar Berichte über finanzielle Vergehen des Mannes vorgelegt worden waren.

Becciu bestreitet bis heute alle Vorwürfe und beteuert seine Unschuld.

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